Beliebter Wiener Wirt von Ausweisung bedroht

Redaktion, 25. März 2007, 21:30
  • "Vor lauter Zukunftsangst nächtelang nicht geschlafen": Der Pakistani Afzaal (links) und die Österreicherin Natalie Deewan (rechts) - hier vor ihrem Erfolgsbeisl in der Wiener Liechtensteinstraße 11 - wissen nicht weiter.
    foto: regine hendrich

    "Vor lauter Zukunftsangst nächtelang nicht geschlafen": Der Pakistani Afzaal (links) und die Österreicherin Natalie Deewan (rechts) - hier vor ihrem Erfolgsbeisl in der Wiener Liechtensteinstraße 11 - wissen nicht weiter.

  • Das Prinzip "Pay as you like" zieht mittags viele junge Leute - und abends auch ältere - ins derzeit einzige pakistanische Lokal von Wien.
    foto: regine hendrich

    Das Prinzip "Pay as you like" zieht mittags viele junge Leute - und abends auch ältere - ins derzeit einzige pakistanische Lokal von Wien.

Mehr Härte gegen binationale "Altfälle": Trotz großen Erfolgs soll der "Wiener Deewan"-Chef ausgewiesen werden

Wien - Im "Wiener Deewan", dem pakistanischen Aufsteigerlokal unweit der Wiener Uni, duftet es verführerisch nach gebratenem Gemüse, Fleisch und Curry. Scharen junger Leute in Alltagsoutfit balancieren voll gehäufte Teller vom Buffet zu den Tischen: Eine Folge des "Phänomens Mittagshunger", wie die Philosophin, Beisl-Geschäftsführerin und Co-Inhaberin, Natalie Deewan (28), erläutert.

Den "Mittagshunger" und seine für Wirte arbeitsintensiven Vorbereitungen auf ihn hatte die Österreicherin auch den Fremdenpolizisten gegenüber erwähnt, die eines Vormittags in ihrer Wohnung auftauchten. Wo denn ihr Mann und Beisl-Mitbetreiber Afzaal Deewan (42) sei, hatten die zum Zweck der Scheinehen-Überprüfung erschienenen Beamten gefragt. Arbeiten in seinem eigenen Lokal sei er, hatte sie geantwortet - ganz so, wie sie und er es seit der Lokalgründung im April 2005 "zwölf bis 14 Stunden täglich" täten. Der Erfolg - 11 Angestellte, geschätzte 250.000 Euro Umsatz 2006 - komme eben nicht von nichts.

"Die Fremdenpolizisten sind daraufhin davongerannt", erinnert sich Frau Deewan. Mit einem Erfolgsgastronomen als "Kunden" hatten sie offenbar nicht gerechnet.

Unerwünscht und gefeiert zugleich

Doch aufgrund des zu Jahresbeginn 2006 ohne Übergangsfristen eingeführten Niederlassungsgesetzes ist der ursprünglich als Flüchtling nach Österreich gekommene Pakistani tatsächlich beides: Unerwünschter Ausländer ohne Aufenthaltsrecht und prämierter Jungunternehmer und gefeierter Koch: Das Lokal, das seine Frau und er gemeinsam nur gründen konnten, weil Asylwerbern selbstständige Tätigkeit nicht verboten werden darf, wurde vom Falter inzwischen unter die "Wiener Top Ten" gereiht.

Ein solcher gelebter Gegensatz geht an die Substanz. Als das "Deewan"-Lokalkonzept "Pay as you like" - jeder bezahlt für sein Essen, was ihm beliebt - beim Jungunternehmerwettbewerb 2006 auf Platz 30 unter 1400 Projekten rangierte, konnte sein Erfinder "vor lauter Zukunftsangst nächtelang nicht schlafen" - wie er erzählt. Nun, wo "vom Wirtschaftlichen her eigentlich weitere Beisleröffnungen anstehen würden", raubt dem Paar der Kampf gegen eine mögliche Ausweisung Afzaals viel Kraft.

"Chancen gesunken"

Bei der in Wien für Fremdenangelegenheiten zuständigen MA 35 hat es zuletzt geheißen, "dass die Chancen für eine Niederlassungsbewilligung aufgrund einer Verschärfung weiter gesunken sind", schildert Natalie Deewan. MA-35-Leiterin Beatrix Hornschall bestätigt dem Standard diese schlechte Nachricht: "Ein neues Rundschreiben aus dem Innenministerium macht wohlwollende Interpretationen wie bisher in Altfällen unmöglich. Herr Dewan ist einer der ersten Betroffenen" (siehe Artikel "Verschärfung per E-Mail aus Ministerium").

"Bisher wohlwollend? Wir warten seit November 2005 auf eine Entscheidung", wehrt sich Natalie Deewan. Im Grunde sei die Sache "grotesk", ergänzt Angela Magenheimer von der Initiative "Ehe ohne Grenzen": "Da überreicht Wirtschaftsminister Bartenstein eine Auszeichnung an einen Mann, den sein Parteikollege, Innenminister Platter, unbedingt außer Landes schaffen will." (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 26.03.2007)

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ich wohnte vor wenigen Tagen

2 Tage im Hotel Albatros in der Liechtensteinstr. Ich suchte in der Nähe ein nettes Kaffeehaus oder Gasthaus: Nichts, ausser indische oder pakistanische Lokale. Alle paar Meter findet man leere Lokalitäten, die zum Verkauf bereitstehen. Zumeist ehemalige Gastronomische Betriebe. Ich zog jedenfalls aus dem Hotel in ein anderes um. Hier entsteht "klein Bombay" und es wird wachsen, weil immer mehr Einheimische wegziehen. So, nun wird es sicher Purpur-Rot regnen...

Exzellent

das das passiert ist. Genau so einen Praezendenzfall von nachgerade unzweifelbarer Klarheit braucht es, um den ganzen Umgang mit Fremden in diesem Land wenigstens einmal von der anderen Seite zu thematisieren.
Den hoechstens das Fressen geht den Wienern noch ueber die Xenophobie, das werden die Rechten noch lernen.

den wienern?

die wiener sind? *was auch immer*
im gegensatz zu wen?

verallgemeinerungen wirken auch nicht fein, wenn sie von der xenophilen seite kommen,
verallgemeinerungen sind in jedem fall dumm, respektlos, verächtlich....

hundstrümmerl

die hundstrümmerl sind laut jetzt schon über einge jahre gleichbleibende umfrageergebnisse das einizige problem, das wiener als noch dringlicher ansehen als das "ausländerproblem".

die Qualität der Speisen sollte nicht nachlassen

Sonst müssen sie zusperren und ausreisen.

Wieso? Warum?

Ich habe mir einige Gedanken zu diesem Fall gemacht, ausgehend von einem ähnlichen Fall hier in Kanada. Würde aber den Rahmen dieser Seite sprengen, darf also direkt auf meinen Artikel verweisen: http://www.wernerpatels.com/kanada/20... _raus.html

Schaut aus als ob da jemand den Konkurrenten arisieren lassen will.

:(

tja. Dann werma halt essen gehen in diesem Lokal

es liegt im 9.Bezirk, Liechtensteinstraße 10, hat Mo bis Sa 10 - 23 Uhr offen und jede/r, der/die mit diesem Irrsinn nicht einverstanden ist, hätte noch Gelegenheit, vorbeizuschauen.

Für alle, die keinen Tisch mehr ergattern, gilt trotzdem pay as you can, für ein herliches Curry im Stehen oder einfach für eine anständige Vertretung gegen diese Tollerei.

Wenigstens das sollten wir in Wien doch z'sammbringen, oder?

Je mehr Leute sich zum Lokal bekennen

umso schwerer tun sich die Amok laufenden Behörden.
Ich kenne das Lokal und kann es vorbehaltslos weiterempfehlen.
Wer in Zukunft pakistanisch essen möchte, soll dem oben stehenden Aufruf nachkommen.

Mit dem Lokal hat die ganze Sache halt gar nichts zu tun. Und sich "zum Lokal bekennen" halte ich ohnehin für eine merkwürdige Art, Solidarität mit Menschen zum Ausdruck zu bringen.

Man sollte kulinarische und (menschen)rechtliche Angelegenheiten wirklich trennen: Ich bekenne meine uneingeschränkte Solidarität mit den Deewan s (diese gesetzliche Regelung ist ganz einfach eine saudumme, in vollkommen abgestumpften Bürokratenhirnen geborene Schweinerei).

Das Essen im Deewan ist aber leider mittlerweile eher durschnittlich. Bin ein Stammgast der ersten Stunde und finde, dass die Qualität des Essens und der Befüllungsgrad des Buffets invers zur Anzahl der Gäste im Lokal korreliert ist.

Sie haben natürlich recht.

Aber einen anderen Zugang zu den Deewans haben wohl die Wenigsten. Also ist das Lokal die Bühne.
Kenne die sehr gute Qualität der Speisen erst seit Herbst 2006. Mir schmeckt's.

Nicht die Behörden laufen Amok

sie vollziehen geltende Gesetze. Das ist deren ureigenste Aufgabe.

Allerdings laufen viele unserer Politiker amok, die derartige Gesetze beschließen.

falsch, nach den, dem

Standard zu entnehmenden Informationen, laeuft eine Behoerde Amok.

Besser behandelt?

Warum sollen der pakistanische Wirt besser als andere Ausländer behandelt werden?

warum sollte er schlechter behandelt werden?

Warum werden Menschen überhaupt so behandelt??

Österreich hat eines der allerstrengsten (wenn nicht sogar das strengste) Fremdenrechte Europas.

das Fremdenrecht in der Schweiz ist hardcore gegen das von Österreich!

ja, eh! und das ist gut so!

Warum soll ueberhaupt jemand "besser" behandelt werden>? Lass ma's sein. Olle Menschen sin ma zwider..

,,weil die humanitaere Bemessungsgrundlage des Herrn Deewan keinerlei Kritik in bezug auf Integration oder gar Verfehlungen aufkommen laesst, die selber als Parameter (Grundlage - 'wesentliche Grundlage'] bei Entstehen verschaerfter Einreise - und Migrationsbewegung war ..

Eh nicht.


Es solle ALLE gleich behandelt werden: Wie Menschen eben.


Aber mach das einmal der "christlichen" ÖVP klar....


Statt einer Partei die Schuld zu geben sollten Sie

zugeben dass sich bis auf die Grünen alle Parteien hinsichtlich Fremdenpolitik nur in Nuancen unterscheiden.
Ausländerfeindlichkeit ist durchaus nicht nur ein "rechtes" Problem. Die Linken (Gewerkschaften) mit ihrer Steinzeitwirtschaftsauffassung dass jeder Ausländer einem Österreicher einen Arbeitsplatz wegnimmt tragen einen wesentlichen Baustein zur hier herrschenden Xenophobie bei

bitte ein paar gedichte...

...für alle, die das österreichische fremdenrecht gut finden....!!! tschuldigen Sie, dass ich immer wieder den selben witz mach, aber ich freu mich immer so... ...über Ihren namen UND Ihre postings...

So manches hier,

was ich von den linkslinken Gutmenschen - in ihrer Dummheit und Ignoranz - hören muss kling eh so ähnlich wie Vogonen Prosa. Wird bald Zeit das Handtuch zu packen und einen Abflug durch die Schleuse zu machen ...und keiner der hier anwesenden Vogonen sagt jetzt: "ja, aber mit einen festen Tritt", gell!

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