MAK zeigt Domenigs Grafiken

3. April 2007, 13:13
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Insgesamt 214 Blätter und Fotos zu 16 Projekten des Architekten für drei Wochen in der stark verdunkelten Ausstellungshalle

Wien - Das Wiener MAK zeigt ab Mittwoch jenes große Konvolut an Zeichnungen und Skizzen des Architekten Günther Domenig, das vor wenigen Monaten als Dauerleihgabe dem Museum zur Verfügung gestellt wurde. Insgesamt 214 Blätter und Fotos zu 16 Projekten werden in einer rasch eingeschobenen Werkpräsentation für drei Wochen in der aus konservatorischen Gründen stark verdunkelten Ausstellungshalle gezeigt. Im Mittelpunkt steht das nach wie vor unvollendete "Steinhaus", in dem die Architektursprache und Denkweise des 72-jährigen Kärntners am unmittelbarsten ihren Ausdruck findet.

"Das Steinhaus zeigt einen sehr persönlichen Zugang. Es ist auch ein Selbstausdruck, der sogar in Bereiche des Unbewussten geht", erläutert Co-Kuratorin Janina Strobl im Gespräch mit der APA, hier finden die Konturen und Formen der umgebenden Bergwelt ebenso ihren Ausdruck wie weiterverarbeitete Bewegungs- und Naturstudien, hier wird latent vorhandene Energie in Architektur umgesetzt. "Man merkt den erweiterten Begriff der Architektur bei Domenig, man sieht, dass Architektur auch ein Lebensgefühl ist", so Strobl.

Modell in der Architektur-Abteilung

Das 1977 begonnene Projekt am Ossiacher See, anfangs gegen heftigste Widerstände realisiert, heute zur beworbenen Architektur-Ikone geworden, wurde von Anfang an vom MAK mit Ausstellungen begleitet. Dies war der Grund, warum das grafische Werk dazu nun seinen Weg ins Museum fand. Das Steinhaus-Modell ist schon länger hier, um es zu besichtigen, muss man von der Ausstellung nur die wenigen Schritte Richtung Architektur-Abteilung gehen.

In der nüchtern gestalteten Grafik-Schau, die dennoch fast sakrale Aura ausströmt, finden sich keine Modelle. Hier lassen sich aber die vielen Elemente nachvollziehen, die in Domenigs Bauten einfließen: Studien zu Insekten, die in seinen früheren biomorphen Bauformen nahezu unmittelbar umgesetzt werden, eine Zeichnung der eigenen Hand, deren Achs-Linien und Gelenke weiter verarbeitet wird. "Das Konstruktive ist bei ihm nie etwas Technisches", sagt Strobl und verweist auf die spezielle Qualität der Zeichnungen im "Zwischenbereich zwischen Bildender Kunst und Architektur".

Die sehenswerte Ausstellung ist keine Personale, sie zeigt nur einen Bruchteil der grafischen Arbeiten, die Domenig im Lauf seiner langen Architektenkarriere geschaffen hat, und sie beinhaltet keines der jüngsten Projekte. Aber sie zeigt spielend Herangehensweise und Bedeutung eines großen Architekten, dem Radikalität im Denken nie genug war, und der es sich und seinen Bauherren mit diesem Anspruch nie einfach gemacht hat. (APA)

"Günther Domenig - Das grafische Werk im MAK", MAK-Ausstellungshalle MAK, Wien 1, Weiskirchnerstraße 3, 28. März bis 15. April, Di 10-24 Uhr Mi-So 10-18 Uhr.

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MAK
  • Günther Domenig: Eiszeit Wien, 1977
    bild: mak

    Günther Domenig: Eiszeit Wien, 1977

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