Über ein riskantes Spiel

28. März 2007, 23:23
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Vizeweltmeister Frank­reich testet heute den Zustand des ÖFB-Teams - 40.000 Zuschauer werden im Stade de France erwartet

Raymond Domenech tangieren die Befindlichkeiten des österreichischen (steirischen, Grazer) Fußballs kaum, was scheren einen französischer Teamchef der GAK samt Sturm. Der Vizeweltmeister geht demnach entspannt in das freundschaftliche Treffen mit Österreich. Die Begeisterung in Paris ist allerdings enden wollend, im Stade de France werden am Mittwoch (21 Uhr, ORF 1) 40.000 Zuschauer erwartet. Domenech wird ordentlich aus- und einwechseln, Samir Nasri von Marseille, den sie medial als Nachfolger von Zidane aufbauen, gibt sein Debüt.

Der andere Teamchef, also Josef Hickersberger, ist leicht vergrippt, was ihn aber nicht davon abgehalten hat, witzig zu sein. "Obwohl wir 1954 WM-Dritter waren, sind wir nun Außenseiter. Es geht darum, diese Rolle zu akzeptieren und daraus Vernünftiges zu machen. Natürlich fehlen den Franzosen einige Stars, aber ihr Potenzial ist nicht ähnlich klein wie unseres."

Prinzipiell vertraut Hickersberger jener Elf, die sich beim 1:1 gegen Ghana wacker geschlagen hat. Im Tor ist Jürgen Macho statt Alexander Manninger beschäftigt, den rechten Verteidiger mimt Andreas Ibertsberger. Er ersetzt Joachim Standfest, der in Graz zu den Besten zählte. Weshalb dies? "Gerade weil mich Standfest überzeugt hat. Ich will sehen, ob es Alternativen für die EURO gibt. Das war so abgesprochen. Und es ist ja immer ein Risiko, gegen Frankreich Fußball zu spielen."

Standfest ist durch seinen Wechsel im Jänner zur Austria dem Untergang des GAK persönlich knapp entkommen. Er zählt nun zu den Gläubigern, der Klub schuldet ihm Geld. "Es tut mir für meine Ex-Kollegen weh. Präsident Sticher sagte mir, durch meinen Transfer zur Austria ist der GAK finanziell gerettet. Das war eher nicht der Fall."

Hickersberger hat sich in Paris mit den betroffenen Akteuren unterhalten. Zlatko Junuzovic, der beim GAK quasi aufgewachsen ist, war besonders fassungslos, der 19-Jährige spekuliert mit dem Ausland oder mit Rapid. "Sie werden es woanders schaffen. Sofern sie die richtige Wahl treffen. Man muss neue Chancen nützen."

Mehr Genügsamkeit

Generell seien diese Vorfälle "für das Image des österreichischen Fußball eine Katastrophe. Wir wollen immer mehr scheinen, als wir sind, setzen uns unrealistische Ziele. Man soll nur das ausgeben, was man auch hat. Und keine Luftschlösser bauen." Ziel gegen Frankreich sei, so Hickersberger, das Image aufzupolieren. "Mit dem, was man hat. Vielleicht reicht es." (Christian Hackl aus Paris, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 28. März 2007)

  • Frankreich - Österreich (Stade de France Paris/St. Denis, 21:00 Uhr/live derStandard.at und ORF1, SR Athanassios Briakos/GRE).

    Frankreich: Coupet (Lyon/25 Länderspiele) - Clerc (Lyon/3), Thuram (Barcelona/127/2), Mexes (AS Roma/6), Escude (FC Sevilla/2) - L. Diarra (Chelsea/1), Mavuba (Bordeaux/5), Diaby (Arsenal/1), Nasri (Marseille/0) - D. Cisse (Marseille/32/9), Anelka (Bolton/35/9)

    Ersatz: Landreau (Paris SG/4) - Sagnol (Bayern/53), Gallas (Arsenal/53/2 Tore), Abidal (Lyon/21) - Makelele (Chelsea/56), Benzema (Lyon/0) Squillaci (Lyon/11), Toulalan (Lyon/2), Govou (Lyon/27/5), Malouda (Lyon/27/3), Wiltord (Lyon/92/26), Piquionne (Monaco/0)

    Es fehlen: Henry, Ribery, Vieira, Saha (alle verletzt), Trezeguet (nicht einberufen)

    Österreich: Macho (1. FC Kaiserslautern/9) - Ibertsberger (SC Freiburg/8/1), Martin Hiden (Rapid/39/1), Stranzl (Spartak Moskau/37/2), Fuchs (Mattersburg/6/0) - Ivanschitz (Panathinaikos/28/4), Aufhauser (Salzburg/38/9), Prager (Heerenveen/8/1), Leitgeb (Sturm/8/0) - Linz (Boavista Porto/22/5), Kujlic (vereinslos/10/2)

    Ersatz: Manninger (Siena/21), Payer (Rapid/11) - Standfest (Austria/18/1), Feldhofer (Wacker Tirol/13/1), Gercaliu (Austria/4/0), Sariyar (Pasching/6/1), Atan (Mattersburg/0), Kavlak (Rapid/1), Weissenberger (Eintracht Frankfurt/25/1), Junuzovic (GAK/4/0), Haas (Sturm/41/7)

    Es fehlen: Janko, Kiesenebner, J. Säumel (alle verletzt)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Hickersberger (li) und Ivanschitz betreten das Stade de France.

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