"Männer geben Regeln für Frauenleben aus"

18. Juli 2007, 12:41
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Literaturkritikerin Iris Radisch plädiert für politische Lösungen zugunsten von Familie und Lebensqualität

Wien - Politische Lösungen in der Diskussion um die Situation der Familie forderte Buchautorin Iris Radisch Montag Abend in Wien. Wie die Literaturkritikerin und Mutter von drei Kindern in ihrem zum Teil autobiografischen Buch "Die Schule der Frauen. Wie wir die Familie neu erfinden" darlegt, haben ihrer Meinung zufolge weder die Backlash-Seite noch die feministische Seite die richtigen Antworten in dieser gesellschaftlichen Umbruchszeit. "Männer geben Regeln für Frauenleben aus, mit Rückgriff auf angeblich wissenschaftliche Erkenntnisse, woran nicht nur ich große Zweifel habe", konstatierte Radisch anlässlich der "Gebärkampagne in Deutschland".

Dass eine volle Berufstätigkeit das Richtige für junge Frauen ist und sie das auch wollen, ist die Autorin überzeugt. Familie und Beruf - gerade für Frauen diskutiert, müssten Männer doch "selten was zu ihrer Familiensituation sagen" - ließen sich aber schwer vereinbaren. "Ich glaube nicht an das 'ihr werdet das dann schon schaffen' - man schafft das nicht irgendwie, weiß ich aus eigener schmerzhafter Erfahrung", erzählte Radisch den Medienfrauen, die zum Teil von ähnlichen Erschöpfungserfahrungen zu berichten wussten. "Von Erschöpfung in der Familie darf man ja gar nicht reden. Die Beispiele, wo's so gut funktioniert, sind Schönfärberei", hielt die "Zeit"-Autorin bei dem Treffen von Medienfrauen, zu dem Uschi Fellner und Johann Oberauer geladen hatten, deutlich fest.

Forderung: Familienzeit

Als Antwort auf das Dilemma und in Rückbesinnung auf die Liebe und den Augenblick ("die Währung, die wir letztlich haben") forderte Radisch Familienzeit für Mütter und Väter. Im Falle einer beidseitigen Berufstätigkeit könnte die Arbeit von jedem Elternteil beispielsweise an zwei Nachmittagen pro Woche früher niedergelegt werden, womit die Eltern mehr Zeit für ihre Kinder hätten und diese an vier Nachmittagen der Woche davon profitieren würden. Natürlich sei da eine Bewusstseinsänderung bei Männern gefragt und ebenso ein Umdenken in der Wirtschaft und Politik, "denn natürlich kann das kein privates Verhandeln jeder Familie sein", so Radisch. Jungen Frauen riet die Autorin, sich nicht die falschen Männer aus Schutzinstinkten auszusuchen und den "netten, weichen, fürsorglichen" Mann zu schnell abzuweisen sondern diese "großen, menschlichen Qualitäten" zu schätzen.
(Daniela Yeoh)

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    Iris Radisch auf einem Archivbild
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