Unvermittelte Sendestörung

26. März 2007, 08:37
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Der Zusammenhang von Hörsturz und Stress wird in Graz untersucht

Störungen ohne erkennbare Ursachen irritieren, ganz besonders, wenn davon Sinnesorgane betroffen sind. Wer einen Hörsturz erleidet, hat plötzlich eine Schallempfindungsstörung, hört innere Geräusche, fühlt sich schwindelig - eine beängstigende Situation. Das große Problem daran: Wirklich behandelbar ist der Hörsturz derzeit nicht. Rund 1600 Österreicher sind pro Jahr davon betroffen und müssen erfahren, dass Ursachen und Entstehung der ISSHL (ideopathic sudden sensorineural hearing loss) unbekannt sind.

"Das Innenohr ist ein extrem gut geschützter Bereich, der vor allem mikroskopisch nicht zu untersuchen ist. Und genau dort vermuten wir Veränderungen", erklärt Peter Franz von der Universitätsklinik für HNO-Krankheiten.

Störung auf Zeit

Auch umfassende Studien zum Hörsturz gibt es kaum. Und das liegt an der Natur der Erkrankung, die in 60 bis 65 Prozent der Fälle innerhalb von zwei Wochen von allein wieder verschwindet. Genau das macht es aber unmöglich, das Phänomen wissenschaftlich gesichert zu untersuchen und - zum Beispiel - die Wirkung von Medikamenten eindeutig festzustellen. Ob die Symptome von selbst oder durch eine Therapie mit Kortison und durchblutungsfördernden Medikamenten besser werden, kann deshalb nicht eindeutig festgestellt werden.

"Der Hörsturz ist ein altes Problem, in unserer Untersuchung gehen wir davon aus, dass Stress eine der Hauptursachen dafür ist", sagt Christian Walch von der HNO-Klinik der Med-Uni Graz. Stress, so Walch, führe zu einer Änderung der Durchblutungsverhältnisse im Innenohr, die für das Hören zuständigen Haarzellen erleiden durch die Unterversorgung eine Schädigung. In einer interdisziplinären Untersuchung mit Psychologen werden seit 2006 in Graz nun alle Fälle von Hörsturz auf ihren Stressfaktor hin durchleuchtet, Ergebnisse soll es kommendes Jahr geben. "Weil jeder Mensch Stress anders verarbeitet, ist ein eindeutiger Beweis natürlich schwierig, allerdings lässt sich feststellen, inwieweit eine psychotherapeutische Begleitung die Heilung unterstützt und vor allem ein erneutes Auftreten seltener macht", so Walch. Psychohygiene als Prävention? "Genau das, Betroffene sollten lernen, eventuelle Vorzeichen zu erkennen, um gegensteuern zu können", sagt der HNO-Spezialist. (DER STANDARD, Printausgabe, pok, 25.3.2007)

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