Elektronikgroßhändler Medion erstmals mit tiefroten Zahlen

10. April 2007, 18:23
15 Postings

Umsatz bricht weg - Sonderaufwendungen belasten - Aktie gibt stark nach

Der deutsche Elektronikgroßhändler Medion hat angesichts drastisch wegbrechender Umsätze 2006 erstmals in seiner über 20-jährigen Geschichte tiefrote Zahlen geschrieben. Der Konzern, der seine Produkte wie Computer, Notebooks oder Navigationssysteme vor allem über große Handelsketten wie Aldi (in Österreich Hofer) oder MediaMarkt verkauft, verlor in nur einem Jahr fast eine Milliarde Umsatz.

Preisschlacht

Grund für den schon länger anhaltenden Schrumpfkurs ist besonders der ungebremste Preisrutsch für Produkte der Informationstechnologie, wie der Vorstand am Mittwoch zur Bilanzvorlage in Essen mitteilte. Früher sei dies durch höhere Verkaufsmengen kompensiert worden, das gelinge nicht mehr. Das schwache Weihnachtsgeschäft gab Medion im vergangenen Jahr dann den Rest.

Rot

Und für 2007 wird das Unternehmen nach Einschätzung des Vorstandes noch kleinere Brötchen backen müssen. Sackte der Konzernumsatz im Vorjahr von 2,53 auf 1,61 Mrd. Euro ab, so erwartet die Medion-Führung diesmal nur noch 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro. "Das Jahr 2007 wird für den Medion-Konzern im Zeichen der weiteren Konsolidierung stehen", heißt es im Geschäftsbericht. Weitere Preisrückgänge bei Computern, Notebooks und Navigationssystemen sowie ein anhaltend vorsichtiges Bestellverhalten der Kunden werde einkalkuliert.

Comeback

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) wolle der Konzern, weitere Einsparerfolge vorausgesetzt, aber wieder die Gewinnzone erreichen, versprach Medion-Chef Gerd Brachmann. Ziel sei ein Ergebnis von 0,5 bis 1,5 Prozent des erwarteten Umsatzes - also im günstigsten Fall dann 22,5 Mio. Euro.

Minus

2006 stand vor Zinsen und Steuern ein Minus von 93,6 Mio. zu Buche nach einem Betriebsgewinn von 22 Mio. Euro im Jahr zuvor. Netto blieb ein Verlust von 65,4 Mio. Euro. Dies waren noch einmal fünf Mio. Euro weniger als erst im November prognostiziert. Damals musste der Vorstand seine vorherigen Zielmarken bereits senken. Medion hatte zuletzt angekündigt, Rückstellungen von 80 bis 90 Mio. Euro unter anderem für Wertberichtigungen auf Geräte und Ersatzteile zu bilden, die auf Halde liegen. Die Höhe der einmaligen Sonderaufwendungen im Jahr 2006 bezifferte Medion nun auf 100 Mio. Euro. Diese sorgten für das Minus vor Zinsen und Steuern.

Unzufriedenheit

Der Vorstand der Medion AG, die auf ihrer Internetseite mit dem Slogan "Medion - Unternehmen mit ausgereiftem Erfolgskonzept" wirbt, sei sich bewusst, dass die Aktionäre mit der Entwicklung nicht zufrieden seien, resümierte der Vorstand. Und die Anteilseigner, die keine Dividende erhalten, untermauerten diese Erkenntnis mit massiven Verkäufen nach Veröffentlichung der Bilanz.

Die im Kleinwerte-Index SDax der Börse geführte Medion-Aktie brach zum Handelsstart um mehr als fünf Prozent auf bis zu 8,39 Euro ein. Finanzvorstand Christian Eigen gab auf der Bilanzpressekonferenz für dieses und das kommende Jahr aber wieder das Erreichen der Dividendenfähigkeit als Ziel aus und damit auch schwarze Zahlen unterm Strich im Medion-Konzern. Darauf baute die Aktie einen Teil der Verluste wieder ab. (apa)

Links

Medion

  • Artikelbild
    medion
Share if you care.