Falsche Bilder

26. Juli 2000, 20:17

Andreas Khol hat ein klares Weltbild - Kommentar von Katharina Krawagna-Pfeifer

Andreas Khol, glockenschwingender Chef des Parlamentsklubs der Volkspartei, hat ein klares Weltbild. Er unterteilt die Menschen strikt nach Freund und Gegner, weil sich so erstens die Orientierung im persönlichen und zweitens auch jene im politischen Leben sehr viel leichter finden lässt. So hat Khol im Zuge der schwarz-blauen Wende auch prompt seine Liebe zu den Freiheitlichen entdeckt, die er seither mit der ihm eigenen Konsequenz hegt und pflegt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Blauen für den Tiroler nichts als unkultivierte politische Rabauken waren, die er zeitweilig sogar außerhalb des Verfassungsbogens angesiedelt sah.

Das einfache Muster der Beurteilung nach gut oder böse, brav oder schlimm, schwarz oder weiß hat Khol unterdessen weiter perfektioniert. So formulierte er dieser Tage vollmundig, dass die Volksbefragung zu den EU-Sanktionen ein Test sei, um auch anhand dieses besonderen Falls die Welt genau einteilen zu können. Die Kholsche These ist ziemlich schlicht und besagt, dass jene, die gegen die Volksbefragung sind, automatisch die Sanktionen der EU-14 gegen Österreich befürworten.

Da werden sich von EU-Kommissar Franz Fischler abwärts viele Leute in der ÖVP bedanken. Sie alle sind gegen die Volksbefragung, weil sie gegen die Mobilisierung antieuropäischer Stimmungen sind und durchschaut haben, dass die Volksbefragung nur einem nützt: Der Kärntner Landeshauptmann kann sich so die dringend benötigte Aufmerksamkeit in Form eines Zwischenwahlkampfs verschaffen. In seiner neu entdeckten Liebe zu den Blauen hat Khol aber übersehen, dass Fischler und viele andere vernünftige Leute in der ÖVP - und nicht nur dort - gegen die Sanktionen sind. Khol sollte sich überlegen, ob irgendetwas an seinem Weltbild nicht mehr stimmen könnte.

Share if you care.