Schwere Vorwürfe gegen Admiral und Wettpunkt

1. Juli 2007, 18:00
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Laut "profil" Strafanzeige des NÖ Landeskriminalamts wegen illegalem Glücksspiel und Betrug - Unternehmen weisen Vorwürfe zurück

Wien - In einer Strafanzeige des niederösterreichischen Landeskriminalamtes werden schwere Vorwürfe gegen die Unternehmen Admiral Sportwetten und Wettpunkt erhoben, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Demnach würden deren Kunden mit Wetten auf Hunderennen "getäuscht und zu Wetten verleitet, welche die Wettlustigen am Vermögen schädigen, wodurch sich die Veranstalter unrechtmäßig und gewerbsmäßig bereichern".

Für Justiz und Polizei gehe es nicht nur um verbotenes Glücksspiel, sondern um den Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges. Der konkrete Vorwurf der Kriminalisten laut Nachrichtenmagazin: Die Rennen würden nicht, wie bei Wetten üblich und auch gesetzlich vorgeschrieben, live übertragen, sondern seien "aufgezeichnet" worden. Die Bildschirme, auf denen die Rennen ausgestrahlt werden, würden keinerlei Informationen über "Veranstaltungsort, Zeit oder Favoriten" vermitteln. Zudem würden bereits vor dem Start fixe Quoten für die einzelnen Hunde beziehungsweise Einlaufergebnisse eingeblendet, durch die Kunden - zumindest theoretisch - auf eine falsche Fährte gelockt werden könnten.

Beamte hätten bei den zur Novomatic-Gruppe gehörenden Admiral-Etablissements auch Videospielterminals entdeckt, die Einsätze und Gewinne ermöglichen, die weit über das in Niederösterreich erlaubte ("Kleines Glücksspiel") hinausgingen, heißt es in dem Bericht weiter.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Unternehmen weisen in dem Magazin alle Anschuldigungen zurück. Sie würden ausschließlich im Rahmen des gesetzlich Erlaubten agieren.

Novomatic-Konzernpressesprecher Hannes Reichmann sagte gegenüber der APA, eine solche Strafanzeige des NÖ Landeskriminalamts liege dem Unternehmen zur Stunde nicht vor. Man wisse nur von einer anonymen Anzeige. Admiral Sportwetten ist eine 100-Prozent-Tochter der Novomatic.

Anwalt: "Wetten genehmigt"

Auch der Anwalt von Novomatic, Ernst Brunner, hat die Vorwürfe am Freitag zurückgewiesen. Die Anzeige des Landeskriminalamts liege ihm noch nicht vor, die Vorwürfe seien ihm aber bekannt, sagte Brunner gegenüber der APA. Alle Vorwürfe betreffend der Glücksspielautomaten sowie betreffend der Wetten auf Hunderennen seien falsch und daher zurückzuweisen.

Die Vorwürfe zu den Automaten fußen laut Anwalt auf dem Gutachten eines Sachverständigen, dem jedoch zum Zeitpunkt der Verfassung des Gutachtens wesentliche Unterlagen nicht zur Verfügung gestanden seien. Wenn er diese gehabt hätte, so würde er zu einem anderen Ergebnis kommen, sagte Brunner. Bei den Automaten seien jedenfalls die Höchstbeträge des "Kleinen Glücksspiels" nicht überschritten worden. Im Gutachten seien Dinge einfach verwechselt worden, eine Ergänzung des Gutachtens sei unterlassen worden. Es wäre Sache der Staatsanwaltschaft oder des Landeskriminalamts Niederösterreich gewesen, das zu beantragen, so der Anwalt.

Auch die Vorwürfe zu den Wetten auf aufgezeichnete Hunderennen weist der Anwalt zurück. Dazu gebe es seit kurzem einen Bescheid des Amts der Niederösterreichischen Landesregierung, in dem ausdrücklich festgehalten werde, dass derartige Wetten zulässig seien. Die Hunderennenwetten seien dem Unternehmen Admiral Sportwetten daher ausdrücklich genehmigt worden, so Brunner. Diesen Bescheid habe das Unternehmen im Verfahren beim Gericht in St. Pölten schon vorgelegt.

Grüne fordern Stopp des "Kleinen Glücksspiels"

Die niederösterreichischen Grünen forderten am Freitag in einer ersten Reaktion auf die bekannt gewordenen Vorwürfe den "sofortigen Stopp" des kleinen Glückspiels in Niederösterreich. "Diese Strafanzeige bietet ein erschreckendes Sittenbild, das durchaus mit mafiösen Machenschaften mit Begünstigungen gleichzusetzen ist", so der Franktionsvorsitzende Stefan Schennach, der die Bundesregierung, insbesondere das Justizministerium, zum sofortigen Handeln auffordert und die Bildung einer Sonderkommission verlangt.

Auch über die Rolle jener Politiker, die "in besonderer Weise der Firmengruppe Novomatic verbunden" seien bzw. deren Wünsche "besonders wohlwollend" gefördert hätten, forderte Schennach Aufklärung. Er verlangte weiters eine Überprüfung aller bisherigen Expertisen "so genannter Gutachter", denn die Strafanzeige halte fest, dass die Novomatic-Gruppe "offensichtlich massives Lobbying (Politik, Beamte, etc.) zu Gunsten dieser VNT (Video-Network-Terminals, Anm.) betreibt und im Umfeld dieser Firmengruppe Sachverständige durch das Anbieten von gut honorierten Beraterverträgen für objektive Ermittlungen nicht mehr herangezogen werden".

"Schutzwall"

In der Strafanzeige heißt es wörtlich: "Die Firma HTM hat sich durch diese, ihr genehmen Gutachten einen 'Schutzwall' aufgebaut, um sich gegen behördliche Verfolgung abzusichern". Im Sog dieser Firmengruppe gebe es daher nicht nur den Verdacht auf illegales Glücksspiel, sondern auch den Verdacht auf massive Beeinflussung von Politik und Verwaltung. "Vor diesem Hintergrund muss nun auch das besonders freundliche Klima für diese Firmengruppe rund um die Landesregierungen von Niederösterreich und Wien einer intensiven Untersuchung unterzogen werden", so Schennach, der von "untersuchungswürdigen Gerüchten" spricht.

Grünen-Landesgeschäftsführer Thomas Huber warf dem für das Glückspiel zuständigen nö. Landesrat Emil Schabl (SPÖ) "versäumte Kontrollen" vor und übte auch an der Landes-VP heftige Kritik: "Jetzt wird die Familienpartei ÖVP erklären müssen, was sie uns hier ins Land geholt hat."

SP-Maier "besorgt"

Besorgt zeigte sich auch SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier. Er mache schon seit zwei Jahren auf die Problematik des Glücksspiels und seiner Ansicht nach illegale Formen - wie Hundewetten - aufmerksam; in zahlreichen parlamentarischen Anfragen habe er Auskunft von den jeweils zuständigen Ministern begehrt, "deren Antworten oft nicht gerade befriedigend gewesen seien", sagte Maier zur APA. (APA/red)

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