Zertifikate: An der Rückkehr zur Normalität verdienen

27. März 2007, 05:00
posten

Die Credit Suisse emittiert das erste "Alpha Express"-Zertifikat auf Zinssätze - von Christian Scheid

Etwas Gutes hat die Zinsstrukturkurve: Anleger sparen sich den Blick in die Tageszeitung, wenn sie auf der Suche nach den höchsten Zinssätzen sind. Bei jeder Laufzeit gibt es in etwa dasselbe – rund vier Prozent. Die kaum wahrnehmbare Differenz zwischen lang- und kurzfristigen Sätzen rief schon einige Emittenten auf den Plan. Die Credit Suisse kombiniert nun zwei Zertifikate-Typen: Sie emittiert das erste „Alpha Express“-Zertifikat auf Zinssätze (ISIN DE 000 CS0 ACQ 7). Mit dem Papier setzen Investoren nicht auf steigende oder fallende Renditen, sondern auf die Differenz europäischer Lang- und Kurzfristzinsen. Dank des Express-Mechanismus besitzen Anleger mit dem Papier die Chance, ihr Kapital zuzüglich eines recht attraktiven Bonus von sieben Prozent pro Jahr vorzeitig zurückgezahlt zu bekommen. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren können Anleger also maximal einen Bonus von 35 Prozent vereinnahmen.

Entscheidend für die Rückzahlung ist die Entwicklung des Zehn-Jahres-Euro-Zins-Swapsatzes gegenüber dem entsprechenden Zwei-Jahres-Satz. Anleger bauen darauf, dass sich dieser Spread vergrößert – aktuell beträgt er nur 0,02 Prozentpunkte. An jährlichen Beobachtungstagen, jeweils Anfang Mai der Jahre 2008 bis 2012, wird die Entwicklung der Sätze verglichen. Ist der Spread an einem der Stichtage größer oder gleich 0,35 Prozentpunkte, zahlt die Credit Suisse das Zertifikat vorzeitig zurück. Beträgt der Spread am 6. Mai 2008 zum Beispiel 0,38, vereinnahmen Anleger 107,00 Prozent des Nominalbetrages. Unter Berücksichtigung des Agios entspricht dies einer Rendite von 6,7 Prozent oder 6,3 Prozent p.a. Ist er kleiner als 0,35 Punkte, verlängert sich die Laufzeit um zunächst ein Jahr und die Bonus-Chance erhöht sich um weitere sieben Euro.

Kommt es nicht zur vorzeitigen Tilgung und ist der Spread im Mai 2012 größer als 0,35 Prozentpunkte, erhalten Sie den Maximalbetrag von 135 Prozent. Wird das Zertifikat nicht vorzeitig zurückgezahlt und die Zinsdifferenz ist am Laufzeitende kleiner als 0,35, bekommen Anleger den Nominalwert zurück. Voraussetzung: Der Spread ist größer oder gleich minus 0,12 Prozentpunkte. Wird diese Sicherheitsbarriere unterschritten, weil der Zwei-Jahres-Satz um mehr als 0,12 Punkte über dem Zehn-Jahres-Satz (inverse Zinsstruktur) liegt, reduziert sich die Rückzahlung pro 0,01 Prozentpunkte, den die Differenz unter der Barriere liegt, um einen Prozentpunkt. Dadurch kann es zum Totalverlust kommen: Dies ist bei einem Spread von minus 1,12 der Fall. Seit der Euro-Einführung im Jänner 1999 war eine solch extrem inverse Situation nicht gegeben.

Fazit: Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Zinsen im Laufe von fünf Jahren einer normalen Zinsstrukturkurve annähern. Dann wird das Papier vorzeitig zurückgezahlt und Anlegern das Warten mit einem schönen Bonus versüßt. Allerdings sollte man nicht darauf setzen, dass es im ersten Anlauf klappt. Dafür kann man aber sein Depot mit diesem Produkt doppelt diversifizieren: über das „Asset“ Zinssätze und durch die Marktneutralität. Anleger sollten allerdings berücksichtigen, dass es in einer dauerhaften Extremsituation zu einem Totalverlust kommen kann.

In Kooperation mit

Ihrem gratis bestellbaren Online-Magazin für strukturierte Produkte
Share if you care.