Karriere-Pille für Frauen

26. Juli 2000, 19:46

Oder die gesellschaftlichen Ansprüche ändern?

Montreal - Kinder oder Karriere? Roger Gosden, Direktor der Reproduktionsbiologie an der Universität in Montreal will helfen. In 15 Jahren kann es, so sagt er voraus, eine "Karrierepille" geben. Diese hemme dann bei Frauen den Eisprung zwischen Pubertät und Anfang 30 und verschiebe dafür die Wechseljahre um Jahrzehnte, berichtet dieWelt. So wird die biologische Uhr vorübergehend angehalten. Das würde aber auch bedeuten, dass Frauen bereits als Teenager ihr Leben strategisch planen müssten. Für Frauen, die mit einer Anti-Baby-Pille hormonell verhüten, ist das allerdings nichts Neues.

Bis zur Marktreife müssen noch wissenschaftliche Probleme gelöst werden. Bisherige Hormonpräparate verhindern lediglich den Eisprung, nicht aber den Verlust von 30 bis 40 Eizellen im Monat, die trotzdem heranreifen. "Bereits der Startimpuls, der Eizellen reifen lässt, müsste demnach gehemmt werden", erklärt Klaus Bühler vom Hamburger Zentrum für Reproduktionsmedizin. Zu Beginn der Pubertät besitzen Frauen noch etwa 400 000 Follikel, von ehemals rund zwei Millionen bei Geburt. Sind alle Eizellen verloren, setzen die Wechseljahre ein. Auch das Altern der Zellen müsste beeinflusst werden. Damit steigt das Risiko für Gendefekte.

Interesse Fraglich

"Ich bezweifle, dass ein pharmazeutisches Unternehmen daran interessiert ist, so eine Pille auf den Markt zu bringen", erklärt Ekkehard Schillinger, Leiter der Hormonforschung bei Schering in Berlin. Dafür wäre nämlich eine klinische Prüfung über 30 bis 40 Jahre nötig. "Für die Forschung ein interessantes Thema, das sich aber vorerst kaum realisieren lässt", glaubt Schillinger.

Als einen Wunschtraum bezeichnet Professor Eberhard Nieschlag die Entwicklung einer "Karrierepille". Der Direktor des Instituts für Reproduktionsmedizin an der Universität in Münster hält es für sinnvoller, die gesellschaftlichen Ansprüche zu ändern, damit Frauen zuerst ihre Kinder bekommen können, bevor sie beruflich Karriere machen. (red)

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