Preisträger, "Alt" und "Jung"

25. März 2007, 18:47
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Ausschnitt aus Bellavista bildete einen eigentümlichen Kontrast zur komödiantisch aufgepeppten Zeremonie

Graz - Faltige Hände mit Strickzeug, die Stimme einer alten Frau, die aus dem Off in nicht eben geläufiger Sprache über den Wandel der Zeiten räsoniert. Schwarzweiße Bilder, lange Einstellungen, die bei der extremen Großaufnahme ihren Ausgang nehmen und allmählich erst einen größeren Zusammenhang ins Bild setzen: Der Ausschnitt aus Bellavista, der während der Preisverleihung der Diagonale Samstagabend im Dom im Berg eingespielt wurde, bildete einen eigentümlichen Kontrast zur komödiantisch aufgepeppten Zeremonie.

Der Dokumentarfilm von Peter Schreiner, der bei der Viennale 2006 Premiere hatte, ist fragmentarisches Frauenporträt ebenso wie Dokumentation einer im Verschwinden begriffenen (Sprach-)Kultur. Plodarisch spricht man noch im norditalienischen Sappada, wo das Hotel Bellavista steht. Ausgehend von der Frau, die es führt, erkundet der Film Lebensgeschichte und regionale Kultur, ein landschaftliches Umfeld und das Ineinandergreifen dieser Ebenen.

Langfilmdebüt

Regisseur Schreiner, der dafür mit dem Großen Diagonale-Preis in der Kategorie Dokumentarfilm (€ 21.000) ausgezeichnet wurde - er dreht seit den frühen 80er-Jahren. Der Preisträger in der Kategorie Spielfilm wurde da gerade erst - in Graz - geboren: Jakob M. Erwa erhielt 21.000 Euro überraschend für heile welt. Das von Franz Novotny produzierte, durchaus sympathische, aber stellenweise überfrachtete Langfilmdebüt begleitet in vier miteinander verzahnten Episoden jugendliche und erwachsene Glückssucher, denen im günstigsten Fall bloß Enttäuschung ihrer Sehnsüchte beschieden ist.

Für eine weitere Überraschung sorgte die Bekanntgabe des BKA-Würdigungspreises für Filmkunst (dotiert mit € 14.600,-), der erstmals nicht für die Herstellung, sondern für die Vermittlung selbiger vergeben wurde - an Christine Dollhofer, nunmehrige Leiterin des Linzer Filmfestivals "crossing europe", die sich bereits als einstige Co-Intendantin der Grazer Diagonale verdient gemacht hat. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2007)

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