Wer glaubt, der liebt beschwerlich

26. Juli 2000, 19:57

Glaubensverwirrung als romantische Komödie: "Keeping the Faith"

Wien - Kennen Sie den schon? Ein Priester torkelt betrunken in ein Pub und beichtet dem Barkeeper seinen Kummer. Sein bester Freund seit Kindheitstagen wurde Rabbi. Gemeinsam gingen sie daran, die Popularität ihrer Religionen zu erhöhen. Alles lief bestens, bis eines Tages ihre gemeinsame Sandkastenliebe aufkreuzte . . .

Keeping the Faith/Glauben ist alles!, das Regiedebüt des wendigen Schauspielers Edward Norton (Fight Club), beginnt mit dieser Grundkonstellation eines Witzes. Obwohl die Pointen von Komödien über Geistliche schon ziemlich ausgereizt sind, gelingen Norton im zügig montierten ersten Drittel seines Films mit Slapstick-Weihen und unorthodoxen Predigten ein paar heitere Aktualisierungen dieses Topos:

Brian, der Katholik (Norton), und Jake, der Jude (Ben Stiller), umwerben ihre Lämmer etwa im Stile von Popstars. In einer Zeit spiritueller Verirrungen erzielen sie mit aus der Unterhaltungsbranche entlehnten Strategien hohe Quoten und bedienen sich dazu auch attraktiver Versatzstücke anderer Konfessionen.

Spätestens jedoch mit dem Erscheinen von Anna (Jenna Elfman) als Love-Interest gerät Keeping the Faith auf die ausgetrampelten Pfade der Romantic Comedy und verliert dabei rasch an Verve. Die ostentative Erotik der umtriebigen Geschäftsfrau bringt die Männerfreundschaft aus dem Lot: Jake, als Rabbi an kein Zölibat gebunden, jedoch für eine Ehe mit einer Glaubensgenossin bestimmt, verfällt Anna körperlich, sein christlicher Freund nur im Geiste.

Regisseur Norton setzt vor allem auf das komische Talent Stillers, der hier ähnlich neurotisch und schusselig agiert wie zuletzt in There's Something About Mary. In Nebenrollen sorgen Schauspielergrößen wie Anne Bancroft, Eli Wallach oder auch Milos Forman als Priestervater für eine nuancenreiche Zeichnung der unterschiedlichen Milieus.

Trotz seiner ungewöhnlichen Besetzung und dem Bemühen um Originalität bleibt Keeping the Faith letztlich jedoch geschmeidig und berechenbar wie eine TV-Serie à la Friends. Zu wenig dringt er zum Kern seiner Charaktere vor, zu sehr ist er in seine eigenen Ideen verliebt. "Man muss die Wahl immer wieder aufs Neue treffen", sagt Forman einmal über die Überwindung von Glaubenskrisen. Einen alten Witz sollte man hingegen nicht allzu oft wiederholen. (Dominik Kamalzadeh) Derzeit im Kino.

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