Aus zehn Metern gesprungen

27. Juni 2007, 13:33
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Von einer generellen Immobilienblase könne keine Rede sein, sagt Akron-Vorstand Christian Thalhammer im STANDARD-Gespräch

Lokale Blasen stünden immer wieder an der Tagesordnung, man müsse nur wissen, wie man sie erfolgreich umgeht, meint er im Gespräch mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Nachdem Sie mehr als ein Jahrzehnt nur Insidern bekannt waren, treten Sie seit Kurzem verstärkt an die Öffentlichkeit. Steht etwa ein Platzen der Immobilienblase bevor?

Christian Thalhammer: Ich sehe keine Immobilienblase. Dass wir kürzlich einen Gang zugelegt haben, hat damit zu tun, dass wir nun die kritische Größe erreicht haben, ab der es notwendig ist, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

STANDARD: Einige Ihrer Kollegen sehen eine solche Gefahr aber schon.

Thalhammer: Seit ich in der Immobilienbranche bin - das ist seit 1990 - höre ich immer wieder, dass es angeblich eine Immobilienblase gibt und dass diese bald platzen werde. Tatsächlich sind in diesen anderthalb Jahrzehnten aber enorme Gewinne mit Immobilienveranlagungen erzielt worden.

STANDARD: Damals waren das noch die "Goldenen Immobilienzeiten" für Investoren. Es gab viele gute Projekte und nur wenig Investorengelder dafür. Heute ist so ein Ergebnis undenkbar.

Thalhammer: Da stimme ich Ihnen nicht zu. Natürlich ist es immer eine Frage der Marktzugänge und der Auswahl der akquirierten Objekte. Aber wir haben mit einigen anderen Portfolios auch in späteren Jahren durchaus stolze Renditen erzielt. Das ist bei weitem keine einmalige Geschichte.

STANDARD: Sind diese Ausnahmefälle für die Akron denn repräsentativ?

Thalhammer: All unsere Portfolios haben pro Jahr zumindest eine knapp zweistellige Rendite gemacht. Einige davon bewegen sich im Bereich von knapp 25 Prozent jährlich. Ich sage das jetzt nicht, um Eigenwerbung zu machen, sondern möchte damit den Beweis erbringen, dass Immobilienveranlagungen auch heute noch ein gutes Geschäft für Anleger sind.

STANDARD: Scheint, als wollten Sie Immobilien als sicheren Hafen für Anleger festhalten. In Japan oder in den USA haben Anleger auch schon mal ihr gesamtes Erspartes verloren.

Thalhammer: Die Immobilie als sicherer Veranlagungshafen wäre natürlich zu simpel. Jedes Investment hat Risiken. Werden Immobilieninvestments auf Basis richtiger Entscheidungen getroffen, die Erfahrung und entsprechendes Know-how erfordern, dann sind sie jedenfalls risikoärmer als die Veranlagung in Aktien. Zum Vergleich: Es gibt Menschen, die sich bei einem Sprung aus zehn Metern Höhe nicht verletzen, dafür gibt es wiederum Fälle, in denen ein Sprung aus zehn Zentimetern zu einer Verletzung führt.

STANDARD: Und Immobilienveranlagungen fallen generell in den Zehn-Zentimeter-Bereich?

Thalhammer: Nein, nicht generell. Lokale Immobilienblasen - um auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen - gab es ja immer wieder. Und es wird sie auch in Zukunft immer wieder geben. Zuletzt war das der Fall in Japan, in den USA und in Deutschland. Wir halten uns aber zugute, dass wir genau diese Problemzonen aufgrund unserer Erfahrung rechtzeitig erkennen.

STANDARD: Mit dem Kauf des Warsaw Trade Tower haben Sie kürzlich Ihr erstes großes Osteuropa-Investment durchgezogen. Viele Experten sagen, dass gerade in Osteuropa ein Platzen der Immobilienbörse zu befürchten ist.

Thalhammer: Ich stimme Ihnen zu, dass die Immobilienmärkte in Zentral- und Osteuropa generell überhitzt sind. Im CEE-Raum treffen jedoch zwei Strömungen aufeinander: Einerseits gibt es eine riesige Nachfrage von Investoren nach guten Objekten - deren Zahl ist aber relativ gering und das drückt die Renditen. Andererseits weisen diese Märkte ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum auf. Fazit: Wenn man's richtig macht, kann man in Osteuropa gutes Geld verdienen und mögliche Blasen gut umschiffen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.3.2007)

  • Christian Thalhammer: "Lokale Immobilienblasen gibt es immer wieder. Aber wenn man's richtig macht, dann kann man in Osteuropa mögliche Blasen gut umschiffen."
    foto: akron

    Christian Thalhammer: "Lokale Immobilienblasen gibt es immer wieder. Aber wenn man's richtig macht, dann kann man in Osteuropa mögliche Blasen gut umschiffen."

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