Blasenkarzinom: Fluoreszenz lässt Krebszellen aufleuchten

29. März 2007, 14:31
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Verbesserte Zystokopie zur Untersuchung und auch Nachkontrolle des Gewebes

Wien - Ein Blasenkarzinom wird in Österreich jährlich 2.500 bis 3.000 Mal neu diagnostiziert. Bei Männern (und dies wiederum mehrheitlich bei Rauchern) steht das Karzinom an der vierten Stelle der häufigsten Krebserkrankungen, bei den Frauen an der siebenten. Das Problem liegt darin, dass bei den weniger bösartigen Tumoren häufig Rückfälle auftreten, bei den aggressiven hingegen die Hälfte der Patienten binnen zwei Jahren stirbt. Ein neues Diagnoseverfahren lässt per Fluoreszenz die Krebszellen bei der Untersuchung aufleuchten und verbessert damit die Chancen der Patienten, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Kategorien

Blasenkarzinome spielen sich in drei Kategorien an: Da sind die papillären, die nur oberflächlich an der Blasenschleimhaut wachsen. Sie sind mit zwei Drittel der Fälle die häufigsten. Diese Tumoren lassen sich gut entfernen, es kommt aber bei 50 bis 70 Prozent der Patienten binnen relativ kurzer Zeit zu einem Rückfall. Die Betroffenen leiden viele Jahre an der Erkrankung - mit wiederholten chirurgischen Eingriffen.

Dazu kommen die Carcinoma in situ - das sind flach wachsende, aber trotzdem sehr gefährliche Karzinome. Sie lassen sich mit den üblichen Katheter-Untersuchungen kaum erkennen. Die dritte Gruppe sind die hoch invasiven Tumoren, die schnell in umgebende Organsysteme einwachsen und auch Metastasen bilden. Die Entfernung der Harnblase ist hier die wichtigste Behandlungsstrategie.

Untersuchung

Neben der Beurteilung von Zellproben ist die Zystoskopie - also die visuelle Untersuchung der Harnblase mit einem biegsamen Katheter - die wichtigste Untersuchungsmethode. Mit normalem Licht hat sie aber nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Eine Verbesserung verspricht die an der Ludwig-Maximilian-Universität in München entwickelte Fluroeszenz-Zystokopie. Hier wird ein Lichtverstärker in die Blase eingebracht, welcher bösartige Zellen unter blauem Licht besser aufleuchten lässt.

Dirk Zaak, Mitentwickler der Methode in München: "Damit lässt sich die Rückfallsrate von mehr als 40 auf 16 Prozent im Zeitraum von acht Jahren reduzieren." Das Verfahren wird zur Diagnose, aber auch während der Operation angewendet. Im letzteren Fall sichert die bessere visuelle Darstellung des Tumors die möglichst restlose Entfernung von bösartigem Gewebe. In der Folge kann das Verfahren auch zur Nachkontrolle verwendet werden.

Verbesserte Erkennung

Die flach wachsenden Carcinoma in situ werden mit dem Verfahren, das offiziell in der EU zugelassen worden ist, überhaupt erst per Zytoskopie erkennbar. Der Chef der Urologischen Universitätsklinik in Wien, Michael Marberger: "Damit lassen sich selbst bei einer optimalen Zytologie (Untersuchung von Zellen aus dem Harn, Anm.) um 68 Prozent mehr solcher Veränderungen erkennen." Dabei wurde bisher die Untersuchung von Zellen als hundertprozentig effektiv angesehen.

Laut Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit der neuen Methode, lässt sich dadurch vor allem bei Patienten, denen sonst oft erneute Eingriffe drohen, eine Kostenersparnis für das Gesundheitswesen von rund 170 Euro pro Jahr erreichen. Wenn man den Betroffenen aber einige der Eingriffe während ihres Lebens ersparen könnte, wäre das vor allem ein enormer Nutzen für die Lebensqualität der Patienten. (APA)

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