Rätsel um Wiener Aktienvermehrung

27. Juli 2000, 13:47

Bei der Übernahme der Bank Austria durch die Bayern sind noch Fragen offen - Ein höher als erwarteter Anteil der AVZ an der HypoVereinsbank wäre acht Milliarden Schilling wert

Wien - Vier Tage nach der Bekanntgabe der Bankenehe zwischen Bank Austria und HypoVereinsbank rätseln Beobachter immer noch über den zukünftigen Anteil der von der Gemeinde Wien kontrollierten Anteilsverwaltung Zentralsparkasse (AVZ) an der HypoVereinsbank. Die AVZ hält derzeit 22,7 Prozent an der BA, zusammen mit den Anteilen der Wiener Holding und nicht näher definierten "weiteren Stimmrechten" sind das 25 Prozent. Da die BA-Aktionäre nach dem vollzogenen Aktientausch 21 Prozent an der HVB halten werden, sollte sich für die AVZ ein Anteil von 5,25 Prozent ergeben. Stattdessen wurden bei der Pressekonferenz am Montag in Frankfurt ein Anteil von sieben Prozent angegeben, was die AVZ hinter der Allianz zum zweitgrößten Aktionär der HVB machen würde.

Keine Peanuts

Die 1,75 Prozent, die zwischen dem durchgerechneten und dem angegebenen Anteil liegen, ergeben 9,4 Mio. Aktien. Das sind - mit den Worten deutscher Banker gesprochen - keine Peanuts, sondern stellt bei einem Börsenkurs von etwa 64 Euro einen Wert von etwa 600 Mio. EURO (8,25 Mrd. S) dar. So viel mehr würde die Gemeinde Wien an der HVB besitzen, als ihr laut bisherigen Besitzverhältnissen zusteht. Bei 5,25 Prozent wäre die AVZ außerdem nicht der zweit-, sondern der drittgrößte HVB-Aktionär. Der deutsche Energieriese E.ON hält nämlich derzeit neun und wird dann sieben Prozent an Europas drittgrößter Bank halten.

Bis Mittwoch gab es weder von der BA noch von der HVB eine befriedigende Erklärung für diese wundersame Wertsteigerung. Vorstandsmitglieder und Pressesprecher sprachen bloß vage davon, dass der Aktienumtausch eine Reihe von Transaktionen notwendig mache, nach denen sich dieser neue Anteil ergibt. Spekuliert wurde auch, dass der Anteil der Wiener Städtischen (5,5 Prozent) fälschlicherweise der AVZ zugeschlagen wurde. Doch auch damit käme man nur auf 6,4 Prozent, was sich schwerlich auf sieben Prozent runden lässt. Dies wurde außerdem von der BA dementiert.

Neben dem plötzlich gewachsenen Anteil sind auch noch einige steuerliche Fragen beim Umtausch der AVZ-Anteile offen, verlautete aus Kreisen des Sparkassenrates. Zwar sollte beim Aktientausch keine Steuer für den Kapitalertrag anfallen, doch müsse dies noch rechtlich abgesichert werden, hieß es.(ef/APA)

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