Die Veredelung der "halben Sau"

30. Juli 2007, 13:29
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Ein Metzgerlehrling lernt heutzutage auch, was für den Menschen gut ist

Solange es Menschen gibt, wird es auch Fleischhauer geben", ist David Fischer (16) von der stabilen Zukunft seines Berufes überzeugt. Sein Job sei nicht das Schlachten, erklärt er, sondern die Veredelung des Rohmaterials.

"Das Fleischauslösen aus der halben Sau oder Würstemachen, so wie Wienerle (Frankfurter) und Schübling (Knacker)", das sind Davids Aufgaben in der Lustenauer Meistermetzgerei Schlierenzauer.

In zwei Minuten am Arbeitsplatz

Seine Wahl der dreijährigen Lehre wurde durch die Nähe zur Metzgerei beeinflusst. In zwei Minuten ist er von zu Hause am Arbeitsplatz, wo er pünktlich um sechs Uhr beginnt, Fleisch in Spezialitäten zu verwandeln.

Kurz wurde eine Tischlerlehre überlegt, aber nach zwei Schnuppertagen in der Metzgerei war klar: "Das ist einfach ein Superberuf." Ihm gefällt dabei die Abwechslung. Da Fleisch immer frisch verarbeitet werden muss, winkt bei flottem Schaffen ein freier Nachmittag. So bleibt dem Vorarlberger Fleischverarbeiter im zweiten Lehrjahr Zeit zum Mopedbasteln oder Freunde-treffen. Zu saisonalen Spitzen, etwa vor Weihnachten, kommt es zu längeren Schichten. Dann werden für die Kundschaft aus Vorarlberg und der Schweiz Fondues und Festtagsplatten bis 22.00 Uhr zubereitet.

Das Betriebsklima am Arbeitsplatz ist David sehr wichtig, und derzeit fühlt er sich wohl. Um halb acht werde gemeinsam mit dem Chef gefrühstückt und die neuesten Geschichten ausgetauscht.

Würzen tut der Chef persönlich

680 Euro für 40 Wochenstunden im zweiten Lehrjahr stimmen für David. Als seine Freunde noch über die Berufswahl scherzten, stellte er das fix ab: "Wer macht denn die Wurst, die ihr gerne esst? Die Metzger!" Praktisch würde sich der junge Lehrbub alles zutrauen: "Bis auf das Würzen, etwa vom Brät. Das macht der Chef persönlich."

An der Berufschule Feldkirch büffelt David mit 18 Mitschülern die Theorie für das Fleischerhandwerk. So wird der moderne Metzger auch in Ernährungslehre geschult.

Davids Tipp: "Eine Leberkässemmel in der Woche oder die Bratwurst am Fußballplatz schaden nicht." (Georg Horvath, STANDARD-Jugendredaktion, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.3.2007)

  • Der Vorarlberger David Fischer veredelt das "Rohmaterial" Fleisch. Nur Würzen ist noch Chefsache.
    foto: standard/grass

    Der Vorarlberger David Fischer veredelt das "Rohmaterial" Fleisch. Nur Würzen ist noch Chefsache.

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