Von Worten und Taten

26. Juli 2000, 19:00

Kommentar von Daniela Yeoh

Vergangenes Wochenende trafen sich die sieben führenden Industriemächte sowie Russland zu einem Gipfel auf der japanischen Insel Okinawa. Das Treffen war das bisher teuerste derartige Treffen aller Zeiten: 11,3 Milliarden Schilling ließ Japan es sich kosten, denn Kongressgebäude mussten erst errichtet werden (in Tokio hätten sie schon bestanden). Das eigens dafür gebaute internationale Pressezentrum wird nun übrigens wieder abgerissen.

Und der Output der G-8? In der „Charta von Okinawa“ erklären die wirtschaftsstärksten Nationen der Welt, den Entwicklungsländern im 21. Jahrhundert zu Wohlstand verhelfen zu wollen. Dazu sollen Armut, Krankheiten, mangelnde Bildung und technologische Rückständigkeit bekämpft werden. Gestärkt durch das derzeitige kräftige Wirtschaftswachstum wurde – wie schon beim Gipfel letztes Jahr in Köln – über einen raschen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt geredet. Damals war vereinbart worden, den 33 ärmsten Ländern über einen längeren Zeitraum Schulden in der Höhe von etwa 70 Milliarden Dollar zu erlassen. Inzwischen sind es gerade mal neun Staaten, bei denen das Entschuldungsverfahren zur Entscheidungsreife (!) gekommen ist. Jetzt wurde erneut versprochen, die Schuldentilgung zu beschleunigen.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte vor dem Treffen für einen Ausweg aus der blockierten Situation plädiert, denn in Afrika würden derzeit 40 Prozent der staatlichen Gelder für die Rückzahlung von Schulden in der Höhe von 350 Milliarden Dollar aufgewendet. Dass diese Staaten das Geld besser verwenden könnten, um in erster Linie Hunger und Krankheiten zu bekämpfen, muss kaum extra betont werden. Auch nicht, dass sie kaum Mittel für ein funktionierendes Schul- und Ausbildungssystem zur Verfügung haben.

Nichtsdestotrotz wurden beim Gipfel in Okinawa höhere Ziele ins Auge gefasst. Die G-8 will „die Ursachen von Konflikten und Armut an den Wurzeln packen“ –in dem zum Beispiel auf „fairen Handel“ gesetzt wird. Wurden die Reichen bisher etwa auf Kosten der Armen reicher? Des weiteren wollen sie die Entwicklungsländer nun großzügigerweise am Internet-Geschäft teilhaben lassen. Dazu sollen Methoden erdacht werden, um Computer und Internet überall vertraut zu machen. Und Geld stellen die Industriestaaten dafür auch zur Verfügung. Dass den Menschen in den armen Ländern die Befriedigung ihrer Elementarbedürfnisse wichtiger ist, dürfte auch der G-8 klar sein. Die vor allem in den G-8 Staaten USA, Japan und Deutschland angesiedelten Computerfirmen werden sich angesichts bald gesättigter Märkte in den Industriestaaten dennoch freuen.

Zu bezweifeln ist, dass den Worten der Staatsmänner diesmal mehr Taten folgen werden. Wie schön, dass Absichtserklärungen 11,3 Milliarden Schilling verschlingen – Geld, das den Menschen hätte konkret helfen können.

Share if you care.