Wiener Akademie: Schmidt-Wulffen erneut Rektor

29. März 2007, 13:58
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Universitätsrat wählte aus Dreiervorschlag des Senats - Bestellung bis 2011

Wien - Stephan Schmidt-Wulffen ist am Donnerstag erneut zum Rektor der Akademie der Bildenden Künste bestellt worden. Der Universitätsrat der Akademie hat Schmidt-Wulffen in seiner Sitzung aus einem ungereihten Dreiervorschlag des Senats für eine weitere Amtsperiode von 1. August 2007 bis 30. September 2011 ausgewählt. Neben Schmidt-Wulffen waren August Sarnitz und Clementine Deliss Teil des Dreiervorschlags. Mit der Londoner Kuratorin wäre erstmals eine Frau an der Spitze einer österreichischen Universität gestanden.

Schmidt-Wulffen hatte sich bereits 1996 für eine Professur am Institut für Gegenwartskunst der Akademie beworben, war damals aber nur Zweitgereihter. In Deutschland machte er sich einen Namen als freier Autor, Kunstkritiker und Ausstellungsgestalter und unterrichtete später etwa als Gastprofessor für Visual Arts an der Columbia University New York. 2002 wurde er als Nachfolger von Boris Groys zum Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien gewählt. Im Sommer 2005 hatte der 23-köpfige Uni-Senat der Akademie der Bildenden Künste Wien mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen, einen Antrag auf Abwahl des Rektors Stephan Schmidt-Wulffen zu stellen.

Unmittelbarer Auslöser für den Abwahlantrag waren die von ihm geplante Auslagerung des Kupferstichkabinetts aus ihrem Standort im Akademiehof und deren unentgeltliche Unterbringung im Tiefspeicher der Albertina sowie der Entwicklungsplan der Uni, der etwa die Streichung des Lehramts-Studiums "Textiles Gestalten" vorgesehen hätte. Der Universitätsrat lehnte den Antrag jedoch einstimmig ab.

Biographie

Schmidt-Wulffen wurde 1951 in Witten/Ruhr (Deutschland) geboren. Er studierte theoretische Sprachwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Universität Köln und setzte von 1975 bis 1982 das Studium der theoretischen Sprachwissenschaft und Philosophie an der Uni Konstanz fort. Darüber hinaus studierte er von 1985 bis 1987 Kommunikationsdesign an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal. Ab 1982 war Schmidt-Wulffen zehn Jahre lang als freier Journalist und Kunstkritiker tätig. Von 1988 bis 1992 lehrte er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, wo er ab 1995 auch eine Teilzeitprofessur innehatte.

Von 1992 bis 2000 war Schmidt-Wulffen außerdem Direktor des Kunstvereins Hamburg und organisierte in dieser Funktion zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. An der Akademie der Bildenden Künste ging Schmidt-Wulffen daran, die Studienarchitektur umzukrempeln und die Umstellung auf das dreigliedrige Studiensystem mit den Abschlüssen Bachelor, Master und Doktorat voranzutreiben.

Erst heute hatte Brigid Weinzinger, Frauensprecherin der Grünen, noch via Aussendung auf die Bestellung einer Frau zur Rektorin gehofft. Österreich sei mit einem Professorinnenanteil von nur 12 Prozent internationales Schlusslicht an den Universitäten. "Sollte diesmal wieder ein Mann zum Zug kommen", bleibe "nur der Ausweg, die Finanzierung der Universitäten an die Erfüllung einer Frauenquote zu knüpfen", so Weinzinger in der Aussendung. (APA)

  • Stephan Schmidt-Wulffen
    foto: standard/corn

    Stephan Schmidt-Wulffen

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