"Wir wollen niemanden durchleuchten"

26. September 2007, 16:39
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Google-Österreich-CEO Karl Pall im etat.at-Interview über das Geheimnis hinter der mächtigsten Anzeigenfabrik der Welt

Für die einen ist Google der wahr gewordene .com-Traum, für die anderen ein beängstigend schnell wachsendes, unbegreifliches Wirtschaft-Konstrukt. In jedem Fall sind die Bilanzen eines - beeindruckend. Das Unternehmen hat innerhalb von nur neun Jahren seit seiner Gründung im September 1998 einen Marktwert von gut 150 Milliarden Dollar generiert, zählt zu den Top3-IT-Unternehmen weltweit und wird für das Jahr 2006 erstmals einen Gewinn von über drei Milliarden Dollar einstreichen, mit weniger als 10.000 Mitarbeitern. Dabei fragt man sich, was in aller Welt der Suchmaschinenbetreiber tut, um Bluechips wie Microsoft oder IBM das Fürchten zu lehren. Sind es teure Softwarelizenzen, geheime Deals, von denen keiner weiß? Nun, die Antwort ist erschreckend simpel: 99 Prozent seiner Einnahmen macht der Branchen-Primus durch den Anzeigenverkauf.

Wie das funktioniert und welche Bedenken die Anwender haben, bespricht Karl Pall, CEO von Google-Österreich, im Interview mit Zsolt Wilhelm.

etat.at: Google Österreich gibt es erst seit letztem Jahr. Können Sie kurz vorstellen, wer dahinter steht?

Karl Pall: Ich selbst bin schon viele Jahre in der Werbung und im Marketing tätig. Vor mittlerweile zehn Jahren hatte ich die Möglichkeit in New York in einer der ersten so genannten "New Media"-Agenturen mitzuarbeiten. So zu sagen in der Pionierzeit des Online-Business. Später war ich dann lange Jahre im Marketing von Coca-Cola tätig und habe mich daraus dann mit Mobile-Marketing beschäftigt, um später ein eigenes Unternehmen in dieser Branche zu gründen.

etat.at: Und dann kam der Ruf von Google…

Karl Pall: Ja.

etat.at: Welche Aufgaben hat die österreichische Niederlassung?

Karl Pall: Google hat ja mittlerweile eine große Entwicklung aufzuweisen. Man hat sich international dazu entschieden in lokale Märkte zu investieren. Dazu gehört auch Österreich. Lokalisierung ist etwas ganz wichtiges, weil eine Suchmaschine nichts Starres und sich auch immer weiterentwickelt. Wir versuchen unser Angebot ständig zu verbessern und Innovationen auf den Markt zu bringen. Da ist eine lokale Niederlassung sehr wichtig, da es immer lokale Spezifika gibt.

etat.at: Wie schlägt sich dieses Engagement in der Software nieder?

Karl Pall: Es gibt z.B. eine Google-Suche für Österreich und auf Deutsch – dies versuchen wir immer wieder zu verbessern.

etat.at: Google ist ein Internet-Gigant und braucht kaum vorgestellt zu werden. Dennoch, welche Unternehmungen macht der Konzern, um für sich selbst zu werben? Sieht man Google bald im Fernsehen?

Karl Pall: Google hat soweit ich es weiß, noch nie für sich selbst Werbung gemacht. Ich sehe keine Anzeichen, wonach sich das jetzt ändern sollte.

etat.at: Dennoch setzt man auf Marketing und PR…

Karl Pall: Natürlich setzten wir auf Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Aber unser vorderstes Ziel ist es unsere Angebote und ihre Vorteile zu zeigen und zufriedene Kunden zu haben. Das ist die beste Werbung.

etat.at: Ist es in einem Markt wie den USA, auf dem Konkurrenten wie Yahoo auch sehr stark vertreten sind, sich auch abseits des Internets zu präsentieren?

Karl Pall: Ich denke, das wichtigste sind starke Produkte. Wir machen auch in den USA keine Werbung.

etat.at: Google Europa-Chef Nikesh Arora hat in seiner Rede während der 24. Preisverleihung des Werbe-Fachblatts Horizont dem anwesenden Branchen-Publikum vor Augen gehalten, dass mittlerweile bis zu 69 Prozent der Kaufentscheidungen (in Deutschland) im Netz getroffen werden und die Agenturen sich raschest auf den Online-Trend umzustellen haben, sonst würde man seine Kunden verlieren. Nun scheint diese Zahl sehr beeindruckend, doch sagt sie nichts darüber aus, ob die Konsumenten sich im Internet einfach nur besser informieren als in anderen Medien oder ob die Werbung im Web so starken Einfluss hat. Was denken Sie, wie stark ist der Einfluss der Online-Werbung wirklich?

Karl Pall: Ich denke man muss hier zwei Dinge unterscheiden. Auf der einen Seite steht die Online-Werbung wie wir sie im herkömmlichen Sinn verstehen. Dazu gehören etwa Banner.

Auf der anderen Seite gibt es Suchmaschinen-Marketing. Diese Form findet erst statt, wenn der User ganz gezielt etwas sucht. In dem Fall ist das Interesse schon vorhanden. Das heißt, ich habe de facto keine Streuverluste. Ich brauche auch nicht diese klassische Zielgruppendefinition, weil es uns primär nicht interessiert, wie alt oder woher die Person ist. Wir sehen nur das Interesse an einem bestimmten Produkt, zu dem wir dann die entsprechenden Angebote liefern.

etat.at: Gut, aber ist es nicht immer noch so, dass man Werbung zum Beispiel Fernsehen sieht, dann sich genauer im Internet darüber informiert und deshalb die Kaufentscheidung im Internet fällt?

Karl Pall: Wie solche Entscheidungsprozesse genau ablaufen, dazu gibt es zahlreiche ausführliche Studien und Analysen. Faktum ist aber, dass heute ein großer Anteil des Medienkonsums über das Internet stattfindet. Konkret geschehen in der Freizeit 20 Prozent des Medienverhaltens im Internet. Dem gegenüber stehen natürlich die Ausgaben von Unternehmen im Online-Bereich, die in Österreich verschwindend klein sind, im Anbetracht dessen wie häufig das Internet genutzt wird.

etat.at: Den Firmen scheint die Wichtigkeit des WWW noch nicht wirklich untergekommen zu sein. Aktuellen Studien zufolge investieren deutsche Firmen etwa fünf Prozent ihrer Werbeausgaben ins Internet. Halten Sie das für fahrlässig?

Karl Pall: Es erstaunt mich, dass heute Marketing-Entscheider diesen Trend nicht nachvollziehen oder mitgehen. Ich glaube, es ist relativ klar, wo sich die Konsumenten hinbewegen und was im Netz gesucht oder gemacht wird. Dazu gibt es eindeutige Zahlen und Belege. Und wenn sich heute ein Unternehmen gegen das Internet entscheidet oder nur einen disproportionalen Anteil seines Marketingbudgets dafür verwendet, dann mag das die Entscheidung des Unternehmens sein, es ist aber sicherlich keine sehr gute.

etat.at: Als Online-Unternehmen müssen Sie das auch sagen…

Karl Pall: Aber die Zahlen sprechen für sich. 20 Prozent des Medienverhaltens in der Freizeit ist im Internet und die Werbeausgaben liegen im unteren Prozentbereich. Das hat keine Relation.

etat.at: Sie haben das Thema Zielgruppe vorher angesprochen. Was weiß Google über die Anwender?

Karl Pall: Was die User uns sagen. Und sie sagen uns gar nichts. Wir sind nicht interessiert den User zu durchleuchten. Ich glaube, dass ist nicht die Aufgabe.

etat.at: Trotzdem braucht man Informationen, um Anzeigen gezielt schalten zu können. Wie kommt man an diese Informationen?

Karl Pall: Bei der Suchmachine ist das recht einfach. Die Information bezieht sich auf das, was im Suchfeld eingegeben wird. Und das wissen wir. So stellen wir dann die passende Information zu Verfügung.

etat.at: Man weiß aber auch woher der Anwender zugreift, aus welchem Land er kommt…

Karl Pall: Wir wissen durch die IP-Adresse, sofern es keine mobile IP-Adresse ist, um welches Land es sich handelt und können die Werbung landesgemäß steuern. Das macht es letztendlich so effizient und für den User relevant. Das ist das oberste Prinzip. Wenn ich etwas suche, dann möchte ich auch relevante Ergebnisse haben. So kommt es, dass die Suchmaschine lokale Ergebnisse vorrangig behandelt.

weiter: Was steckt hinter "AdWords" und "AdSense"?

etat.at: Welche Optionen haben Firmen, um ihre Position im Google-Ranking zu erhöhen. Was kostet ein erster Platz, rein was die Anzeigen betrifft?

Karl Pall: Zunächst allgemein zum System der "organic search": Es gibt Suchergebnisse, die Aufgrund ihrer Relevanz eine gewisse Reihenfolge mit sich bringen. Man kann diese nicht kaufen.

etat.at: Wie wird diese Relevanz definiert?

Karl Pall: Die definiert sich nach den Suchbegriffen, die Sie eingeben. Ein Beispiel: Wenn Sie bei uns nach Blumen suchen, wird bei uns keine Seite erscheinen, auf der das Wort "Blume" nicht irgendwo vorkommt. Dann kommt es natürlich auch darauf an, ob das Wort dick und fett in der Headline ist oder irgendwo unter ferner Liefen vorkommt.

Wenn man nach zwei Begriffen sucht, etwa "rot" und "Blume", dann erkennt die Suchmaschine auch, wie weit die beiden Begriffe auseinander stehen. Umso enger dieser Abstand, desto relevanter ist das Ergebnis. So ergibt sich, aus weiteren vielen Parametern, dann das Google-Prinzip.

etat.at: Können Sie weitere Parameter erläutern?

Karl Pall: Es hängt davon ab, wie oft Seiten verlinkt sind, wie häufig sie frequentiert werden oder wie sie in Relation zu anderen Seiten im Netz stehen. Es sind sehr viele Faktoren.

etat.at: Wie kommt man nun als Unternehmen in die ersten drei Positionen der Suchergebnisse, das Anzeigenfeld? Was kostet eine höhere Platzierung?

Karl Pall: Indem man etwas anbietet. Dieses Angebot heißt "Adwords" und bietet die Möglichkeit bei Suchergebnissen zu werben. Adwords basiert darauf, dass ein Kunde auf bestimmte Suchwörter ein Inserat schaltet und den Text entsprechend selber gestaltet. Die Frage nach dem Preis ist eine, die der Kunde selbst entscheidet. Das heißt, es beginnt mit einem Mindestangebot von fünf Cent, dass nur dann zum Tragen kommt, wenn auf diese Anzeige auch geklickt wird. Die Inserate, die an sich erscheinen sind immer kostenfrei. Das ist ein reines "Cost per Click"-System. Und diese Kosten bestimmt der Kunde wie gesagt selbst, im Bietersystem. Dort gibt man an, wie viel einem der Klick Wert ist. Der nächst höher Bietende steht dann oberhalb des anderen. Hinzu kommt noch der Qualitätsindex. Er ergibt sich daraus, wie oft eine Seite angeklickt wird. Je öfter ein Inserat geklickt wird, desto höher ist der Qualitätsfaktor. Aus der Multiplikation des Qualitätsfaktors mit dem Gebot ergibt sich dann das Ranking. Dadurch kommt es auch häufig vor, dass eine Anzeige, die weniger kostet, höher steht, als eine teurere, da sie relevanter ist und öfter angeklickt wird. Kaufen alleine geht nicht.

etat.at: Sie haben fünf Cent als Richtwert genommen, wie hoch gehen die Gebote?

Karl Pall: Das ist nach oben offen.

etat.at: Was zeigt die Erfahrung?

Karl Pall: Das hängt sehr vom Land und den Mitbewerbern ab. Es geht in die Eurobeträge.

etat.at: Mit jedem Klick wird dann das Geld auf das Google-Konto überwiesen…

Karl Pall: Ich glaube, es ist wichtig das System genauer zu erklären. Absolut vorrangig ist Transparenz. Sie können als Kunde jederzeit feststellen, wie viele Klicks getätigt wurden und was diese gekostet haben. Sie definieren von vornherein ein Werbebudget, welches auch in keinem Fall überschritten wird. Wenn sie Ihre Klicks und ihr Budget erreicht haben, erscheint Ihr Inserat einfach nicht mehr.

Sie können aber auch ein Tages- oder Stundenbudget definieren. Das heißt, sie können auch bestimmen, ob Ihre Anzeige nur am Abend, zu Mittag oder nur am Wochenende erscheint. Darüber hinaus lässt sich auch das Target, das Zielland oder -Länder bestimmen.

etat.at: Wie findet die Kommunikation zwischen Google und den Kunden statt?

Karl Pall: Es wird natürlich alles Online angeboten, sowohl das AdWords- als auch das AdSense-Programm. Dort wird alles erklärt und man findet alle Q&As, die man sich nur vorstellen kann. Sie werden durch das Programm geführt und Ihnen wird auch erklärt, welche Key-Words am besten sind und welchen Traffic Sie zu erwarten haben. Ein Helpdesk steht für Fragen bereit.

etat.at: Gibt es auch einen persönlichen Support?

Karl Pall: Ja. Aber wir haben mehrere tausend Kunden in Österreich, die können wir nicht alle persönlich bedienen. Online schon.

etat.at: Apropos Key-Words, welche sind denn sinnvoll?

Karl Pall: Also, wenn Sie beispielsweise einen Tisch verkaufen wollen, wird es nicht reichen das Wort "Tisch" einzugeben. Denn es suchen nicht alle, die einen Tisch brauchen das Wort "Tisch" alleine. Das ist die Herausforderung für unsere Werbetreibenden, herauszufinden, in welchem Umfeld sie sich eigentlich befinden.

etat.at: Mit dem Partnerprogramm "AdSense" können Webseiten-Betreiber passend zu ihren Inhalten Google-Ads schalten…

Karl Pall: Wie der Name "AdSense" schon verrät, es ist sinnvoll. Es macht wesentlich mehr Sinn, wenn sich der Inhalt einer Seite mit dem Inhalt der Anzeigen thematisch deckt. Und so funktioniert Adsense. Davon profitieren der Betreiber und der Besucher einer Webseite.

etat.at: Was bringt es dem Betreiber finanziell? Wie sieht die Aufteilung aus?

Karl Pall: Das hängt vom Einzelfall ab. Von den Klicks und was unsere Werbe-Kunden für die Klicks geboten haben. Ich kann nur soviel sagen, dass wir weltweit im dritten Quartal 780 Millionen Dollar an unsere Partner ausbezahlt haben.

etat.at: Und wie viel muss Google dann verdient haben, damit man 780 Millionen Dollar ausbezahlen kann?

Karl Pall: Da gibt’s sehr viel an Organisationsaufwand und Inventory, das wir leisten müssen…

etat.at: Aber wie sieht die Aufteilung aus?

Karl Pall: Die sehen Sie dann, wenn Sie am AdSense-Programm teilnehmen. Es gibt da eine fixe Formel.

etat.at: Ist das je nach Fall unterschiedlich?

Karl Pall: Das ist vorgegeben. Das ist standardisiert.

(Anm.: Der Partner-Vertrag sieht vor, dass über finanzielle Details Stillschweigen bewahrt wird, weshalb auch derStandard.at an dieser Stelle keinen Aufschluss über die individuelle Aufteilung geben kann. Dennoch gibt Google selbst an, in diesem Zeitraum mit Hilfe von AdSense 1,04 Milliarden Dollar eingenommen zu haben. Diese Angaben sind aber nicht auf den Einzelfall übertragbar. Aktuelle Zahlen: siehe linke Spalte)

etat.at: Als das System aufkam, beäugten es einige Medienkonzerne sehr skeptisch. Sehen Sie eine Gefahr für Medien dadurch an Attraktivität als Werbeplattform zu verlieren?

Karl Pall: Ganz im Gegenteil. Es gibt Medienpartnern die Möglichkeit wirklich sinnvolle Werbung zu schalten. Es ergänzt das herkömmliche Werbeangebot.

etat.at: Wird der Algorithmus, der hinter den Angeboten steht, permanent erneuert, um auf Fehler auszubessern?

Karl Pall: Wir haben viele gescheite Techniker, die sich damit beschäftigen das System ständig zu verbessern und auf dem neuesten Stand zu halten. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben bei Google.

weiter: Klagen gegen Google: Wer ist verantwortlich? - Wie steht es mit dem Datenschutz?

etat.at: Ein Tenor hinter den Anstrengungen Googles immer mehr Dienste anzubieten, ist das "Wissen und die Informationen der Welt allgemein zugänglich zu machen"…

Karl Pall: Es geht darum, dass Wissen der Welt zu sammeln und relevant aufzubereiten. Es nutzbar zu machen.

etat.at: Ein Beispiel hierfür wäre Book-Search, bei dem ganze Bücher oder zumindest Ausschnitte kostenlos gelesen werden können. In wie weit lässt sich aus einem derartigen Dienst ein Geschäft machen, was springt für Google dabei heraus oder ist das nur ein weiterer Schritt, um Anwender an sich zu binden?

Karl Pall: Wenn Sie heute auf Book-Search gehen, werden Sie sehen, dass es nicht mit Werbung gespickt ist. Demnach können Sie sich selbst ausrechnen, wie das kaufmännisch zu sehen ist. Wir wollen natürlich sehr viele User zufriedenstellen. Je mehr Anwender wir zufriedenstellen, desto mehr ist Google bei den Usern Wert als Marke. Es ist sicher nicht so, dass jetzt jedes unserer Produkte auch gleich im Umsatz gemessen werden muss.

etat.at: Mit Google-Earth schickt Google die Anwender rund um den Globus. Welche Möglichkeiten bieten sich hier, einen kommerziellen Nutzen zu ziehen?

Karl Pall: Man sieht heute schon in manchen Ländern, was Location-Based-Advertising an Möglichkeiten mit sich bringt. Man kann nach verschiedenen Angeboten geografisch suchen. Es bietet sich auch hier wieder die Chance für jedes Unternehmen, egal welcher Größe, relevant zu sein.

etat.at: Basiert das auch auf dem Klick-Prinzip, wie bei normalen Webseiten?

Karl Pall: Ja, genau.

etat.at: Gibt es hier viele Klicks auf Angebote?

Karl Pall: Es entwickelt sich sehr gut.

etat.at: Erst kürzlich hat Google den In-Game-Werber „Adscape Media“ übernommen. Welche Ambitionen hegt man für die virtuelle Welt?

Karl Pall: Dazu kann ich nichts sagen. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil es nicht mein Kompetenzgebiet ist.

etat.at: Aber, dass man so in virtuellen Welten wie Second-Life mitmischen kann, ist schon vorstellbar…

Karl Pall: Schauen Sie, wir haben etwa 70 Produkte am Markt. Ich wünsche mir, dass einmal die Hausaufgaben gemacht werden. Ich stoße so oft, auch bei wirklichen Wirtschaftsentscheidern auf Unwissenheit über das AdWords-Programm und welche Möglichkeiten Google bietet. Suchmaschinenmarketing ist komplexer als "konventionelle" Banner-Werbung. Ich sehe es als meine Aufgabe, der Wirtschaft Österreichs diese Möglichkeiten näher zu bringen.

etat.at: Aktuell ist Ihr Unternehmen auch in vielen Negativ-Schlagzeilen. Große und kleine Medienkonzerne klagen Google wegen Verletzung des Urheberrechts. Was sagen Sie dazu, zumal hierzulande auch der ORF derartige Schritte überlegt?

Karl Pall: Das sind laufende Verfahren. Ich denke, es wäre nicht sehr ratsam hier vorzugreifen.

etat.at: Könnten beide Seiten nicht voneinander profitieren? In dem beispielsweise Medienkonzerne ihre Inhalte gratis anbieten und im Gegenzug dafür einen Teil der Werbeeinnahmen einstreichen.

Karl Pall: Gerade in dem Bereich werden zurzeit sehr viele Gespräche geführt, mit den verschiedensten Content-Anbietern. Wichtig zu sagen wäre, dass Google nicht im Content-Geschäft ist. Wir sind nur ein technischer Vermittler und das gilt jetzt für alle genannten Unternehmen. Der Content-Besitzer hat zu entscheiden, was mit seinen Inhalten passiert. Urheberrechtsschutz ist uns das allerwichtigste. Wenn ein Video irgendwo erscheint, wo es nicht darf, kommt es sofort raus.

etat.at: Dann stellt es ein anderer wieder rauf…

Karl Pall: Ich glaube, Sie können uns jetzt nicht für die Handlungen einzelner User verantwortlich machen.

etat.at: Man bietet ihnen aber eine Plattform. Das ist ja die Problematik. Auch wenn Sie sagen, alles zum Schutz der Urheberrechte zu tun, weiß man, dass es nicht immer funktioniert.

Karl Pall: Wenn Sie ein Video reinstellen, erklären Sie sich damit einverstanden, die Gesetze zu befolgen.

etat.at: Dass heißt, Sie übertragen die Verantwortung den Anwendern…

Karl Pall: Wir reden von so vielen hundertausenden Inhalten, die wir natürlich nicht alle durchsuchen können. Wenn Sie ein Buch in der Buchhandlung kaufen, können Sie auch nicht erwarten, dass der Buchhändler jede Seite einzeln überprüft, ob da auch alles rechtens ist, was geschrieben wurde.

etat.at: Google wird also nicht selbst zum Content-Anbieter.

Karl Pall: Nein.

etat.at: Wer weiß…

Karl Pall: Es ist zurzeit sicher nicht in der Pipeline.

etat.at: Ihre größten Kritiker, allen voran Microsoft, behaupten Google sei nichts als eine große Börsenblase, da man im Vergleich zu anderen IT-Unternehmen kaum Produkte herstellt und das Angebot keinen Gegenwert hat. Was sagen Sie diesen Kritikern, weshalb steht hinter Google ein solides Geschäftsmodell und nicht einfach nur ein riesen Hype? Was ist Google wirklich wert, abseits des explodierenden Aktienkurses – was garantiert Google nachhaltig bestehen zu können?

Karl Pall: Ich denke, wir haben das kontinuierliches bewiesen in den letzten Jahren. Bezogen auf das Internet-Business gibt es uns doch sehr lange. Wir haben die 2000er-Blase gut überstanden, weil dahinter ein Geschäftsmodell und eine Relevanz für Konsumenten stehen. Die klarste Antwort hat der Markt gegeben.

etat.at: Woher kommen dann diese Aussagen?

Karl Pall: Vielleicht ist es Angstmacherei. Es ist schwer zu sagen weshalb Konzerne diese Behauptungen aufstellen.

etat.at: Am Ende des Tages scheint Google mit seinen über 70 kostenlosen Diensten und dem ausgefeilten Werbesystem darauf aus zu sein, überall im Internet mitzumischen. Nun bietet Google sehr viel für seine User, doch ist der Preis nicht die totale Durchleuchtung? Man weiß sehr viel über die Anwender – woher sie kommen, was sie Interessiert, etc. Was passiert mit diesem riesigen Wissenspool?

Karl Pall: Ich glaube, ich muss Sie korrigieren – Sie sagen man weiß, das klingt so persönlich.

etat.at: Die Maschinen wissen es…

Karl Pall: Maschinen wissen. (lacht) Um relevante Informationen anbieten zu können, ist es notwendig diese zu speichern. Das liegt in der Natur der Sache. Es greift niemand persönlich in diese Maschinen hinein und nimmt sich die Daten heraus. Wir fragen niemanden nach seinem Namen oder wer er ist. Wir wollen niemanden personalisieren oder durchleuchten.

etat.at: Dennoch, auch wenn Google diese Daten nicht missbraucht, so ergeben sich durch die Anhäufung von Informationen Möglichkeiten für Hacker dieses Wissen für kriminelle Zwecke zu nützen. Muss man nicht mehr tun, um die Anonymisierung der Anwender voranzutreiben, um sie zu schützen?

Karl Pall: Wir haben vorher von Innovationen und Verbesserungen gesprochen. Datenschutz und alles, was dazugehört, hat bei uns oberste Priorität. Darüber geht überhaupt nichts. Anonymität und Persönlichkeitsschutz sind absolut vorrangig. (Interview: Zsolt Wilhelm)

  • Karl Pall, CEO von Google Österreich.
    zsolt wilhelm

    Karl Pall, CEO von Google Österreich.

  • Quelle: Google
    zsolt wilhelm

    Quelle: Google

  • Quelle: Google (*Zahl nicht offiziell)
    zsolt wilhelm

    Quelle: Google (*Zahl nicht offiziell)

  • AdSense ermöglicht es Webseiten-Betreibern Google-Anzeigen einzubauen. Wie viel die Partner genau bekommen ist Vertragsgeheimnis. Im 4. Quartal 2006 zahlte Google weltweit 916 Millionen Dollar an die Partner aus, im Vergleichszeitraum 2004 waren es noch 216 Millionen Dollar.

    AdSense ermöglicht es Webseiten-Betreibern Google-Anzeigen einzubauen. Wie viel die Partner genau bekommen ist Vertragsgeheimnis. Im 4. Quartal 2006 zahlte Google weltweit 916 Millionen Dollar an die Partner aus, im Vergleichszeitraum 2004 waren es noch 216 Millionen Dollar.

  • AdWords erlaubt passend zu den Suchergebnissen "relevante" Anzeigen aufzulisten. Umso öfter die Anzeige angeklickt wird und umso mehr der Werbende pro Klick bezahlt, desto höher wird das Inserat gereiht. Demnach ergibt sich aus der Multiplikation dieser beiden Werte das "Google-Ranking". So soll es auch weniger potenten Bietern möglich sein, wirksames Suchmaschinen-Marketing zu betreiben.
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    AdWords erlaubt passend zu den Suchergebnissen "relevante" Anzeigen aufzulisten. Umso öfter die Anzeige angeklickt wird und umso mehr der Werbende pro Klick bezahlt, desto höher wird das Inserat gereiht. Demnach ergibt sich aus der Multiplikation dieser beiden Werte das "Google-Ranking". So soll es auch weniger potenten Bietern möglich sein, wirksames Suchmaschinen-Marketing zu betreiben.

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