Das Angebot an Infrastruktur-Zertifikaten wird immer breiter

30. März 2007, 05:00
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Mit Infrastruktur-Zertifikaten Stabilität ins Depot bringen - von Christian Scheid

Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück hat gut lachen: Die Steuereinnahmen steigen schneller als erwartet. Doch noch immer weist der Haushalt ein dickes Defizit auf, analog zu vielen Kassen anderer Länder. Kein Wunder, dass bei der Finanzierung von Straßen, Schulen oder Gefängnissen nach externen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht wird. Klare Profiteure sind Infrastruktur-Unternehmen. Sie werden am Zertifikate-Markt inzwischen durch eine breite Angebots-Palette abgedeckt.

Hohe Planungssicherheit

Schon zu Jahresanfang hatten wir uns ausführlich mit den Infrastruktur-Aktien und den entsprechenden Zertifikaten beschäftigt. Der entscheidende Vorteil dieser Unternehmen: Sie profitieren von den leeren Kassen der öffentlichen Haushalte. Dies führt dazu, dass zahlreiche Projekte, die früher ausschließlich vom Staat bezahlt wurden, bereits heute von privaten Investoren finanziert werden. Diese erhalten als Gegenleistung regelmäßige Zahlungen in Form von Miete oder Einnahmen aus langfristig ausgelegten Betreiberverträgen. Der Vorteil für die Gesellschaften und ihre Aktionäre: Die Erlöse sind extrem gut kalkulierbar und langfristig gesichert. Zudem sind die Projekte relativ konjunkturunabhängig und kaum vom Risiko technischer Weiterentwicklungen abhängig. Der Kapitalmarkt entdeckte derartige Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit. So entwickelten sich bei Titeln, die mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden können, spektakuläre Übernahmeschlachten.

Die Nachfrage wird weiter anhalten

Bestes Beispiel ist der deutsche Wohnungswirtschaftsdienstleister Techem, um den zunächst gleich zwei „Private Equity“-Gesellschaften buhlten. Obwohl sich die Kontrahenten dann vereinten, misslang die Übernahme, da die Masse der Aktionäre das durchaus großzügige Angebot ablehnte und offensichtlich noch viel mehr Potenzial in der Aktie erkennt. Solche Beispiele zeigen, dass der Boom der Branche weiter anhalten wird. Er könnte sich sogar zu einem großen Trend am Kapitalmarkt entwickeln, da er sich auch auf die wachstumsstarken Schwellenländer ausdehnen wird. Ein Zahlenbeispiel belegt dies: So haben rund 2,5 Milliarden Erdenbürger noch keinen Zugang zu einer dauerhaft funktionierenden Energieversorgung. Milliardeninvestitionen sind die logische Konsequenz – allerdings wohl kaum aus den Staatskassen zu finanzieren.

Auch in Deutschland wird zur Kasse gebeten

Aktiv ist die Branche derzeit speziell in den Bereichen Transport, Energie, Wasser/Abwasser und Bau. Bekanntestes Beispiel ist die Finanzierung von Straßen. Welcher Ski-Urlauber ärgert sich nicht über die Maut-Zahlungen auf der Fahrt über den Brenner-Pass an der österreichisch-italienischen Grenze oder über die teuren „Pickerl“, ohne die eine Fahrt auf Österreichs Autobahnen ein sehr kostspieliges „Vergnügen“ werden kann. Aber auch in Deutschland hat diese Finanzierungsform bereits Einzug gehalten, nicht nur bei den LKWs. So müssen PKW-Fahrer, die von Berlin Richtung Ostsee-Küste unterwegs sind und die Abkürzung über den Warnowtunnel bei Rostock befahren, einen Obolus von zwei Euro (in der Ferienzeit 2,80 Euro) für die einmalige Durchfahrt entrichten.

Der erste private Knast kommt bald

Aber auch das erste deutsche private Gefängnis soll bereits 2009 seine Pforten öffnen. Bei dem Projekt in Sachsen-Anhalt ist das MDAX-Unternehmen Bilfinger Berger und andere Partner bei einer so genannten „Public Private Partnership“ (PPP) mit dabei. In den USA ist diese Finanzierungsform längst an der Tagesordnung. Entsprechende Knast-Betreiber sind im „S-BOX Sicherheitsverwahrung“ gebündelt. Das Zertifikat kommt von der Dresdner Bank (ISIN DE 000 DR9 8LK 3). Schwachpunkt ist hier zweifelsfrei die geringe Diversifikation. Im Branchen-Barometer sind lediglich vier Aktien enthalten. Allerdings kann sich die Performance sehen lassen. Seit Emission legte das „Non Quanto“-Zertifikat bereits rund zehn Prozent zu. Dieses Produkt eignet sich jedoch nur für Anleger, die genau auf diesen sehr wachstumsstarken Teil der Infrastruktur-Finanzierung setzen wollen.

Im 2. Teil: Globaler Infrastruktur-Ansatz

Globaler Infrastruktur-Ansatz

Deutlich breiter aufgestellt sind die beiden globalen Infrastruktur-Indizes: Schon seit Juli 2006 gibt es einen Tracker auf den „UBS Global Infrastructure Net Total Return“-Index (ISIN CH 002 629 696 9). Die historische Performance dieses auf Euro-Basis kalkulierten Barometers kann durchaus überzeugen. Es legte in den vergangenen zehn Jahren mehr als 200 Prozent oder knapp zwölf Prozent p.a. an Wert zu und hielt entsprechende Vergleichsindizes klar auf Distanz. Eine etwas kürzere Rückrechnung liegt hingegen für den von Goldman Sachs in Zusammenarbeit mit Berenberg Private Capital entwickelten „INFRAX“ (ISIN DE 000 GS7 2RX 9) vor. Seit Mitte September 2000 ging es im Durchschnitt jährlich um ca. acht Prozent nach oben. Da beim „INFRAX“ alle 50 enthaltenen Titel zum Start gleich gewichtet in den Index einflossen und damit jegliches Klumpenrisiko bei jährlicher Anpassung vermieden wird, hat das Goldman-Papier ganz knapp die Nase vorn.

Klassische Momentum-Strategie

Inzwischen hat die UBS nachgelegt und eine verfeinerte Version einer Infrastruktur-Anlage an den Markt gebracht, das „UBS Infrastructure Rotator“-Zertifikat (ISIN CH 002 861 794 9). Grundlage ist zunächst erneut der „UBS Global Infrastructure“-Index, der aus 40 Werten besteht, jährlich neu zusammengesetzt und vierteljährlich entsprechend der Marktkapitalisierung gewichtet wird. In einem ersten Schritt werden die 40 Papiere in fünf Subindizes aufgeteilt: Häfen, Flughäfen, Kommunikation, gebührenpflichtige Straßen und diversifizierte Infrastruktur. Deren jeweilige Performance wird dann vierteljährlich überprüft. Gemäß einer klassischen Momentum-Strategie zieht dann im zweiten Schritt der Subindex mit der besten Vorquartals-Wertentwicklung in den „Rotator“ mit 40 Prozent für die kommenden drei Monate ein. Der zweitbeste Bereich erhält ein Gewicht von 30 Prozent, der Drittplatzierte von 20 Prozent und der Subindex auf Platz vier darf noch mit zehn Prozent mitmischen. Völlig unter den Tisch fällt lediglich der schlechteste Subindex des Vorquartals.

„Rotator“ mit guter historischer Entwicklung

Im Unterschied zum klassischen Index-Tracker bezieht sich der „Rotator“ allerdings auf den entsprechenden Kursindex (dafür wird keine Managementgebühr erhoben). In einer historischen Rückrechnung hat die Nichtanrechnung der Dividenden jedoch keinen Nachteil gebracht: Der „Rotator“ legte auf Euro-Basis in der Zeit von Ende April 2000 bis jetzt 180 Prozent oder 16,1 Prozent p.a. zu. Demgegenüber kletterte der klassische „UBS Infrastructure“-Index einschließlich der Netto-Dividenden „nur“ um 136 Prozent oder 13,3 Prozent p.a. Wobei hier dann natürlich noch berücksichtigt werden muss, dass bei dem sich darauf beziehenden Index-Tracker eine (sehr moderate) Gebühr von 0,8 Prozent p.a. erhoben wird.

Im 3. Teil: Die Klumpengefahr ist vorhanden

Die Klumpengefahr ist vorhanden …

Trotzdem gibt es einen Punkt, den Investoren bei ihrer Anlageentscheidung beachten müssen: Die Gefahr von Klumpenrisiken. Diese ist nämlich beim „Rotator“ noch höher als beim klassischen Tracker. Durch die Aufteilung in fünf Subindizes fallen regelmäßig Werte aus der Allokation unter den Tisch. Sollte beispielsweise der Subsektor „Gebührenpflichtige Straßen“ auf der Strecke bleiben, wären nur noch 27 Werte im Portfolio. Da bei Häfen und diversifizierter Infrastruktur nur jeweils drei Werte dabei sind, kann es hier dann zu einer extremen Gewichtung sehr weniger Einzelwerte kommen. In der per Ende Jänner erfolgten Anpassung des „Rotators“ sind die Häfen mit 40 Prozent dabei, Flughäfen machen 30 Prozent aus, diversifizierte Infrastruktur erreicht 20 Prozent und die gebührenpflichtigen Straßen zehn Prozent. Die Telekommunikationswerte sind aktuell nicht dabei.

… aktuell minimal verringert…

In der Zusammensetzung des UBS-Infrastruktur-Trackers ist die italienische Vinci mit 22,6 Prozent das Schwergewicht. Mit einem Anteil von 11,7 Prozent folgen das Telekommunikationsunternehmen American Tower und Abertis Infrastructuras (8,4 Prozent). American Tower rutscht jedoch beim „Rotator“ aufgrund der Branchenzugehörigkeit aus der Allokation. Und die beiden anderen Dickschiffe gehören zum Straßenbau-Sektor, der nur mit zehn Prozent gewichtet wird. Vinci ist somit nur noch mit 4,1 Prozent gewichtet, Abertis mit 1,5 Prozent dabei. Neue Schwergewichte sind jetzt zwei der lediglich drei Vertreter aus dem Schiffsbereich: Forth Ports mit 17,1 Prozent und Vopak mit 16,4 Prozent. Dieses Bild kann sich aber schon bei der nächsten Quartalsumschichtung völlig verändern. Somit haben Anleger den Nachteil, dass sie keinen genauen Überblick über die Zusammensetzung ihres Zertifikate-Korbes haben und unter Umständen auch ein kräftiges Klumpenrisiko besitzen. Man stelle sich vor, der Straßen-Sektor mit dem Schwergewicht Vinci würde in der Allokation mit 40 Prozent gewichtet und die Telekommunikation würde weiter nicht enthalten sein. Dann würde nämlich Vinci rasch mehr als ein Drittel des gesamten Portfolios ausmachen.

… aber für die Zukunft nicht beseitigt

Auch jetzt ist die Allokation sicherlich nicht optimal. Zwei Papiere, die zudem noch aus dem gleichen Bereich kommen, dominieren den Index zu rund einem Drittel. Damit zeigt sich, dass die Index- und Branchenzusammensetzung sehr anfällig für Klumpenrisiken ist. Die historische Performance spricht jedoch klar für den „Rotator“ – trotz der vorhandenen Kritikpunkte. Zum Ausdruck kommt dies auch bei einer Gegenüberstellung der historischen, jährlichen Volatilitäten: Beim „Rotator“ errechnet sich ein Wert von 17,9 Prozent, während der „UBS Infrastructure“-Index einschließlich Netto-Dividenden „nur“ eine Vola von 12,6 Prozent besitzt.

„Keep it simple and stupid“

Wer den Zeitaufwand der regelmäßigen Überwachung nicht scheut, kann daher auch dieses Produkt kaufen. Speziell in Zeiten mit steigenden Börsen sollte die Momentum-Strategie des „Rotators“ auch weiterhin eine bessere Performance erzielen als die Vergleichsprodukte und –indizes. Dafür ist das Risiko, welches sich an der Volatilität ablesen lässt, auch deutlich höher. Und in Zeiten fallender Kurse kann es zudem zu größeren Abschlägen kommen. Dies lässt sich am Chart ablesen, wenn man den Zeitraum 2001 bis 2002 genauer betrachtet. Das einfachste und klarste Indexkonzept kommt jedoch weiterhin von Goldman Sachs mit dem „INFRAX“, auch wenn die historische Performance erheblich schlechter aussieht und die Kostenbelastung höher ist.

Im 4. Teil: Voll nach oben dabei mit Kapitalschutz

Voll nach oben dabei mit Kapitalschutz

Doch beide Anbieter von Infrastruktur-Zertifikaten waren nicht untätig und haben neue Strukturen auf ihre Basiswerte im Angebot. So gibt es bei der UBS ein zum Laufzeitende im September 2011 kapitalgarantiertes Produkt auf den „UBS Infrastructure“-Kursindex (ISIN DE 000 UB9 KAS 4). Hier tauschen Sie die Dividendenzahlungen gegen den Kapitalschutz, sind aber an der Entwicklung der Aktien „eins zu eins“ nach oben dabei. Die Schweizer haben hier also bewiesen, dass es auch ganz einfach gehen kann: Volle Partizipation an einem Basiswert ohne Risiko. Vorsichtige Anleger, die sich am (noch vorhandenen) steuerlichen Malus dieser Finanzinnovation nicht stören, können zugreifen. Historisch lief der Index bekanntlich deutlich besser als entsprechende Vergleichsindizes. Aktuell kostet das seit Februar notierte Zertifikat auf der Briefseite 103,69 Euro. Sie tragen also ein minimales Risiko, da nur der Nominalwert von 100,00 Euro geschützt ist.

Die Bonüsse überzeugen nicht

Goldman Sachs verzichtet (zumindest bislang) auf einen vollen Kapitalschutz beim nicht währungsgesicherten „INFRAX“. Dafür gibt es zwei risikogepufferte Bonus-Varianten, die sich auf den Kursindex des Basiswerts beziehen. Auch hier werden also die Dividenden für die Struktur genutzt. Die Variante eins (ISIN DE 000 GS3 4WA 7) läuft bis Februar 2012. Dabei können Sie eine Bonus-Rendite von 25,6 Prozent oder 4,7 Prozent p.a. einfahren, wenn die aktuell 28,7 Prozent entfernte Schwelle während der Laufzeit nicht verletzt wird. Variante zwei (ISIN DE 000 GS3 4WT 7) läuft sogar noch ein Jahr länger, bis Februar 2013. Dafür verfügen Sie hier über einen Risikopuffer von 28,7 Prozent. Und auch bei der Bonus-Rendite wird es etwas mehr, sie liegt bei 36,8 Prozent oder 5,4 Prozent p.a. Allerdings erscheint es mit Blick auf die Dividendenrendite von rund 2,4 Prozent nicht sinnvoll, diese gegen den Risikopuffer einzutauschen. In der jeweils relativ langen Laufzeit von knapp fünf oder knapp sechs Jahren kann sich auch bei einem aussichtsreichen Thema ein derartiger (auf den ersten Blick recht komfortabler) Risikopuffer schnell in Luft auflösen. Wer einen Schutz sucht, sollte daher entweder direkt zum Kapitalgarantie-Produkt der UBS greifen oder bei einem Tracker-Zertifikat mit einem Stopp arbeiten.

Marktneutral den „INFRAX“ kaufen

Doch damit sind wir immer noch nicht am Ende der verfügbaren Produkte. Goldman Sachs bietet ein Zertifikat auf den Spread zwischen „INFRAX“-Kursindex und MSCI World (ISIN DE 000 GS1 EMA 6), der ebenfalls keine Dividendenanrechnung berücksichtigt und auf Euro-Basis berechnet wird, an. Damit setzen Anleger marktneutral auf eine bessere Entwicklung der Infrastruktur-Aktien im Vergleich zum Gesamtmarkt. Am Laufzeitende im Juli 2010 wird die prozentuale Wertentwicklung der beiden Barometer festgestellt. Zunächst wird das Ergebnis des MSCI World vom Ergebnis des „INFRAX“ abgezogen. Zu diesem Wert wird dann noch die so genannte „Top Up“-Rendite von zehn Prozent hinzu addiert und schon haben Sie das Endergebnis. Einen Verlust müssen Investoren also erst hinnehmen, wenn der „INFRAX“ um mehr als zehn Prozent schlechter „performt“ als sein Kontrahent. Dabei spielt es keine Rolle, ob beide Indizes steigen oder fallen, maßgeblich für diese marktneutrale Alpha-Strategie ist lediglich die relative Entwicklung der beiden Basiswerte.

Historisch beeindruckende Werte

In der historischen Rückrechnung hätte sich ein Investment durchaus gelohnt. So legte der „INFRAX“-Kursindex in den letzten vier Jahren um 102 Prozent oder 19,2 Prozent p.a. zu. Demgegenüber konnte der MSCI World lediglich ein Plus von 51,1 Prozent oder 10,9 Prozent p.a. erzielen. Wenn es also vor exakt vier Jahren schon ein entsprechendes Papier gegeben hätte, welches heute fällig wäre, würden Sie eine Auszahlung von 160,90 Euro erhalten, was einer Rendite von 12,5 Prozent p.a. gleich kommt. Dieser Wert ergibt sich aus der Differenz der beiden Wertentwicklungen zuzüglich zehn Prozent plus den Nennwert von 100,00 Euro. Somit bietet sich dieses Alpha-Produkt gerade in unsicheren Zeiten als stabilisierendes Element eines Depots durchaus an. Speziell in schwachen Marktphasen dürften die recht dividendenstarken und relativ konjunkturunabhängigen Infrastrukturwerte stabiler laufen als der Gesamtmarkt.

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