IVF-Experten Huber und Feichtinger gegen Spätgeburten

28. März 2007, 14:05
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Natürlicher Wechsel markiere die Grenze, sind sich auch andere Ärzte einig und fordern Rücksicht gegenüber den Kindern ein

Graz/Wien - Ein extremer Einzelfall, kaum Nachfrage: Jene Frau, die in Graz nun schon zum zweiten Mal im Alter über 60 Mutter wurde, stellt eine Ausnahme dar. "Es gibt keine medizinische Indikation für eine solche Behandlung. Für mich war die Grenze immer der natürliche Wechsel, also ein Alter von 50 plus/minus vier Jahren", sagte am Mittwoch der Wiener IVF-Spezialist Wilfried Feichtinger. Auch Gynäkologe, Endokrinologe und Vorsitzender der Bioethik-Kommission, Johannes Huber, spricht sich gegen ein solches Vorgehen aus - vor allem aus Rücksicht auf das Kind.

"Unguter Touch"

Klar ist zunächst einmal, dass in Österreich Eizellspenden verboten sind. Damit liegt der Beginn einer solchen Prozedur, der sich jene 66-Jährige unterwarf, die nun vor wenigen Wochen in Graz Mutter wurde, auf IVF-Zentren auf jeden Fall im im Ausland. Huber: "'Es beginnt sich hier ein Markt zu etablieren, auf dem sich Frauen für viel Geld sozusagen ein 'Organ' - wenn man die befruchtete Eizelle so nennen will - besorgen können. Da werden Frauen als Eizellspenderinnen aus Osteuropa zum Beispiel nach Spanien geflogen." Die Sache hätte einen eher unguten Touch.

Rücksicht auf Kinder

Huber ist gegen solche Vorgänge aber vor allem wegen des Kindes: "Wenn das Kind in die Pubertät kommt, ist die Mutter dann 80 Jahre." Die Frage könnte sich höchstens dann stellen, wenn es die Medizin ermögliche, 80-Jährige auf dem biologischen Alter von 50-Jährigen zu halten. Man wüsste auch nichts darüber, wie sich Geburt und Schwangerschaft langfristig auf eine über 60-jährige Frau auswirken würde.

Wechsel keine medizinische Indikation

Feichtinger hat übrigens Erfahrung auf dem Gebiet: "Ich und mein Kollege Peter Kemeter haben 1984 einer Frau ohne Eierstöcke zu Nachwuchs verholfen. Aber die hatte eben keine Eierstöcke." Befürworter würden allerdings auch anmerken, dass Frauen früher mit 20 Kinder bekommen hätten und mit 40 gestorben wären. Trotzdem: Der reine Kinderwunsch einer 66-Jährigen sei keine medizinische Indikation für eine solche Behandlung. Der Gynäkologe: "Der Wechsel ist ja auch keine Krankheit."

Totale Ablehnung

Kurz und bündig äußerte sich der Salzburger IVF-Spezialist Herbert Zech: "In Österreich ist das nicht erlaubt. Es handelt sich sich um extreme Ausnahmen. Ich mache das nicht."

Auch sein Kollege Dietmar Spitzer sieht die 66-Jährige "sicher als Einzelfall". "Das Problem liegt bei den häufiger werdenden Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck, 'Schwangerschaftsvergiftung' etc. Wir machen IVF-Behandlungen nur bis zum natürlichen Wechsel."

Wechselgrenze kein "Zufall"

Huber hat übrigens zu dem Fall der Frau in Graz bereits vor fünf Jahren Stellung bezogen, als sie ihr erstes Kind in höherem Alter bekam. Für den Wissenschafter ist es kein Zufall, dass die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen normalerweise mit 40 bis 45 Jahren endet. Damit sei gewährleistet, dass eine Mutter ihr Kind durchschnittlich wenigstens noch 20 Jahre optimal betreuen und aufziehen könne, sagte er schon damals. Dagegen könne es kaum eine optimale Herausforderung für eine Siebzigjährige sein, mit einem zehnjährigen Kind fertig werden zu müssen. Noch krasser wird es voraussichtlich, wenn eine angehende Achtzigjährige mit Pubertätsproblemen des Nachwuchses konfrontiert ist.

Abgeraten

In diesem Alter verfüge man kaum mehr über die mentalen und körperlichen Voraussetzungen, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Die Fortpflanzungsmedizin sei in dieser Hinsicht den anderen Disziplinen weit voraus. "Ich würde daher einer Frau von derartigen Wünschen - zum Wohle des Kindes - dringend abraten", so der Mediziner. Eine andere Frage sei es dagegen, wenn eine Frau nach bereits erfolgter Eizellenverpflanzung ihn - Huber - als Gynäkologen konsultierte. "Da steht ganz klar mein Eid als Arzt an erster Stelle", so der Forscher. Das österreichische Recht sieht jedenfalls für die Mutter keine Sanktionen vor. (APA)

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