GPLv3: Neue Version der freien Lizenz frühesten im Juli fertig

6. April 2007, 11:21
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Änderungen gegen Microsoft / Novell-Patentabkommen verzögern den Prozess weiter - Neuer Entwurf in Kürze

Mitten in den Diskussionsprozess rund um die Version 3 der freien GNU General Public License platzte vergangenen November das Patentabkommen von Microsoft und Novell. Die beiden Unternehmen versichern einander darin, dass man die KundInnen des Gegenübers nicht wegen eventuellen Patentverstößen verklagen will.

Trickreich

Da die beiden Unternehmen diese Abmachung ausschließlich für ihre KundInnen trafen, ein Verzicht auf Klagemöglichkeiten von Microsoft gegen Novell (und umgekehrt) aber dezidiert nicht Teil der Abmachung ist, greift die aktuelle Version der GPL hier nicht, der Deal ist nach der GPLv2 also zulässig. Aus Sicht mancher VertreterInnen der Freien Software-Bewegung eine Lücke, die es schleunigst zu schließen gilt.

Verzögerung

Dass dies nicht ganz so trivial ist, wie erhofft, zeigt sich an den langen Verzögerungen, die diese Entscheidung für den Entstehungsprozess der GPLv3 mit sich zieht. Nach mehreren Verschiebungen soll es aber nun so weit sein: Am Mittwoch soll ein aktualisierter Entwurf der freien Lizenz präsentiert werden, der entsprechend "nachgebessert" wurde.

Weiter geht's

Entgegen bisheriger Erwartungen soll es sich dabei aber um keinen finalen Entwurf handeln, viel mehr hofft man auf weiteres Feedback der Community, wie die Free Software Foundation herausstreicht. 60 Tage lang soll der Diskussionsprozess offen gehalten werden, sollte es substantielle Kritik geben, will man anschließend noch einmal Anpassungen vornehmen und einen letzten Entwurf freigegeben.

Zeitplan

Werden in diesem keine grundlegenden Probleme mehr entdeckt, soll die fertige Version der GPLv3 veröffentlicht werden. Als frühester Zeitpunkt dafür ergibt sich aus den angegebenen Zeiträumen der Juli.

Relevanz

Anschließend wird es aber wohl erst richtig spannend: Immerhin stellt sich die Frage, wie relevant die neue Fassung der GPL überhaupt sein wird. Zahlreiche Projekte haben bereits ihre Ablehnung der neuen Fassung der freien Lizenz verlauten lassen. Man sei einerseits mit der GPLv2 äußerst zufrieden und sehe entsprechend keinen Grund für ein "Upgrade", andererseits lehne man das für die GPLv3 vorgesehene Verbot von Digital Rights Management ab, hieß es es etwa in einem Positionspapier der Kernel-EntwicklerInnen zu dieser Thematik.

Herangehensweise

Andere Projekte zeigen hingegen durchaus Interesse, allen voran die EntwicklerInnen des freien Datei- und Druckservers SAMBA. Deren Chefentwickler hatte aus Protest Novell Richtung Google verlassen, der Rest des zuvor bei Novell beschäftigten Teams hat sich seither beinahe geschlossen in Richtung Red Hat verabschiedet.

Absichten

Die Intention für die Aufnahme der entsprechenden Passagen in die GPLv3 ist klar: Novell soll sich entweder vom Patentabkommen mit Microsoft verabschieden, oder von der Nutzung jeglicher Software, die unter der neuen Version der freien Lizenz veröffentlicht wird, ausgeschlossen werden. Entsprechende Programme müsste man also in einem Fork ab dem Zeitpunkt der Lizenzänderung doppelt entwickeln. (apo)

Link

GPLv3

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