Ungleiche Schwestern

2. April 2007, 17:00
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Neben der erfolgreichen Manzanilla La Gitana produziert die Bodega Hidalgo – La Gitana auch die Ausnahmemanzanilla Pastrana – ein Porträt in Teil 35

Der Ursprung dieser, aus dem Stadtbild von Sanlúcar nicht mehr wegzudenkenden Bodega geht auf José Pantaleón Hidalgo aus Santander zurück, der im Jahre 1792 eine kleine Bodega erwarb und damit den Grundstein für das heutige Unternehmen, das nach wie vor zu 100 % in Familienbesitz ist, legte. Nachfolger war sein Sohn Eduardo Hidalgo Verjano, der nebenbei sein Geld auch mit der Gewinnung von Meersalz machte, einer der Initiatoren der Bahnstrecke Sanlúcar-Jerez war und auch noch Zeit fand, Bürgermeister von Sanlúcar zu sein. Dieser machte das Unternehmen damals zum größten in Sanlúcar (heute hat Barbadillo diese Stelle inne) und errichtete auch den Großteil der noch heute in Betrieb befindlichen Bodegas, allen voran das Ensemble in der Avendia Calzada. Nach dessen Tod machte das Unternehmen bis heute einige Namens- bzw. Gesellschaftsformänderungen durch, bis es schließlich unter Bodegas Hidalgo-La Gitana, S.A. firmierte. Die heutigen Eigentümer sind die 5. Generation in direkter Linie des Gründers, setzten in den letzten Jahren erfolgreich auf Diversifikation und haben unter anderem mit der Bodega Marques de Arviza (Rioja) ein weiteres As im Ärmel.

Nur Mosto de Yema

Für die Region eher untypisch, kann die Bodega in normalen Jahren ihren Mostbedarf aus eigenen Weinbergen (rund 200 ha) abdecken. Die Mostverarbeitung erfolgt direkt im Weingarten (El Cuadrado Nuevo, von Sanlúcar Richtung Jerez fahrend auf der rechten Seite – von weitem sichtbar), verwendet wird für die eigenen Produkte ausschließlich der Mosto de Yema, der Rest wird weiterverkauft (sicherlich mit ein Grund für die Finesse der Produkte dieser Bodega).

Pastrana

Die bekannteste Marke der Bodega ist mit Abstand die Manzanilla La Gitana. La Gitana ist nach La Guita die meistverkaufte Manzanilla und hat im Gegensatz zu diesem den Großteil ihrer Herkunft behalten und nicht durch Filtration und Kohlebehandlung verloren (für mich persönlich zwar noch immer zu viel, aber man muss dann doch die Dinge in gewisser Relation sehen). Meisterstück der Bodega ist allerdings die Manzanilla Pasada Pastrana (seit 1997 vermarktet, früher flossen die Weine in die normalen Manzanilla-Criaderas). Eine Einzellagenmanzanilla aus dem Pago Pastrana (ein Herzstück von Miraflores) mit extrem langer Ausbauzeit, einem leichten Touch von Oxidation und sehr wenig Behandlung vor der Flaschenfüllung. Bis vor kurzem hatte die Bodega auch einen Amontillado aus dieser Einzellage im Angebot, dessen Produktion leider eingestellt wurde (die entsprechenden Fässer bilden nun einen Teil der Criadera für den Amontillado Viejo) – sollten Sie einer dieser Flaschen noch ansichtig werden: kaufen, da a) ein herrlicher Wein mit viel Charakter und b) in Zukunft so nicht mehr erhältlich.

Bei der Manzanilla La Gitana arbeitet Hidalgo - La Gitana mit einer sogenannten Parallelcriadera und –solera, um einerseits alle eineinhalb Monate eine frische Abfüllung bieten zu können, andererseits aber die Solera nicht zu stark zu belasten.

Bodega-Revitalisierung

Die Bodega besitzt derzeit rund 9.000 Fässer und produziert die gesamte Palette an Sherries plus Brandy und Essig (Gesamtmarkt betrachtet derzeit einer der Verkaufsschlager der Region). Positiv erwähnenswert: die Firma hat vor kurzem eine heruntergekommene Bodega (die ursprünglich bereits einmal in ihrem Besitz war, aber durch diverse Erbfolgen verloren ging) in bester Stadtlage (Calle Banda Playa, einen Steinwurf vom Hauptsitz der Bodega) erworben und revitalisiert – und nicht anonyme Wohnblocks auf diesem doch eher teurem Grundstück errichtet, was wahrscheinlich mittelfristig wesentlich mehr Gewinn abgeworfen hätte...).

Zu den Weinen im Allgemeinen: Die Bodega setzt bei den „normalen“ Amontillados und Olorosos bewusst auf einen eher kurzen Ausbau, um eine zu starke Konzentration zu vermeiden (ähnlich La Cigarrera) - die Weine sind dennoch sehr typisch und eignen sich ob ihrer „Leichtigkeit“ hervorragend als Essensbegleiter. Im Gegensatz dazu stehen die Weine der „Viejo“-Linie, die mit unglaublicher Konzentration – bei gleichzeitiger Finesse – punkten und bedenkenlos als Digestiv-Ersatz dienen können.

Die Weine im Detail:

  • Manzanilla La Gitana
    Intensive Nase, Salznoten im Vordergrund, Flor etwas verhalten, frischer Apfel, am Gaumen dominiert von Salz- und Jodaromen, etwas Kräuter, erfrischende Säure, Hauch von Bittermandel, mittlerer Abgang mit feinen Salzspitzen
    8 Punkte

  • Pastrana Manzanilla Pasada
    Strahlendes goldgelb, reifer Apfel, viel frischer Flor, Weißbrot, dicht und verwoben, etwas Haselnuss, am Gaumen Flor im Vordergrund, sehr cremig, ölig und breit, wieder viel Apfel, Jodnoten, Haselnuss, frisches Meersalz, Kräuter; Mandel, sehr komplex, bleibt lange stehen, Flor – Meersalz – Haselnuss kommen abwechselnd wieder. Manzanilla in Reinkultur und ziemlich nahe am Produkt im Fass.
    9 Punkte

  • Amontillado
    In der Nase anfangs Karamell, Flor noch sehr präsent, Haselnuss, am Gaumen wieder Haselnuss, erfrischende Salznoten, nussdominierter Abgang, herrlicher erfrischender Essensbegleiter mit wenig Oxidation
    6,5 Punkte

  • Oloroso
    ausgeprägte Walnussnase, Malz und Nuss, am Gaumen nussdominiert, Bittermandel, Trockenfrüchte, Bitterschokolade, leicht süßer Eindruck (Glycerin), grüne Nuss im Abgang, eher leichter Vertreter mit geringer Konzentration, „easy Olorosodrinking“
    6 Punkte

  • PX
    Sehr frische Rosinen in der Nase, etwas schwarze Oliven, Schoko, am Gaumen durch Säure gut ausbalanciert, sehr fruchtig, wieder Schoko und Mokka, etwas Nuss, mittlerer Schoko-Nuss-Abgang
    7 Punkte

  • Amontillado Viejo
    Feine Nuss-Mokka-Noten, etwas Rauch, Flor noch immer präsent, staubtrocken, leicht bitter, feine Salznoten, wieder viel Nuss, breitet sich aus, unglaublich lange mit salzig-nussigem Wechselspiel
    8,5 Punkte

  • Oloroso Viejo
    Dicht verwoben, Walnuss, Mokka mit einem Touch Zucker, komplex, Aromaexplosion am Gaumen, sehr breit mit feiner Struktur, schmiert nie zu, sehr klar definiert, feine Süße, etwas Brandy, im langen Abgang wieder viel Nuss mit einem Hauch von Mokka
    8,5

  • Palo Cortado Viejo
    Fein ziselierte Nase mit frischer Haselnuss und Mokka, Flornoten im Hintergrund, sehr rauchig, feingliedrig und komplex, am Gaumen sehr konzentriert und breit, viel Nuss, erfrischende Salznoten, Touch von Süße, wieder Mokka, herrliches Wechselspiel der salzig-süßen Noten, immer wieder rauchige Komponenten, endlos mit Nuss, Salz und Mokka
    9,5

    Ein angenehmer Ort in Sanlúcar, um die Weine der Bodega zu verkosten, ist die Bar La Gitana an der Plaza del Cabildo, die alle Weine auch glasweise anbietet und nebenbei auch hervorragende Tapas hat. (Klaus Hackl)

  • BODEGAS HIDALGO-LA GITANA, S.A.
    Banda de la Playa, 42.
    11540 Sanlúcar de Barrameda
    Tel. +34 956 38 53 04
    www.lagitana.es

    Bezugsquelle:
    Festival
    Döblinger Hauptstraße 6
    1190 Wien
    Tel. +43 1 3696061
    info@festival.co.at
    www.festival.co.at

    • Innenhof der Bodega.
      foto: klaus hackl

      Innenhof der Bodega.

    • Artikelbild
      foto: klaus hackl
    • Bar La Gitana auf der Plaza del Cabildo.
      foto: klaus hackl

      Bar La Gitana auf der Plaza del Cabildo.

    • Bodegagebäude auf der Avenida Calzada.
      foto: klaus hackl

      Bodegagebäude auf der Avenida Calzada.

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