Ablenkung

29. März 2007, 18:11
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Schädigung und Belästigung anderer durch Rauchen geht nicht weg, wenn man plötzlich auf das Alkoholproblem umschwenkt

Frau Gesundheitsminister Andrea Kdolsky liebt den reschen, populären Ausspruch, der aber oft ein kleines bisserl irrelevant ist, was das Sachliche ihres Fachbereichs betrifft. Z.B: "Ich habe noch selten gesehen, dass ein Raucher eine Familie zerstört oder den Job verliert. Ich habe aber Alkoholiker gesehen, die in den sozialen Abgrund fallen." Erstens: Das mit den Alkoholikern stimmt. Zweitens: Es ist irrelevant. Schädigung und Belästigung anderer durch Rauchen geht nicht weg, wenn man plötzlich auf das Alkoholproblem umschwenkt.

Das lenkt nur davon ab, dass die Gastronomie Frau Minister Kdolskys Freiwilligkeitsprinzip bei den Nichtraucherzonen flächendeckend ignoriert. Und drittens: Schon von der Zerstörung von Familien durch rauchende Väter und Mütter gehört, nämlich durch die Schädigung von Kindern (im Mutterleib und danach), liebe Frau Doktor Minister? In Raucherhaushalten ist z. B. die Inzidenz von plötzlichem Kindstod um einiges höher. Irgendwie hat man den Eindruck, die Frau Minister weiß, wie unpopulär ein konsequentes Vorgehen bei der ÖVP-Klientel in der Gastronomie ist, und möchte ablenken: "Red' ma lieber über was anderes." (Hans Rauscher/DER STANDARD-Printausgabe, 27.03.2007)

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