Kdolsky: Vakzine gegen Rotaviren kommt in Impfprogramm

26. März 2007, 09:26
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Aber vorerst kein Geld für HPV-Impfung - Bei Pneumokokken-Immunisierung weiterhin Konzentration auf Risikogruppen

Salzburg - Das von der öffentlichen Hand finanzierte österreichische Kinderimpfprogramm in Österreich erhält eine Ergänzung. "Wir werden gegen Rotaviren impfen", kündigte Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky beim Österreichischen Impftag in Salzburg an. Das Ministerium wird auch die Kosten für die Pneumokokken-Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder in Risikogruppen übernehmen. Diese Immunisierung war auch schon bisher in dem Programm enthalten. Kein Geld gibt es vorerst für die HPV-Impfung, die 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen längerfristig verhindern könnte.

Geld

Die Ministerin betonte, dass sie bei den Budgetverhandlungen härtest für die Geldmittel gekämpft hätte. "Wir haben für die Rotavirus-Impfung knapp zehn Millionen Euro zur Verfügung. Wir werden auch im Bereich Pneumokokken Risikogruppen impfen. (...) Wir hatten zwölf solche Fälle im vergangenen Jahr. Alle waren aus den Risikogruppen", sagte Andrea Kdolsky. Dies zeige, dass man durch die Bezahlung der Pneumokokken-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder Gefährdete effizient abdecke. Experten haben sich in der Vergangenheit allerdings immer wieder gegen dieses Risikogruppen-Konzept ausgesprochen.

Sicherlich sehr bald zu positiven Veränderungen wird die Aufnahme der Rotavirus-Impfung für Babys und Kleinkinder in das kostenlose Kinder-Impfprogramm in Österreich führen. Pro Jahr müssen in Österreich pro Jahr rund 4.000 Kinder wegen solcher schwerer Darminfektionen im Spital aufgenommen werden. Das führt zu erheblichen Kosten. Die Immunisierung wird laut Fachleuten die Zahl der Hospitalisationen aus diesem Grund in den Kinderabteilungen der Spitäler drastisch senken.

Kein Geld für HPV

Kein Geld gibt es derzeit für die HPV-Impfung, mit der durch die Immunisierung der Mädchen vor ersten sexuellen Kontakten längerfristig 70 Prozent der Gebärmutterhalskarzinome vermieden werden könnten. Die Vakzine kostet pro Teilimpfung (drei notwendig) regulär 208 Euro in den Apotheken. Bei einer derzeit laufenden Kampagne von Pharma-Großhandel und Apothekerkammer gibt es den Impfstoff für 155 Euro.

Die Ministerin: "Was wir mit der HPV-Impfung machen, werden wir noch diskutieren. Für einen Geburtsjahrgang der Mädchen würde das 25 Mio. Euro kosten. Es gibt derzeit niemanden, der diese 25 Mio. Euro hat. Ich habe sie schlichtweg nicht." Wenn aber der "unverschämt teure Preis" reduziert werden könnte, es eventuell einen Selbstbehalt gäbe und man die Kosten zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern teilen könne, wäre das eine Möglichkeit.

Weiterhin zur Vorsorge

Andrea Kdolsky hat aber auch offenbar andere Vorbehalte gegen die HPV-Impfung, die aber beispielsweise von dem Präsidenten der Österreichischen Krebshilfe, Paul Sevelda, nicht geteilt werden: "Ich fürchte mich davor, dass, wenn wir die Elfjährigen durchimpfen, sie die so gut eingeführten Vorsorgeuntersuchungen wieder hintan stellen." Man müsse sicherstellen, dass die Frauen in Österreich weiterhin zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen gehen. Sonst könnte eventuell die Zahl der Erkrankungen wieder steigen. "Das will ich mir nicht auf den 'Grabstein' schreiben", erklärte die Ministerin.

Beunruhigt ist die Ressortchefin über eine gewisse Impfmüdigkeit und Sorglosigkeit, die sich offenbar breit mache: "Es hat mich entsetzt, dass es von 2005 auf 2006 eine Verdreifachung der Neuerkrankungen an Syphilis gegeben hat. Ich glaube, dass wir da wieder mehr an die Öffentlichkeit gehen müssen. Wir haben die selbe Situation im Mumps- und Röteln-Bereich. Die WHO hat vorgegeben, dass mehr als 95 Prozent eines Geburtsjahrganges (mit der Mumps-Masern-Röteln-Impfung, Anm.) erreicht werden sollen. Wir haben das erstmals 2003 erreicht. Je besser die Vorsorge, desto besser sind auch die Zahlen der Krankenkassen." (APA)

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