Das perfekte Cevapcici

30. Juli 2007, 13:29
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Hilal Kümür (17) kennt die Vorteile der multikulturellen Küche

"Für mich war es nicht schwer, mich an diese Gesellschaft anzupassen", erzählt die 17-jährige Hilal Kümür. Sie ist seit August 2006 eine von vier Kochlehrlingen in dem Kärntner Hotel Dermuth.

Hilal ist geborene Türkin und lebt seit vier Jahren in Österreich, das sich für sie zu einer zweiten Heimat entwickelt hat: "Ich bin froh darüber, hierher gekommen zu sein." Ihr Vater ist schon seit 15 Jahren in Österreich, nach dem Erhalt der Staatsbürgerschaft reiste ihre Mutter mit Hilal und den drei Geschwistern nach. In Kärnten führte sie ihre Schulausbildung in der dritten Klasse Hauptschule weiter.

Zufrieden mit der Berufswahl

"Deutsche Sprache, schwere Sprache", sagt sie lächelnd und beschreibt damit das größte Problem ihrer Schulzeit. Oft wurde sie von den Schülern ihrer Klasse aufgrund ihrer Herkunft und Religion schikaniert. "Die Menschen reagieren komisch, wenn sie erfahren, dass ich Muslimin bin." An ihrem Arbeitsplatz, wo ihre Aufgabe das Zubereiten von Beilagen ist, sei das anders.

Mit ihrer Berufswahl ist Hilal jedenfalls zufrieden. "Zuerst wollte ich Kellnerin werden, aber das war nichts für mich. Die Küche gefällt mir besser."

Nach ihrem Hauptschulabschluss bewarb sich Hilal für einige Stellen, manchmal mit, manchmal ohne Erfolg. "Dies soll aber nie von meiner Herkunft abhängig gewesen sein", meint sie. Durch die Initiative "Jugend am Werk", welche im Auftrag des Arbeitsmarktservice 15- bis 19-Jährigen eine professionelle Berufsvorbildung bieten und ihnen beim Einstieg in das Arbeitsleben helfen soll, gelangte Hilal schließlich zu ihrer Lehrstelle im Hotel.

"Zu viele Lehrlinge" in Kärnten

Seit drei Monaten ist die in Klagenfurt lebende Hilal österreichische Staatsbürgerin, und in Österreich sieht sie auch ihre Zukunft. Die 17-Jährige möchte nach dem Abschluss mit ihrem Vater in Tirol ein Restaurant eröffnen, in Kärnten hält sie nichts. "Hier gibt es einfach zu viele Lehrlinge."

Hilal ist sich sicher, dass ihre Multikulturalität auch Vorteile bringt, beispielsweise in der Küche. "Wir kochen nur österreichische oder italienische Gerichte – aber wenn wir Cevapcici zubereiten, bin ich die Beste!" (Sara Mansour Fallah, STANDARD-Jugendredaktion, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.3.2007)

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