Alles Walze

30. März 2007, 17:00
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Gibt es in Zeiten heimtückisch aus jedem Hosenlatz schwärmender Geschlechtskrankheiten ein gesünderes Volksvergnügen als die Pseudokopulation "Tanzen"?

Das Gute zuerst: Rummachen ohne Reinstecken. Gibt es in Zeiten heimtückisch aus jedem Hosenlatz schwärmender Geschlechtskrankheiten (Hallo, weicher Schanker!) ein gesünderes Volksvergnügen als die Pseudokopulation "Tanzen"?

Längst hat sich auch das Alpenbrasilien Österreich auf eine seiner Kernkompetenzen besonnen und verfrachtet bereits zum dritten Mal abgenudelte Hausstars in gebrauchte Dralonkleider und dann in den TV-Tanzkurs. Der Frotteurismus zu Bigband-Klängen wird allfreitäglich in die heimischen Wohnzimmer gespült, wo das zu den aufpeitschenden Rhythmen ("Starmania NG - die neue Generation!") zuckende Volk live miterleben darf, wie "unterdrücktes Begehren, unterschwellige Erotik, Werben und Wegstoßen" von charismatischen Juroren nicht nur also erläutert, sondern mithilfe kleiner Kellen auch kundig bewertet und benotet werden.

Die familientaugliche Tanzbärennummer dürfte selbst "Kulturlady" Barbara Rett ordentlich angeturnt haben, da ihr angesichts des ehrgeizigen Exhibitionismus, den die heimische Seitenblicke-Staffage im Verbund mit sonnenstudierten Tanzlehrkörpern aufs Parkett legt, ein enthusiastisches "Was für eine Erlösung nach dem Ekelfernsehen!" aus der Feder fließt. Wie die notorische Naturprüde Frau Proll sich da von einem Herrn "Bolosch" über den ORF-Tanzboden schieben lässt oder der feistbeinige Hüttenmoderator Prünster in gegrätschtem Kniefall darüber hinwegschubbert, ist durchaus dazu angetan, das sorgfältig konstruierte Konzept über den Zivilisationsstand Mitteleuropas ins Wanken zu bringen.

Das Schlechte ist, dass der Ringelpiez mit Anfassen in seiner Komplexität immer abgehobener wird: "Quickstep", z. B., ist derzeit, wenn sich eine ehemalige Leichtathletin (Frau Graf) einen jungen Mann vor den Bauch klebt und mit diesem dann eine Art Trockeneislaufen abwechselnd mit rhythmischem Stehen absolviert - für 22 Punkte! (Una Wiener/Der Standard/Rondo/30/03/2007)

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