Mangelhafte Krankheitsbekämpfung in Osteuropa

23. März 2007, 19:06
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Trotz Fortschritten auf globaler Ebene hinken einige Länder ihren Zielvorgaben hinterher

Wien - Die Reformen auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung in Osteuropa müssten beschleunigt werden. Maßnahmen seien dringend erforderlich, um Tausende von Todesfällen pro Jahr zu vermeiden und der Ausbreitung der gefährlichen medikamentenresistenten Tuberkulosestämme Einhalt zu gebieten. So lautet ein Appell der WHO und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März.

Der Appell stützt sich auf den WHO-Welttuberkulosebericht: Demzufolge wurden weltweit in den vergangenen Jahren bei der Eindämmung der Krankheit gute Fortschritte erzielt und die Richtziele für 2005 fast erreicht. Dabei verfehlten jedoch einige Länder in Osteuropa diese Zielvorgaben weit. Sie hatten die niedrigsten Entdeckungsraten bei infektiösen Fällen und die höchsten Raten an Behandlungsmisserfolg.

Unzureichende Maßnahmen

Nach Schätzungen entfallen in Osteuropa und Zentralasien rund 15 Prozent aller neuen Tuberkulosefälle auf multiresistente Tuberkulose (MDR-Tb). Diese Rate ist drei Mal so hoch wie in jeder anderen Region der Welt, hieß es in dem Bericht. "Medikamentenresistenz ist der deutlichste Indikator für unzureichende Tuberkulosebekämpfungsmaßnahmen", so Marc Danzon, WHO-Regionaldirektor für Europa. Gesundheitssysteme müssten ihre Bekämpfungsmaßnahmen nach Maßgabe der internationalen Standards neu gestalten.

2005 waren dem WHO-Bericht zu Folge in der "Europäischen Region" insgesamt 445.000 Krankheitsfälle zu verzeichnen, davon 66.000 mit tödlichem Ausgang. Drei Viertel entfielen auf die Länder Kasachstan, Rumänien, Russland, Türkei, Ukraine und Usbekistan. 14.000 neue Fälle kamen in der auf Grund ihres geschwächten Immunsystems besonders anfälligen Gruppe der HIV-positiven Erwachsenen hinzu, ebenso 70.000 Fälle von MDR-Tb.

Der soziale Faktor

IFRC-Generalsekretär Markku Niskala erklärte, auch Zivilgesellschaft und Bürgerorganisationen könnten den Gesundheitsministerien bei der Verstärkung ihrer Maßnahmen zur Tuberkulosebekämpfung behilflich sein, und verwies auf positive Erfahrungen in Russland. Im Oktober findet in Berlin ein Ministerforum zur Tuberkulose-Thematik statt, das den Dialog zwischen allen Interessengruppen aus den Bereichen Gesundheit, Forschung und Entwicklung fördern soll. (APA)

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