"Die Deewans sind kein Einzelfall"

Redaktion, 26. März 2007 18:54

Rat aus dem Ministerium: freiwillig ausreisen - "Integration und Job reichen für Aufenthalt nicht aus"

„Die Deewans sind kein Einzelfall. Insgesamt befinden sich bundesweit rund 1000 Paare rechtlich in einer ähnlichen Lage“, sagt Peter Marhold, Anwalt der Unterstützungsgruppe „Ehe ohne Grenzen“. All diese Betroffenen seien „in die unangenehme Situation aufgetauchter U-Boote gezwungen“: Illegal hier – also ohne Pass, Reisemöglichkeit und Zugang zum „normalen“ Arbeitsmarkt. Nicht einfach abschiebbar, aber dafür, um bleiben zu dürfen, auf eine Ausnahmeregelung im Niederlassungsgesetz angewiesen: der Gewährung des Aufenthaltsrechts aus „humanitären Gründen“ durch das Innenministerium.

Dort handhabt man die Ausnahmeregelung eng. Afzaal Deewan, Mitinhaber des Erfolgsbeisls „Der Wiener Deewan“ etwa, dessen Lage im STANDARD beschrieben worden ist (siehe Artikel "Beliebter Wiener Wirt von Ausweisung bedroht"), habe wenig Chancen auf niederlassungsrechtliches Entgegenkommen, erläutert der leitende Ministerialbeamte Johann Bezdeka: „Weder der errungene Zugang zum Arbeitsmarkt, noch eine gelungene Integration sind ausreichende Gründe für die Gewährung humanitären Aufenthalts“, stellt er klar. Vielmehr – so Bezdeka – sei Afzaal Deewan zu raten „wie tausende andere Betroffene seit Jahresbeginn 2006 auch aus Österreich auszureisen und aus dem Ausland den Niederlassungsantrag zu stellen“. Das neue Gesetz gelte eben auch für Altfälle wie Deewan, das habe der Verwaltungsgerichtshof zuletzt bekräftigt.

Beim Verfassungsgerichtshof sei ein einschlägiges Prüfungsverfahren anhängig, reagiert Marhold. Er rechnet mit einem Höchstrichterspruch im Sommer. (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 27.03.2007)

Nachlese:

"Beliebter Wiener Wirt von Ausweisung bedroht" -Mehr Härte gegen binationale "Altfälle": Trotz großen Erfolgs soll der "Wiener Deewan"-Chef ausgewiesen werden

Verschärfung per E-Mail aus Ministerium - VwGH: Von nun an müsse auch bei "Altfällen" unter binationalen Ehepaaren "das Niederlassungsgesetz in dessen vollem Umfang herangezogen werden"

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Posting 1 bis 25 von 192
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froilein froilein
28.03.2007 03:10
Ich finde widerwärtig, dass hier so viele Poster den tschechischen Namen des Beamten verhöhnen...

Er hat als Beamter schlicht die gesetzliche Regelung zitiert. Ich persönlich finde es gut und richtig, dass Beamte sich an Gesetze halten und ich wäre nicht sehr angetan, würden Beamte nach eigenem Rechtsempfinden handeln.

Der Skandal ist, dass hier Menschen VON GESETZES WEGEN vorsätzlich in die Illegalität gedrängt werden und es kaum noch möglich ist, das Gesetz und ein sicheres, normales, würdiges Leben zu vereinen. DAS erinnert an die Zeit ab 1936.

Wir brauchen keine beamtische Gnadenakte sondern Rechtssicherheit und Gesetze deren Anwendung nicht die Existenz der Einwohner dieses Landes zerstören.

suboptimal
 
28.03.2007 22:06
Sind wir ein bisserl naiv?

Der hat als Beamter schlicht die gesetzliche Regelung GESCHAFFEN, zusammen mit anderen Beamten. Oder glauben Sie im Ernst, dass Strasser, Prokop, Platter sich Gesetze ganz alleine und selber ausdenken?

Die lassen denken, geben neue Gesetzesentwürfe bei ihren eigenen Beamten in Auftrag, weil Minister häufig gar nicht qualifiziert genug sind, um mehr als ein paar Vorgaben zu machen. Und jetzt vollziehen diese gleichen Beamten die von ihnen geschaffenen Gesetze, machen aus legal anwesenden Fremden mit einem Federstrich Illegale und weigern sich ganz dreist, gesetzliche Kann-Bestimmungen auch positiv anzuwenden.

Conrad Meyer
20.04.2007 20:50
sub-optimal

sub-zero, jedenfalls in bezug auf das niveau

froilein froilein
28.03.2007 22:51

ich meine mich dumpf zu erinnern, dass die legislative aufgabe des parlamentes ist.

suboptimal
 
28.03.2007 23:38
bingo ... Johann Bezdeka hat diese Gesetze gemacht

"... streicht der Leiter der Abteilung für Fremdenrechtsangelegenheiten im Ministerium, Johann Bedezeka, - gleichzeitig ein HAUPTAUTOR des Niederlassungsgesetzes – ..."

http://derstandard.at/?url=/?id=2740063
Chinesin Zou darf nicht zu ihrem Ehemann

Was die parlamentarische Mehrheit beschließt, haben Beamte vorher entworfen.

kiki84
31.03.2007 04:07

genau, und deshalb finde ich es so entsetzlich, dass es genau dieser mann ist, der dann auch bestimmt, was humanitär ist und was nicht - richtlinien dafür gibt's ja keine, wer die geldgrenze überschreitet oder wer drunter liegt. er sagt zwar z.b. dass es in den ländern liegt, zu bestimmen, wer einen aufenthalt bekommt und wer nicht - dennoch gehen alle anträge über seinen schreibtisch und er lehnt sie dann ab.
und wer einen bescheid des landes beruft, landet auch bei ihm.
ich verstehe nicht, warum sich unsere spitzenpolitiker das gefallen lassen?

Herbert Zavrel
 
28.03.2007 17:10
Noch widerwärtiger finde ich jedoch

..die geltenden Asyl-Fremden- & Niederlassungsgesetze die es im moment gibt !!

froilein froilein
29.03.2007 11:27
die sind gerade deshalb möglich,

weil es leute gibt, die andere menschen für ihre herkunft verhöhnen. wie eben so viele poster hier in bezug auf herrn Bezdeka.

dr. kokos
 
28.03.2007 01:21

derartige gesetze sind ein fundamentales unrecht und sicher nicht menschenrechtskonform. es wäre hier auch mal eine klare aussage seitens der katholischen kirche einzufordern, die ja sonst keine gelegenheit auslässt, für ehe und familie das wort zu erheben!

wenn solche gesetze recht sein sollen, dann wird widerstand zur pflicht!

Kronski
27.03.2007 16:02
Diese Schikanen erinnern irgendwie an vergangene Zeiten

Wie oft haben wir es schon gehört? Wehret den Anfängen...

Stellt sich die Frage, wo ist hier das Ende und wo der Anfang. Viele Dinge scheinen seit 1938 ja überhaupt nie beendet worden zu sein...

Der absurde Rassenbegriff schwingt jedenfalls immer noch mit, und immer noch macht man damit Politik. Österreich ist ewiggestrig.

si net
27.03.2007 19:30

Ich bin nicht fuer neuen 'Fremdengesetze' als 'Errunegnschaft', aber den staendigen Vergleich mit '38 halte ich fuer falsch!
Und zwar fuer grundsaetzlich, staendig eine vergangene Zeit als Vergleich fuer etwas heranzuziehen, das seine eigene Entstehungsgeschichte und Begruendung hat,
ist unzutreffend und foerdert eine dazu notwendige Diskussion ueberhaupt nicht;

Also bitte auf dem Boden bleiben..

Herbert Zavrel
 
28.03.2007 17:14
@si net

Sie finden also die herrschenden Gestze (Niederlassung-Asy-Fremdenrecht) in Ordnung ?
Ö. wird sich sehr viele Klagen damit einhandeln. Diese Gesetze sind völlig überzogen !
Unglaublich!

si net
28.03.2007 19:12

Erstens habe ich das nicht behauptet..,
zweitens (ihres Absatzes sehe ich das auch so..!
fg. @Herbert!

Adolf Isaac
 
27.03.2007 15:18
leichte Lösung

Die Pakistani sollen ihre Botschaft
ins DEEWAN verlegen

Ingen Ting
27.03.2007 14:00
St. Bürokratia

Wer freiwillig ausreist (wenn dies überhaupt möglich ist, denn bei Asylwerbern ohne Papiere geht das nicht so einfach), weiss leider im voraus nicht, wann die Ö BürokratInnen es freundlicherweise gestatten werden, dass man wieder zurückkehren darf. Die Ö EhepartnerInnen müssen sich entweder auf Alleinsein oder Auslandsaufenthalt von unvorhersehbarer Dauer einstellen, abhängig vom guten Willen der zuständigen BeamtInnen, verkürzbar eventuell durch besondere Connections, Unterstützung durch die Medien...

Rotz Pipm
27.03.2007 18:47
es dauert in etwa ein jahr, bis der antrag vom ausland durch ist.

fuer einen, der vor politischer oder religioeser verfolgung aus seinem heimatland geflohen ist also eine komplette unzumutbarkeit und absolut lebensgefaehrlich. 3 ehemaenner von oesterreicherinnen wurden dabei schon getoetet.
eine frau hat sogar 2 kinder.

Philip E
27.03.2007 13:49
wenn ich nun 1 und 1 zusammenzähl

dann darf ich nur hier sein weil ich österreicher (eurpoäer) bin, sonst wär ich dann wohl schon abgeschoben worden.

GRohnePunkte
27.03.2007 11:55
Und Gusenbauer wachelt mit der Fahne:

auf der geschrieben steht: "Ich bin die personifizierte Sozialkompetenz !"

Noch 4 Jahre lang. Und wir werden uns in 5 Jahren noch fragen wo denn diese gewachelte Sozialkompetenz in der Praxis geblieben ist. Mann, hatten wir doch wirklich Hoffnung - vor und auch kurz nach den Wahlen - dass sich jetzt wirklich etwas zum Positiven und Menschlichen ändert .... Einen Sozialkompetenzfahnenwachler haben wir bekommen. Toll !

SPIEGELLESER
27.03.2007 11:43
komisch

wie kann in einem land in dem jemand Bezdeka heisst, die eigene herkunft überhaupt eine rolle spielen???

badat
27.03.2007 11:54

Viele, die heute als "Tschuschen" beschimpft werden, waren vor 100 Jahren Landsleute. Aber unsere multikulturelle Geschichte vergessen wir gerne. Da trinken wir lieber ein Pilsner, essen Powidltatschkern, Cevapcici und Käsekrainer und machen einen auf Lepschi, während wir über die Leute schimpfen, die aus den Ländern unserer Vorfahren kommen.

dr. kokos
 
28.03.2007 01:25

im gegenteil, der kratochwil, einer der schärfsten forums-xenophoben hier, hat doch selbst migrationshintergrund aus genau jener zeit.

und wenn man sich fpö/bzö so anschaut, dann finde ich gerade dort sehr viele nicht-germanische namen.

GRohnePunkte
27.03.2007 12:40
Soziologisch eine interessante Tatsache:

Dass gerade jene, die selbst noch vor nicht allzu langer Zeit zugewandert sind, die schärfsten Gesetze gegen Neuankömmlinge einfordern. Diejenigen, die immer schon da waren sind Neuankömmlingen in der Regel viel hilfsbereiter und gastfreundlicher und aufgeschlossener gegenüber als gerade erst in den letzten Generationen Hinzugezogene.

Quasi wie: "Ich bin endlich auch drinnen im Zug und habe einen schönen Sitzplatz und hinter mir bitte schnell die Türen schliessen und abfahren damit sich niemand mehr neben mich auf den freien Platz setzen kann wo ich mein wichtiges Jausensackerl platziert habe".

Bertel Mann
 
28.03.2007 09:16
Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche

Rotz Pipm
27.03.2007 18:37
ehrlich gesagt bezweifle ich das.

gibts da studien/umfragen dazu?

GRohnePunkte
27.03.2007 18:49
Wäre ein gutes Thema für eine Doktorarbeit

Aber in Kleingruppen ist es schon zu beobachten dass diejenigen, die zuletzt einen begehrten Platz in einer Gruppe bekommen haben, besonders aggressive und abweisend nachfolgenden Neulingen gegenüber sind, viel mehr als jene die schon länger in dieser Gruppe waren. Dazu gibt es Untersuchungen. Vergleiche auch das Peter-Prinzip in großen Unternehmen.

Ob das Alles für große Gruppen/Völker usw. auch gilt, wäre eine Untersuchung wert. Wahrscheinlich ist es schon so.

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