"Nur 20 Prozent der Arbeiten waren gut"

26. September 2007, 16:39
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Der CCA-Juryvorsitzende im Bereich Online- Werbung ortet mangelndes Selbst­be­wusstsein in der Werbe­branche - Max Wilhelm im derStandard.at-Interview

Demner, Merlicek & Bergmann, mit einer "Maus-Verkleidung" für die Kostumwerkstätte Windner, wurde mit CCA-Gold in der Kategorie "Banner, Mini-Sites, Online-Spots" prämiert. Insgesamt wurden im Bereich Online-Werbung nur 30 Arbeiten eingereicht. Der CCA-Juryvorsitzende Max Wilhelm von der "Close Up Filmgesellschaft" im derStandard.at-Interview.

etat.at: Was macht Ihrer Meinung nach gute Online-Werbung aus und nach welchen Kriterien sind die eingereichten Arbeiten bewertet worden?

Max Wilhelm: In erster Linie ist es entscheidend, eine außergewöhnliche Idee zu finden. Die Idee muss aber auch zum Produkt passen und mit der Produktlinie konform gehen. Das Erreichen von Aufmerksamkeit ist natürlich ein entscheidender Punkt. Wir haben die Arbeiten nach den allgemeinen CCA-Kriterien Originalität, Magnetismus und Relevanz bewertet. Die technische Qualität ist dabei sekundär. Es waren nur Werbungen dabei, die extra fürs Internet kreiert wurden.

etat.at: Wie war die Qualität der Arbeiten in Bezug auf Kreativität?

Max Wilhelm: Online-Werbung hat anscheinend noch nicht die Relevanz, die ihr zusteht. Nur 20 Prozent der Arbeiten waren gut, der Rest war sehr allgemein und ohne besondere Originalität. Die Qualität war eher schlechter als bei den Werbungen, die ich täglich im Internet sehe.

etat.at: Warum sind die nicht eingereicht worden?

Max Wilhelm: Die Agenturen und Auftraggeber sollten hier mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen und ihre Arbeiten auch einer Jury vorlegen. Anscheinend ist da eine Art von Gewohnheit im Spiel wie wenn ich täglich eine Buttersemmel oder ein Hörnchen esse. Die Werbung ist einfach da und man macht sich hier gar keine großartigen Gedanken mehr, sondern nimmt dies als Selbstverständlichkeit wahr.

etat.at: Welche Werbung spricht Sie als normaler User am meisten an?

Max Wilhelm: Ich habe da keine persönlichen Präferenzen. Das entscheidende Kriterium für mich ist, dass sie auffallen und aus dem Block herausstechen müssen. Ganz normale Banner werden nicht mehr wirklich wahrgenommen. Die Werbung muss was Besonderes haben.

etat.at: Welche Werbeformate werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Max Wilhelm: Im Bereich Video-Advertising gibt es ein großes Potenzial und in den nächsten Jahren wird es einen enormen Anstieg geben. Mittlerweile beschäftigen sich auch sehr viele Leute damit. Mit bewegten Bildern lässt sich auch viel mehr erklären und die Werbebotschaften können besser transportiert werden. Gerade mit Videos lassen sich Image-Kampagnen kreieren. Die Wahrnehmung und Auffälligkeit ist im Vergleich zu anderen Werbeformen viel größer.

etat.at: Wie schaut es Ihrer Meinung nach mit der Akzeptanz von Video-Werbung bei den Usern aus?

Max Wilhelm: Die Akzeptanz ist absolut gegeben. Es bilden sich Communitys und die interne Verbreitung ist rasant. User interagieren hier und mailen einander die Links zu den Spots.

etat.at: Glaube Sie, dass es für Unternehmen Sinn macht, sich in Second Life oder Online-Gaming zu engagieren?

Max Wilhelm: Durchaus, wenngleich man hier differenzieren muss. Das ist ein Zielgruppenthema und funktioniert nach ähnlichen Bewertungen wie Werbung im TV oder Hörfunk und kommt auch nicht für alle Unternehmen infrage. Zum Beispiel wird Werbung für Markenartikel und für Konsumgüter auch sehr selektiv geschalten und kommt am ehesten rund um die "ZiBs" zum Einsatz. Wenn Unternehmen eine klar definierte Zielgruppe vor Augen haben, dann macht es auf jeden Fall Sinn, sich hier zu engagieren.

Die Fragen stellte Oliver Mark.

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