Wolf Biermann wird Berliner Ehrenbürger

26. März 2007, 16:33
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Ehrung des Liedermachers für seinen Kampf gegen das DDR-Regime und für Demokratie - Streit um Ehrung im Vorfeld

Berlin - Nach monatelangem Tauziehen wird der Liedermacher Wolf Biermann am Montag Berliner Ehrenbürger. Der Sänger und Dichter wird für seinen Kampf gegen das DDR-Regime und für Demokratie geehrt. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) soll dem 70-Jährigen im Roten Rathaus die Auszeichnung überreichen und die Laudatio halten.

Über seine Rede im Berliner Rathaus wollte Biermann im Vorfeld nichts verraten. "Ich stehle mir doch nicht selbst die Show", sagte er bereits am Freitag auf der Leipziger Buchmesse. In der "Leipziger Volkszeitung" allerdings nahm er die Berliner Koalition ins Visier. "Ich finde es verbrecherisch, dass die SPD mit der PDS ins Bett geht." Der Dichter gibt sich der Zeitung zufolge überzeugt, das dieses Bündnis vor dem Ende steht.

Linkspartei enthielt sich der Stimme

Das Abgeordnetenhaus hatte mit großer Mehrheit für die Würdigung gestimmt. Nur die Linkspartei hatte sich der Stimme enthalten. In der Begründung des Antrags hieß es, wie kaum ein anderer habe sich Biermann mit seinen Gedichten und Liedern für Demokratie und Bürgerrechte stark gemacht. Gegen seine Ausbürgerung aus der DDR 1976 hatten viele Künstler in Ost und West protestiert. Dieses Ereignis wird auch als Beginn einer Protestbewegung gesehen, die einen beispiellosen Künstler-Exodus aus Ostdeutschland zur Folge hatte und aus heutiger Sicht der Anfang vom Ende der DDR war.

In dem öffentlichen Streit um die Ehrung wurde vor allem darüber diskutiert, ob der einstige DDR-Oppositionelle die Würdigung verdient hat. Biermanns zustimmende Haltung zum Irak-Krieg und seine Kritik an der SED-Vergangenheit der PDS hatten bei der Linkspartei für Ablehnung gesorgt. Biermann, der heute in Hamburg lebt, hatte den Streit um seine Ehrenbürgerwürde als "Provinzposse" und "todernste Tragödie" bezeichnet. (APA/dpa)

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