Aktive Suche nach den "Besten der Besten"

30. Juli 2007, 13:29
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Aufklärung in eigener Sache steht im Mittelpunkt der Lehrlingsoffensiven großer Betriebe. Wofür sie stehen könnten Dritte nur schwer vermitteln

Wien - Der informations- und kommunikationstechnologische Handel bietet der Berufsausbildung ein breites Feld: Wo, wenn nicht bei Telefonie und Internet, stellt die Produktinnovation eine ähnliche Herausforderung dar? Dementsprechend offensiv gehen die Unternehmen bei der Suche nach den Allerbesten vor. Die Telekom Austria setzt etwa auf eine "Lehrlingsausbildung 2.0", mit der 2007 100 Burschen und Mädchen die Möglichkeit auf die Ausbildung als Kommunikationstechniker/in erhalten.

Die letztjährige Offensive des Mobilfunkers T-Mobile brachte 16 Lehrlinge, "die eine tolle Arbeit machen und von denen wir extrem begeistert sind", freut sich Sabine Goellrich, für Personalagenden zuständige Geschäftsleiterin.

Ursprünglich habe man 20 Lehrlinge für die Wiener Shops gesucht, entschied sich jedoch nach mehreren Auswahlrunden "für jene, bei denen wir 100-prozentig sicher waren". Dieses Jahr werden Leute für Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark gesucht - "wir arbeiten uns in den Westen vor".

Im Unterschied zu den Wiener Bewerbern sieht Recruiting-Leiterin Yasmin Balutsch hier "vor allem ein Qualifikationsproblem". In der Hauptstadt hoben "viele AHS- und HAK-Absolventen" das Niveau, wobei natürlich auch Poly-Absolventen in Frage kämen. Die Lehrlingsoffensive umfasse neben Online- und Printwerbung vor allem Flyerverteilung an Schulen, sowie Plakate in Shop- und Schulnähe.

Ebenfalls "nur die Besten" sucht die ÖBB - "auch wenn es abgedroschen klingt", sagt Konzernsprecher Jörg Wollmann. Bei einer jährlichen Aufnahme von bis zu 450 Lehrlingen "bei insgesamt etwa 1500" überlasse man es nicht den herkömmlichen Kanälen der Jobvermittlungs- und -beratungsinstitutionen, wer zum Unternehmen findet. "Gerade dann nicht, wenn wir neue Berufe anbieten", verweist Wollmann auf sieben neue Lehren, mit denen die am Freitag beendete Suche beworben wurde.

Im Mittelpunkt einer solchen Aktion stehe auch die Notwendigkeit, das "klassische Bild, das manche von der ÖBB haben, auszuräumen. Die Arbeit bei der Bahn bedeutet heute viel Elektronik, Technik und PC. Das Bild des alten Stellwerkers ist von gestern."

Als bester Lehrbetrieb in der Kategorie Großbetriebe zeichneten Wirtschaftskammer und Wirtschaftsministerium letzte Woche die dm-Drogeriemärkte aus. Die Suche nehme man seit vier Jahren aktiv selbst über Casting-Offensiven in die Hand, bestätigt Petra Mathi von der Geschäftsleitung. Neben Drogist, Frisör/Stylist und Kosmetik/Fußpflege - Berufe, die beim Filialbesuch gleich auffallen - werden in der dm-Zentrale EDV-Techniker, Bürokaufleute und Buchhalter, sowie im Verteilzentrum Lagerlogistiker ausgebildet (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.03.2007)

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