Mindestens 70 Tote bei Racheangriff in Tal Afar

31. März 2007, 16:26
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Täter waren nach Anschlag in sunnitisches Viertel eingefallen

Tel Afar/Bagdad - Bei ihrem Racheangriff auf ein sunnitisches Viertel in Tal (Tel) Afar haben bewaffnete Männer nach Angaben der irakischen Armee mindestens 70 Zivilisten umgebracht. Weitere 30 Sunniten seien bei dem Angriff am Vortag verletzt worden, teilte der irakische General Korshed Dusti am Mittwoch mit. Zudem würden 40 Menschen aus dem Viertel Al-Wahda im Süden der Stadt vermisst. Die Armee verhängte eine Ausgangssperre. Die Lage sei "unter Kontrolle", sagte ein Militärsprecher.

Irakische Medien und Augenzeugen hatten zuvor berichtet, dass der Racheakt von schiitischen Polizisten in Zivil ausgeführt worden war. Die Polizisten, die nicht im Dienst waren, seien von Haus zu Haus gegangen und hätten willkürlich Männer durch Kopfschüsse getötet.

Bei einem verheerenden Doppelanschlag in einem schiitischen Viertel von Tal Afar waren am Dienstag mindestens 85 Menschen ums Leben gekommen. Rund 180 weitere Menschen wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter hatte am späten Nachmittag binnen weniger Minuten zwei Sprengsätze gezündet.

Tal Afar liegt rund 400 Kilometer nordwestlich von Bagdad. Die ethnisch und konfessionell gemischte Stadt 60 Kilometer westlich von Mossul, die von mehr als 200.000 Menschen bewohnt wird, ist mehrheitlich sunnitisch-turkmenisch. In ihr leben aber auch viele Kurden, arabische Sunniten und Schiiten. Nach einer Großoffensive des US-Militärs im September 2005 galt sie eine Zeit lang als eines der wenigen Beispiel für eine gelungene Befriedung im gewalttätigen Irak. Später brachen aber die alten Konflikte zwischen den Gruppen wieder auf.

Lage hat sich verschlechtert

In den Gebieten an der Grenze zu Syrien kämpft ein Bündnis von Stämmen gegen Einflüsse der Extremistenorganisation Al-Kaida. Der mehrheitlich kurdische Nordirak galt früher als weniger unruhig als andere Teile des Irak. Die Lage hat sich aber auch dort zunehmend verschlechtert.

Bei zwei Bombenanschlägen im westirakischen Falluja wurden am Mittwoch nach Polizeiangaben acht irakische Soldaten getötet. Unbekannte zündeten die Sprengsätze nahe eines irakischen Kontrollpunktes. Kurz darauf seien drei Granaten auf einen nahe gelegenen US-Stützpunkt abgefeuert worden. Bei einem darauf folgenden Schusswechsel seien drei Zivilisten verletzt worden. Vom US-Militär lag zunächst keine Stellungnahme dazu vor.

Die Gewalt im Irak hat in jüngster Zeit zugenommen. In der Hauptstadt Bagdad haben die USA und die irakischen Sicherheitskräfte tausende zusätzliche Soldaten im Einsatz, um der Lage Herr zu werden und ein Abgleiten des Landes in den Bürgerkrieg zu verhindern, während in den USA die Ablehung der Irak-Politik so groß ist wie nie zuvor. (APA)

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