Ash: "EU sollte wirtschaftliche Muskeln spielen lassen"

31. März 2007, 16:55
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Britischer Historiker Garton Ash fordert Europas Solidarität mit London

London/Wien - Der britische Historiker Timothy Garton Ash hat die Solidarität Europas mit London in der Krise um die gefangenen britischen Seeleute im Iran eingefordert. Dabei könnte insbesondere Deutschland seine wirtschaftlichen Muskeln spielen lassen, schrieb Ash in einem Beitrag für die britische Zeitung "The Guardian" am Donnerstag.

"Viele Kontinentaleuropäer, wenn sie überhaupt registriert haben, dass es eine Krise gibt (...) werden möglicherweise denken, das sei eine weitere Konsequenzen der dummen, illegitimen anglo-amerikansichen Militäraktion im Irak. Sie werden denken, das sei ein Problem für 'die da' (Briten und Amerikaner), nicht aber für 'uns' (rechtmäßig denkende, friedliebende Europäer)."

Demgegenüber handle es sich dabei aber um eine iranische "Erpressung", die ganz Europa betreffe. Daher müsse die EU "wirkliche Solidarität" zeigen. Vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet könnte man einiges tun. "Die EU ist der weitaus größte Handelspartner des Iran. Mehr als 40 Prozent seiner Importe kommen aus der und mehr als ein Viertel seiner Exporte gehen in die EU."

Blühender Handel

Bemerkenswert sei, dass dieser Handel in den letzten Jahren stark gewachsen sei, trotz der Krise um den Atomstreit. Häufig würden die Exportgeschäfte der Europäer mittels Regierungsgarantien unterstützt, besonders in Deutschland, Frankreich und Italien, betonte Ash. Laut jüngsten Statistiken des deutschen Wirtschaftsministeriums sei der Iran der drittgrößte Nutznießer deutscher Exportgarantien und werde dabei nur von Russland und China übertroffen.

Somit gebe es eine Herausforderung für die deutsche Ratspräsidentschaft und die EU, nämlich diese Frage zu klären: "Sind die europäischen Erklärungen als bare Münze zu nehmen oder sind die Sonntagsreden über europäische Solidarität nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden?" (APA)

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