Burgenlands Wege aufgestockt

30. März 2007, 15:36
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Weinberge, Thermalquellen und lange Lacken - Nordic Walker kommen überall hin

Stöcke, die heuer nur bedingt auf Pisten einsetzbar waren, wurden in den letzten Jahren nicht nur aus Gründen der Klimaveränderung neu erfunden. Der Carbon-Glasfaser-Stock, an dem eine Million Österreicher zumindest hie und da nordisch geht, ist weltweit nur noch in Finnland beliebter und touristisch betrachtet eine echte Stütze für ganze Regionen. Der Nordic Walker ist statistisch gesehen ein sehr individueller, grundsätzlich sportlicher Gast, der auch bereit ist, ein überdurchschnittlich hohes Budget für seinen Aufenthalt einzuplanen. Und er quengelt nicht wegen subjektiver Quantitätsdefizite der Schneedecke - selbst überraschende Wintereinbrüche werden mit Spezialdisziplinen wie Nordic Fitness Skiing oder Nordic Snow Shoeing übergangen.

Gesundheitsfördernder Effekt

Bundesländern wie dem Burgenland muss es daher ein echtes Anliegen sein, sich auf diesen Stock zu stützen. Ist es auch ganz offensichtlich, denn es reicht heute keineswegs mehr, den Nordic Walker einfach querfeldein zu schicken, und daher wachsen im Burgenland anstelle der Pistenkilometer einfach die Parcoursmeilen. Gleich zwei Verbände (die Austrian Nordic Walking Association und die Nordic Walking Organisation) kümmern sich in Österreich um die Zertifizierung dieser Wege und um die Ausbildung der Instruktoren. Der zahlreich belegte gesundheitsfördernde Effekt von Nordic Walking tritt nämlich nur dann ein, wenn man sich zumindest einmal in den richtigen Stockeinsatz einführen lässt.

Laufen geht auch

Dass Nordic Walker immer wieder ihre Stöcke auch einfach mal weit von sich werfen, um loszulaufen, ist Teil des Konzepts eines sinnvollen Wegenetzes. Das verbindet auf einzigartige Weise die Lauf- und Walking-Arena Bad Tatzmannsdorf durch ein 138 Kilometer langes Laufwegenetz und ein 280 Kilometer lange Wander- und Walking-Wege.

"Finnenbahn"

Die Saison für die Arena beginnt bereits am 31. März und dann werden dort wie gewohnt den Einsteigern jeden Mittwoch und Freitag Instruktoren zur Seite stehen, den Fortgeschrittenen gehört der Montag. Wie man das intelligente Leitsystem liest, muss dabei gar nicht Teil der Einführung sein, denn die gut ausgerichtete Beschilderung ist in Bezug auf die Hinweise für Einstiegsstellen und Schwierigkeitsgrade wirklich selbsterklärend. Spezialbahnen wie die "Finnenbahn", ein Weg mit Rindenmulch und Waldbodenbelag, oder sensomotorische Barfußwege sind dabei keine Themenpark-Spinnereien, sondern werden ganz gezielt zur Erholung der Muskulatur oder zur Stärkung der Wahrnehmung eingesetzt.

Entspannung der Muskeln im Thermalwasser

An Ernsthaftigkeit lässt die Disziplin wirklich nichts vermissen, vom einfachen Zwei-mal-zwei-Stunden-Kurs um zehn Euro über das halbtägige Seminar im Hotel Simon mit Materialtipps bis hin zum individuellen Gesundheits- und Leistungscheck wird dort alles angeboten. Dass sich die Entspannung der Muskeln im Thermalwasser förmlich aufdrängt, resultiert in einer Kooperation mit neun Partnerbetrieben, die allesamt Nordic-Walking-Packages anbieten, und zentral über die Arena gebucht werden können.

Mittlerweile ist auch das Land zu beiden Seiten des Neusiedler Sees absolut gangbar. Der Nordic Walking Panorama Park im Westen schildert 15 Touren aus, für die es kostenloses Kartenmaterial gibt - sie führen vor allem durch die Weinanbaugebiete zwischen Rust, Mörbisch und Oggau. Die Lauf-, Rad- und Walking-Arena Seewinkel-Heideboden verbindet die bis zu 20 Kilometer langen Wegenetze von vier Orten und erschließt gleichzeitig ihre Kulturgüter für Nordic Walker. Dieser Pacours wiederum geht schon fast nahtlos in die 40 Kilometer Laufwege rund um das Feriendorf Vila Vita über, wo man im Laufkompetenzzentrum erfährt, wie man auch ohne Stöcke weiterkommt. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.3.2007)

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    Der Nordic Walker - ein sehr individueller, grundsätzlich sportlicher Gast, der auch bereit ist, ein überdurchschnittlich hohes Budget für seinen Aufenthalt einzuplanen.

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