Ausstellungseröffnung: Antike Ärzte als Magier und Wissenschafter

29. März 2007, 13:43
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Thymian gegen Warzen und Amulette als Empfängnisverhütung - Rezepte, komplizierte Eingriffe und Zauberkraft im Papyrusmuseum

Wien - Dem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Magie in der antiken Heilkunst widmet sich eine Ausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet wird. Das Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek gibt einen Einblick in das Leben von Ärzten und Patienten zwischen dem vierten Jahrhundert vor und dem siebenten Jahrhundert nach Christus.

"Die Ägypter haben viel von einzelnen Körperteilen verstanden und auch schon komplizierte Eingriffe vorgenommen", sagte Cornelia Römer, Direktorin des Papyrusmuseums. Trotzdem hätten sich Mediziner zusätzlich auf Zauberkraft verlassen.

Einerseits halfen sich die Menschen mit erprobten Salben und Tinkturen. Ägyptische Ärzte verwendeten bereits vor Christi Geburt Thymian gegen Warzen und Olivenöl als Abführmittel. Oder ein Zahnpasta-Rezept, wonach Steinsalz, Minze, Wein und Honig gut für weiße, Karies-freie Zähne seien. Andererseits glaubten die Menschen der Antike an die Heilkraft und den Schutz durch magische Kräfte:

Amulette als Empfängnisverhütung

Unter den insgesamt 68 Exponaten der Sonderausstellung finden sich zahlreiche Amulette, die beispielsweise vor Skorpion- oder Hundebissen schützen sollten. Andere Exemplare setzte man wiederum für Empfängnisverhütung oder gegen Fußschmerzen ein.

Mumie aus dem zweiten Jahrhundert

Ein Brückenschlag zur modernen Medizin gelang Kurator Harald Froschauer mit einer ägyptischen Mumie aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, die geröntgt und einer Computertomographie unterzogen wurde. Ausgestellte Röntgenbilder fördern zu Tage, dass die junge Frau nach ihrem Tod zahlreiche Knochenbrüche erlitten haben muss. Damit werde auch die seither rasante Entwicklung der Medizin deutlich, so die Verantwortlichen der Ausstellung.(APA)

Ausstellung "Zwischen Magie und Wissenschaft - Ärzte und Heilkunst in den Papyri aus Ägypten" von 30. März bis 31. Oktober 2007 im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek am Wiener Heldenplatz. Geöffnet wochentags außer Dienstag. Eintritt: drei Euro
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