Sozialmedizinerin sieht Kommerz-Interessen

28. März 2007, 19:11
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Sylvia Groth konstatiert "Vermarktung des weiblichen Körpers" - Soziologe Max Haller verweist auf mehr Lebenszufriedenheit

Graz - Auch kommerzielle Interessen, die an der Erforschung des weiblichen Körpers hängen, sieht die Grazer Medizinsoziologin und Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums, Sylvia Groth, im Zusammenhang mit der in Diskussion stehenden Eizellenspende. Allein in Spanien gebe es 270 Institute, die an dieser Art der Nachwuchs-Vermarktung arbeiteten.

"Darf man alles wollen?"

Die Tatsache, dass mit der Erfüllung des späten Kinderwunsches auch andere Interessen, nämlich kommerzielle, befriedigt würden, sei aber nur ein Aspekt des komplexen Problems. Ein anderer sei, dass dieses "frauenspezifisch" thematisiert werde: Es sei schlicht ungerecht, dass Nachwuchs in fortgeschrittenen Alter auch im sozialen Kontext nur als Frauen-Problem diskutiert werde. Letztlich stehe auch die Ethik auf beiden Seiten, die der Eltern und die der Medizin, auf dem Prüfstand, nach dem Motto: "Darf man alles wollen, was möglich ist?"

Toleranz der Gesellschaft steigt

Max Haller, Leiter des Soziologie-Instituts an der Karl-Franzens-Universität Graz, wiederum stellt fest, dass sich der Trend zum Kinderkriegen in späteren Lebensabschnitten international verfolgen lasse und die Toleranz der Gesellschaft diesbezüglich im Steigen sei. Der Kinderwunsch insgesamt bleibe in etwa konstant. Unter Berufung auf eine Diplomarbeit von Bernhard Riederer, der die International Social Survey-Daten speziell ausgewertet hat, sieht Haller in Kindern einen wesentlichen Faktor für die Lebenszufriedenheit, wobei es alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede gebe: So seien Kinder für die Lebenszufriedenheit von Frauen generelle bedeutsamer, bei Männern sei diesbezüglich im jüngeren Alter eine höhere Relevanz gegeben. Bei älteren Personen ergebe sich bei beiden Geschlechtern eine höhere Lebenszufriedenheit als bei Kinderlosen. Unter dem Strich, so Haller: "Kinder bereiten viele Sorgen und kosten viel Geld. Aber für diejenigen, die welche haben, überwiegt eindeutig das Positive." (APA)

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