Ansgar Zerfaß: Blognutzer sind "investigative Multiplikatoren" - Studie ermittelt fünf verschiedene Blogtypen
Die Universität Leipzig unter Leitung von PR- und Blog-Experten Ansgar Zerfaß hat in Kooperation mit der Suchmaschine Ask.com über 600 deutsche Internetnutzer zum Thema Weblogs befragt. Die Befragten (96 Prozent davon nutzen das Internet mehrmals täglich) sind mit Weblogs gut vertraut (12,7 Prozent konnten nichts mit dem Begriff anfangen), verbinden aber sehr unterschiedliche Assoziationen (z.b. "Tagebuch ohne Schlüssel", "Selbstvermarktungsinstrument", "riesiger Heuhaufen", "tägliche Informationsquelle"). 84 Prozent der Befragten meinen, dass Blogs Insiderwissen an die Öffentlichkeit bringen, so eines der Ergebnisse der Studie.
Anhand der unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten wurde eine Typologie von Blognutzern erstellt. "Mit Hilfe der erhobenen Daten konnten wir zeigen, wie unterschiedlich die Motivationen sind, Blogs zu nutzen", so Zerfaß. "Es wird deutlich, dass Betreiber und Rezipienten von Blogs verschiedene Charaktere sind: Blogger sind extrovertierter, Blogleser stärker konsumorientiert."
Mehrheitlich sind Blognutzer laut Zerfaß "investigative Multiplikatoren", Konsumenten,
die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind.
Fünf verschiedene Blognutzer
Die Studie identifiziert fünf verschiedene Blognutzer: 17,7 Prozent der
Befragten wurden als "Social Networker" klassifiziert. Sie nutzen Blogs in erster Linie um in
Kontakt mit Freunden zu bleiben, neue Bekanntschaften zu knüpfen und sich mit anderen
auszutauschen. Ebenfalls 17,7 Prozent zählt die Gruppe der "Selbstdarsteller". Sie
behaupten von sich "etwas zu sagen zu haben" und möchten "Ärger und Kritik loswerden".
Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an. Die größte Gruppe bilden allerdings
die "Wissensdurstigen" (23,7 Prozent). Sie nutzen Blogs in erster Linie um
Hintergrundinformationen zu suchen; klassischen Medien trauen sie weniger als anderen
Gruppen. Zwei weitere Gruppen sind die "Informationssucher" (18,9 Prozent) und die
"Aktiven Konsumenten" (22,8 Prozent). Sie sind auf der Suche nach aktuellen Nachrichten
bzw. Produktinformationen.
Wichtige Impulsgeber
Blogs im Allgemeinen und Fachblogs im Besonderen seien wichtige Impulsgeber für neue
Ideen und dienen als Grundlage der Meinungsbildung, so die Studie. Über zwei Drittel der Befragten (69,3 Prozent) entdecken in Fachblogs neue Themen und bilden sich daraus eine Meinung. 68,3 Prozent der Leser und 64,4 Prozent der Schreiber meinen, in Blogs Informationen zu finden, die sie sonst nirgends finden.
"EuroBlog 2007"-Studie
Auch eine weitere Studie zum Thema - EuroBlog2007 wurde Mitte März präsentiert - bestätigt die wichtige Rolle von Blogs. Die systematische Beobachtung der
Meinungsbildung in Weblogs gewinne für Kommunikationsmanager stark an Bedeutung, so das Fazit.
Jeder zweite der über 400 befragten PR-Verantwortlichen aus mehr als 24
Ländern nutze RSS-Feeds (Real Simple Syndication) zur Beobachtung, bei der Vorjahresbefragung
war es nur ein Drittel. 20 Prozent (der Wert lag im Vorjahr bei sechs Prozent) der Befragten setzen auf professionelle Monitoring-Services.
"Wir hätten nicht gedacht, dass Weblogs so schnell so breit akzeptiert werden", so
Swaran Sandhu, der die Studie mitbetreut hat. "Vier von fünf Befragten lesen
Weblogs regelmässig, zwei von fünf täglich. Vor einem Jahr ist vor allem über
Weblogs gesprochen worden, heut sind sie für viele zu normalen Kommunikationsmittel geworden".
"Handfeste Erfahrung" fehlt
Doch was hindert die Verantwortlichen an einem stärkeren Einsatz dieser Social Software? Laut EuroBlog2007-Studie ist dies vor allem ein fehlender Beleg für einen Return on Investment (ROI) von z. B. Weblogs sowie bislang fehlende standardisierte und vergleichbare Evaluationsinstrumente, die auch mit anderen Messgrössen korreliert werden können. Weiters würden sich zwar viele PR-Praktiker mit dem Thema beschäftigen, häufig fehle es aber an "handfester Erfahrung".
Neue Chancen
"Unternehmen sind heute doppelt gefordert: Zum einen müssen sie
immer stärker ihr Kommunikationsbudget legitimieren und das ist wegen fehlenden
Messinstrumenten bei Social Software schwierig. Zum zweiten fehlt es häufig an
Mitarbeitern mit der nötigen Online-Erfahrung, die nicht nur praktisches Know-how,
sondern auch Verständnis für die Kommunikationsstrukturen in der Wirtschaft einbringen
können.", meint Ansgar Zerfaß. Doch genau hier liege auch eine Chance, die stärkere Auseinandersetzung mit Social Software eröffne einer neuen Generation von PR-Fachleuten neue Berufschancen. (red)