Musikindustrie will zehnjähriges Mädchen vor Gericht zitieren

11. Jänner 2008, 18:13
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Soll gegen ihre Mutter aussagen - War zum Zeitpunkt des behaupteten Copyright-Verstoßes sieben Jahre alt

Bereits seit dem Jahr 2003 hält nun der Rechtsstreit Atlantic vs. Andersen an, und so wie es aussieht will die Musikindustrie nicht locker lassen, und so ein Exempel der ganz speziellen Art statuieren: Um eine Verurteilung gegen die 42-jährige Tanya Andersen zu erreichen, will man nun ihre zehnjährige Tochter vor Gericht zitieren.

Zweifel

Der behauptete Copyright-Verstoß der Mutter soll bereits im Jahr 2003 erfolgt sein, zu einem Zeitpunkt als das Mädchen gerade einmal sieben Jahre alt war. Dass sie also substantielles zur Sache beitragen kann, ist eher zweifelhaft. Es ist aber ohnehin fragwürdig, dass es darum in dem Verfahren überhaupt noch geht.

Gegenklage

Denn Tanya Andersen hatte sich entgegen vielen anderen, die sich außergerichtlich mit der Musikindustrie einigen, aktiv gegen die Klage gewehrt. Nicht nur, dass sie strikt abstreitet jemals in einem File-Sharing-Netzwerk aktiv oder auch nur an der angeblich von ihr heruntergeladenen Gangster-Rap-Musik interessiert gewesen zu sein, hatte sie auch umgehend eine Gegenklage gegen die RIAA eingereicht.

Betrügerisch

In dieser wirft sie der RIAA unter anderem die Verletzung ihre Privatsphäre, zweifelhafte Geschäftspraktiken und schlichten Betrug vor. Kurz nachdem sie die Klage der RIAA erhalten hatte, sei sie darüber informiert worden, dass ein Unternehmen namens MediaSentry im Auftrag der Musikindustrie auf ihren Rechner eingebrochen sei, und dabei angeblich inkriminierende Beweise sichergestellt hat.

Persönlich

Nachdem die RIAA bekannt gegeben hat, dass sie ihre Tochter als Zeugin einvernehmen will, hatte Tanya Anderson darum gebeten, dass dies zumindest auf eine Telefon- oder Videokonferenz beschränkt werden könnte, um ihrer Tochter die psychischen Belastungen eines solchen Auftritts zu ersparen. Die RIAA besteht allerdings weiterhin auf einer persönlichen Einvernahme vor Gericht.

Background

Wie auch immer der Prozess ausgeht, viel zu holen gibt es bei Tanya Anderson ohnehin nicht: Die 42-jährige Mutter ist teilbehindert und lebt von der Sozialhilfe. (red)

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