Die drei "Weisinnen"

27. Juli 2000, 16:21

Marlene Streeruwitz, Anneliese Gesswein und Helga Köcher (von re. nach li.) wollen die EU-Weisen über die Situation in Österreich" informieren

Die drei Weisinnen sind am Montag von 13-14:00 zu Gast im dieStandard.at-Chat

Wien - Die Autorin Marlene Streeruwitz und die Pensionistinnen Anneliese Gesswein und Helga Köcher wurden am Mittwoch in einer Freiluft-Pressekonferenz am Ballhausplatz vom "Aktionskomitee gegen Schwarz-Blau" als die "drei Weisinnen" präsentiert. Als Ziel der Weisinnen wurde dabei ein Treffen mit den drei EU-Weisen (Martti Ahtisaari, Marcelino Oreja, Jochen Frowein, Anm.) im Rahmen eines ihrer bevorstehenden Österreich-Besuche genannt, in dem diese auf die Menschenrechts-Lage in Österreich, auf "Sozialabbau, reaktionäres Frauenbild und Bespitzelung durch den militärischen Geheimdienst", aber auch auf das "andere", das "tolerante" Österreich aufmerksam gemacht werden sollen. Eine Einladung per ist bereits per E-Mail an Ahtisaari ergangen, die Antwort steht noch aus.

Rucksack mit Leselisten

Wenn die drei Weisen etwa einmal eine Donnerstags-Demonstration begleiten würden, hätten sie die Möglichkeit, um die Demokratie besorgte Menschen, aber auch Initiativen für Migranten kennenzulernen, so Streeruwitz. Außerdem wolle sie ihnen - wenn möglich schon bei ihrem ersten Österreich-Besuch am kommenden Wochenende - einen Rucksack mit Leselisten und Büchern, quasi ein "schriftliches Care-Paket" mit Informationen über Österreich, die FPÖ und Jörg Haider, übergeben.

Helga Köcher, Initiatorin der Initiative "Brücken für den Frieden" meinte, "daß die Regierung die Lüge zum System gemacht hat, daß die Spekulanten immer bessere Möglichkeiten kriegen und die kleinen Leute immer mehr ausgenommen werden." Anneliese Gesswein, pensionierte Bankangestellte und - laut Selbstdefinition - bisher immer ÖVP-Wählerin sagte: "Ich war bisher auf jeder Donnerstagsdemo, außer am Gründonnerstag, der für mich als Katholikin ein wichtiger Feiertag ist. Mine Großeltern haben sich nicht gegen den Faschismus aufgelehnt, ich will nicht, daß später irgendwer behaupten kann, ich hätte nichts gegen die Gefahr gemacht."

Weitere Weisinnen gesucht

Die Idee der EU, einen "Ältestenrat" nach Österreich zu schicken, um eine Zensur über dieses Land zu schreiben, habe etwas von autoritären und hierarchischen Strukturen, die sie auch in Österreich orte, meinte Streeruwitz. Die drei Weisinnen, die sich übrigens nicht auf die Zahl Drei festlegen wollen und weitere "besorgte" Frauen zur Teilnahme einladen - seien daher als Antwort auf diese Konstruktion notwendig. (APA/bed)

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