Ein Fressen für Rosneft

27. März 2007, 11:24
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Versteigerung der Yukos-Reste beginnt

Moskau - Der Expansion der beiden großen russischen Staatskonzerne hält unvermindert an. Hatte kürzlich der Gasmonopolist Gasprom die Kontrolle über das Projekt „Sachalin-2“ von Shell übernommen, so setzt nun der Ölkonzern Rosneft zu seinem nächsten großen Sprung an. Wie kürzlich bekannt wurde, hat Rosneft zusammen mit einer Tochter den größten Kredit der russischen Firmengeschichte aufgenommen: ein westliches Bankenkonsortium stellt 22 Milliarden Dollar (16,5 Mrd. Euro) zur Verfügung.

Der Kredit kam rechtzeitig: Heute, Dienstag, nämlich beginnt die finale Serie von Versteigerungen aus der Konkursmasse des filetierten Ölkonzerns Yukos. Diese ziehen sich über die nächsten Wochen hin. Fürs Erste werden heute 9,44 Prozent Rosneft-Aktien, die derzeit noch vom Yukos-Konzern gehalten werden, zum Verkauf ausgerufen.

Das für 7,5 Milliarden Dollar ausgerufene Aktienpaket dürfte an die neun Milliarden Dollar kosten. Neben Rosneft selbst stellt sich auch eine Tochter des russisch-britischen Jointventures TNK-BP an. In der Branche wird für möglich gehalten, dass TNK-BP, das sich zuletzt vermehrt Attacken seitens der grassierenden staatsökonomischen Strukturen ausgesetzt sieht, lediglich als die Form wahrender Statist zur Auktion antritt.

Ende 2004 war das Herzstück des Yukos-Konzerns, die Fördertochter Yuganskneftegaz, in einer dubiosen Auktion an Rosneft gegangen und hat den Outsider der Branche zur zweitgrößten Ölgesellschaft gehievt. Es gilt als ausgemacht, dass Rosneft nun auch bei den Resten, die von Experten auf insgesamt etwa 24,5 Mrd. Euro geschätzt werden, das Rennen macht. Behörden ließen verlauten, dass die Aktiva mit einem Abschlag von etwa 8,4 Mrd. Euro zum Marktwert von 25,4 Mrd. Euro versteigert werden. Der Yukos-Konzern war im August des Vorjahres für insolvent erklärt worden. Neben der Finanz ist Rosneft der Hauptgläubiger.

Im Vorjahr hat der Konzern den sechstgrößten IPO der globalen Finanzgeschichte hingelegt. Rosneft mangelt es vor allem an Raffinerien. "Die Firma verbraucht mehr Geld, sich Aktiva einzuverleiben, als sein Business zu entwickeln. Das führt zur Stagnation und zum Mangel an Investitionen", so Wladimir Milow vom Institut für Energiepolitik. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.03.2007)

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