"Es wächst einem ans Herz"

26. März 2007, 13:40
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Verbittert im Bezirksmuseum: "Wenn der Eintritt nicht frei wäre, käme vielleicht überhaupt niemand"

Wien – Wenn Felix Czeipek einen Wunsch frei hätte, dann wäre es dieser: Er hätte gern mehr Besucher als bisher. Natürlich nicht privat, sondern im Bezirksmuseum Wieden. Czeipek leitet es seit 1995 und der Besuchermangel in der Klagbaumgasse 4 macht ihn naturgemäß schwer zu schaffen: "Wenn der Eintritt nicht frei wäre, käme vielleicht überhaupt niemand." Was fehlt, so ist Czeipek überzeugt, ist Werbung. Und die kostet Geld, das man nicht hat. Deshalb sind seine Hoffnungen ganz auf den Sonntag gerichtet, wenn zum ersten Mal der "Tag der Wiener Bezirksmuseen" begangen wird. Alle 23 Grätzel-Institutionen machen mit, halten geöffnet von zehn bis 16 Uhr. Jedes Museum hat dafür eine Schau über bekannte Persönlichkeiten des jeweiligen Bezirks zusammengestellt. Rund herum wird es überall ein Rahmenprogramm mit Lesungen oder Musikeinlagen geben.

Rosa Mayreder, Johannes Brahms

Im Falle Wieden sind die "Persönlichkeiten" Erzherzog Rainer, die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Rosa Mayreder und der Komponist Johannes Brahms. Czeipek hat dafür etwa aus der Papyrussammlung in der Nationalbibliothek ein Leihstück erhalten, das den Schaukasten Erzherzog Johanns komplettiert. Ein Verwandter Mayreders hat zwei Bilder – ebenfalls als Leihgabe – beigesteuert.

Das Bezirksmuseum Landstraße in der Sechskrügelgasse beschäftigt sich mit dem Kabarettisten Karl Farkas und dem Schriftsteller Jura Soyfer. Meidling (Längenfeldgasse 13-15) bietet auch mit Märchen der Gebrüder Grimm ein Kinderprogramm. Gegründet als "Meidlinger Heimatmuseum" 1923 ist es das älteste Museum dieser Art in Wien.

Dusche als Schauraum

Prinzipiell gleicht kein bezirksmuseum einem anderen. Das Wiedener teilt sich das Haus beispielsweise mit dem Rauchfangkehrermuseum. Originelles Detail: Ein Schauraum ist in einem original erhalten gebliebenen Dusch- und Kabinensaal untergebracht. Bis 1978 war das Haus nämlich ein städtisches Tröpferlbad. "Wir haben leider wenig Platz", entschuldigt sich Czeipek fast. 300 Quadratmeter auf drei Stockwerke verteilt, ist nicht groß, für ihn gilt aber, das Beste daraus zu machen: "Wir sollten froh sein, dass wir hier sind", sagt er. Dass er hier ist, hat wiederum mit seiner Pensionierung 1995 zu tun.

40 Jahre lang war der Herr Regierungsrat in der Zollverwaltung tätig, zum Schluss in der Finanzlandesdirektion. "Auch wenn ich für die Zeit danach vorgeplant hatte. Es blieb eine gewisse Leere." Vor allem der Kontakt mit Menschen sei ihm abgegangen, erzählt Czeipek. Dann hörte er, dass Hilfe im Museum gesucht werde, da das Haus in der Klagbaumgasse bezogen wurde. "Ich bin ein alter Bastler." Jetzt, als mittlerweile 76-Jähriger, sucht Czeipek einen Nachfolger, einen, dem er "sein Museum, vertrauensvoll übergeben kann, denn "es wächst einem natürlich ans Herz". "Solange muss ich auf jeden Fall gesund bleiben", sagt der Museumsleiter.

Und da fällt ihm noch ein zweiter Wunsch für sein Museum ein: "Wenn Sie über uns schreiben, könnten sie auch erwähnen, dass wir am 24. Mai eine Ausstellung über den Architekten und Designer Josef Frank eröffnen?" Den Nachsatz: Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten, verkneift er sich aber dann. (Peter Mayr, DER STANDARD print, 24./25.3.2007)

  • Grätzelmuseum sucht Gäste: Felix Czeipek, Leiter des Bezirksmuseums Wieden, träumt von einem zumindest bescheidenen Besucheransturm
    foto: standard/regine hendrich

    Grätzelmuseum sucht Gäste: Felix Czeipek, Leiter des Bezirksmuseums Wieden, träumt von einem zumindest bescheidenen Besucheransturm

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