Experten befürchten starkes Borkenkäferjahr 2007

4. April 2007, 14:58
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Situation nach Jänner-Stürmen angespannt - Warmer Winter bringt nicht automatisch viele Schädlinge sondern kann auch Insekten schädigen

Wien - Nach den Jänner-Stürmen mit entsprechenden Windwürfen in den Wäldern befürchten Forstexperten nun ein starkes Borkenkäferjahr. Laut Hannes Krehan vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) wird die weitere Entwicklung vor allem davon abhängen, inwieweit es die Waldbesitzer schaffen, die Schäden vom Jänner noch rechtzeitig zu beseitigen.

Die Probleme mit dem Borkenkäfer sind schon seit einigen Jahren evident, es begann mit großflächigen Windwürfen im Jahr 2002. Umgeworfene und liegen gelassene Baumstämme sind ideal für den Borkenkäfer, hier können sie ungehindert fressen und sich vermehren. Ist dann der so genannte Populationsdruck entsprechend hoch, werden auch zunehmend gesunde oder scheinbar gesunde Bäume befallen. 2005 war ein Rekordjahr der Borkenkäferplage mit über 2,5 Millionen Festmeter Schadholz. Im Vorjahr entspannte sich die Situation nur unerheblich, es gab österreichweit 2,4 Millionen Festmeter Schadholz durch den Borkenkäfer.

Besonders betroffen vom Borkenkäfer waren 2006 die steirischen Wälder, hier gab es mit knapp 900.000 Festmeter Schadholz einen neuen Negativrekord. Groß war der Anfall an Käfer-bedingtem Schadholz auch in Oberösterreich mit knapp über 500.000 Festmetern und in Salzburg mit über 300.000 Festmetern.

Sturmschäden könnten Lage verschärfen

Nun ist jedenfalls zu befürchten, dass die Sturmschäden vom Jänner die Lage weiter anheizen könnten. Allerdings ist die Situation doch anders gelagert als etwa 2002, berichtete Krehan. So haben die jüngsten Stürme kaum zu flächigen Schäden geführt, teilweise wurden nur Einzelbäume umgeworfen. "Ein hohes Problembewusstsein der Forstwirte und der relativ schneearme Winter haben die Aufarbeitung des Schadholzes vorangetrieben.

Wie sehr der Käfer heuer weiter wütet, wird daher in erster Linie davon abhängen, ob die Forstwirte mit den Maßnahmen der so genannten Forsthygiene rechtzeitig fertig werden und das gesamte Schadholz beseitigen können. Den direkten Einfluss des heurigen milden Winters schätzt der Forstwissenschafter eher gering ein. Zwar begannen die Käfer schon relativ früh auszufliegen, der jüngste Kälteeinbruch brachte aber wieder einen Dämpfer.

Gut für den Käfer und schlecht für die Bäume ist lang anhaltende Trockenheit, wie etwa im Jahr 2003. Durch den dann steigenden Flüssigkeitsmangel sinkt der so genannte Harzdruck, durch den gut im Saft stehende Bäume eindringende Käfer bekämpfen. Sobald die Käfer eine Wunde in den Baum genagt haben, setzt Harzfluss ein. Der langsame, klebrige Strom schwemmt den Eindringling effektiv aus.

Warmer Winter kann auch Insekten schädigen

Vielfach geäußerte Aussagen, dass man auf Grund des milden Winters generell mit einem starken Insekten- und Schädlingsjahr rechnen muss, verweist Martin Lödl. Direktor und Insektenspezialist am Naturhistorischen Museum (NHM) Wien, ins Reich der Fabeln. "Der Winter spielt zweifellos eine gewisse Rolle, die Bedeutung der kalten Jahreszeit für die Situation der Insekten in der kommenden Saison wird allerdings überschätzt", so der Zoologe.

Viele Insekten produzieren einen großen Überschuss an Nachkommen. So kann ein langer strenger Winter im Laufe der Saison durch entsprechend günstige Witterung leicht aufgeholt werden. Beispielsweise nach dem vergleichsweise strengen Winter 2005/06 war dies zu beobachten. Letztendlich hängt etwa ein starkes Blattlausjahr in erster Linie von aktuellen Wetter während der warmen Saison ab. Feuchte, warme Witterung begünstigt das Aufkommen dieser Insekten ebenso wie etwa von Schnecken.

Teilweise ist es sogar so, dass Insekten für ihre Entwicklung Frosttage brauchen. Etwa bei einigen Schmetterlingspuppen ist dies der Fall. Bleibt es durchgehend zu warm, gehen die Tiere zu Grunde, bevor sie schlüpfen konnten. Zu warme Temperaturen können aber auch beispielsweise Schmetterlingen zusetzen, die als erwachsene Falter überwintern. Die biologische Uhr von Schmetterlingen ist bekanntermaßen sehr kurz, die Tiere kommen nur über den Winter, wenn sie durch tiefe Temperaturen angehalten wird. Ist es zu warm, läuft die Uhr weiter, der Falter erlebt das Frühjahr nicht.

Mehr Maikäfer

Bei einigen Insektenarten, die als Schädlinge verrufen sind, spielen neben Witterungsbedingungen auch mehrjährige Entwicklungszyklen eine Rolle. Ein klassisches Beispiel sind Maikäfer. Sie brauchen je nach Höhenlage drei bis vier Jahre für die Entwicklung, dementsprechend gibt es regionale Massenauftreten der Brummer.

Lange Jahre war es eher still um die Maikäfer und durch die von ihnen verursachten Schäden geworden, doch seit einigen Jahren registrieren die Experten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) jedenfalls regional wieder mehr Käfer und auch Engerlinge. Vor allem in Teilen Westösterreichs - von Vorarlberg über Tirol bis Oberösterreich und Kärnten - bereitet der Schädling wieder regelmäßig größere Probleme.

Besondere Probleme bereiten Schädlinge, die bei uns ursprünglich nicht heimisch waren. Dazu zählen etwa der Maiswurzelbohrer oder die Kastanienminiermotte. Solche Arten haben kaum natürliche Feinde und können sich bei entsprechend günstigen Bedingungen massenhaft vermehren. Der Maiswurzelbohrer, ein gefürchteter Maisschädling - breitet sich vom äußersten Osten Österreichs seit 2002 aus.

Die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella) befällt Rosskastanien, alljährlich verfärben sich die Blätter der Bäume ungewöhnlich früh und fallen ab. In Parkanlagen werden die Kastanien daher regelmäßig gespritzt. Einen gewissen Schutz vor der Motte bietet auch das Wegräumen von altem Laub, hier haust der Nachwuchs der Motte. (APA)

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    2005 war ein Rekordjahr der Borkenkäferplage, die Experten befürchen heuer eine ähnlich schlimme Situation.

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