Verkehrsplaner Knoflacher: Wiens Parkgebühr gefährdet Nahversorger

28. März 2007, 18:56
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Mit der Ausdehnung müssten auch Parkgebühren in den umliegenden Supermärkten eingeführt werden

Wien - Der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher von der TU Wien hat am Mittwoch die Anhebung der Wiener Parkgebühren als überfällig begrüßt, die Vorgangsweise der Stadtverwaltung aber heftig kritisiert.

Die Gebührenanhebung sei per se viel zu harmlos ausgefallen. Im Vergleich mit anderen Weltstädten habe der Parkraum in der Stadt heute einen Wert von 2,50 Euro die Stunde. Mit der Ausdehnung müssten aber auch Parkgebühren in den umliegenden Supermärkten eingeführt werden. "Wir zerstören sonst die Nahversorger", warnte er.

Grundsätzlich würden durch höhere Parkgebühren die Anrainer zum Umstieg auf den Öffentlichen Verkehr bewegt. "Wenn man den Leuten den wahren Preis zeigt, verhalten sie sich auch vernünftiger", erklärte Knoflacher. Daher sei es auch "taktisch nicht klug", zeitgleich mit den Parkgebühren auch die Fahrscheintarife anzuheben. "Taktisch hätte ich zuerst die Parkgebühren erhöht und mit den Fahrscheinpreisen bei Bedarf erst später nachgezogen", so Knoflacher.

Öffis brauchen mehr Geld

Der Verkehrsexperte ist Vorsitzender im Fahrgastbeirat der Wiener Linien. Grundsätzlich könne er den Finanzierungsbedarf der Wiener Linien nachvollziehen. Mehr Geld sei etwa für die Anschaffung der neuen Niederflurstraßenbahnen (ULF) erforderlich, ebenso wie für das rechnergesteuerte Betriebsleitsystem, durch das dann an allen Haltestellen die Wartezeit elektronisch angezeigt werden kann.

Allerdings seien die Fahrscheinpreise in den vergangenen Jahren permanent gestiegen, die Wiener Parkgebühren dagegen seit 1986 unverändert geblieben und mit der Euro-Umstellung sogar gesunken. Der Beirat bemühe sich jetzt darum, dafür auch zusätzliche Mittel aus den Parkgebühren zu bekommen. Bisher war das rechtlich nicht möglich. Knoflacher will hier aber weiter Druck machen.

Außerdem plädierte er für eine Überprüfung der Ausbaupläne für das U-Bahnnetz. Weltweit würden immer häufiger Straßenbahnen statt neue U-Bahnen gebaut, weil der U-Bahnbau nicht finanzierbar sei. "In vielen Fällen wäre auch in Wien eine Straßenbahn statt einer U-Bahn-Verlängerung sinnvoller. Dann könnten wir uns hohe Preissteigerungen um teils mehr als zehn Prozent ersparen", so der Verkehrsexperte und Fahrgastvertreter. (APA)

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