Beteiligt!

23. März 2007, 17:00
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Mitarbeiterbeteiligung ist eines der drängendsten wirtschaftspolitischen Themen

Wer in den wenigen heimischen Unternehmen außerhalb der Finanzbranche arbeitet, die ein durchgängiges Mitarbeiterbeteiligungsmodell eingeführt haben und Boni ausschütten, kann sich schon mal überlegen, was er mit dem warmen Regen für 2006 anstellt – Ende März wird ja ausgeschüttet.

Zur Inspiration eine Studie der US-Marktforschungsagentur Prince & Associates, die 200 Wall-Street-Banker mit mindestens je zwei Millionen Dollar Bonus für 2006 befragt hat. Klischees à la Wall-Street-Inkarnation Gordon Gekko stimmen demnach nur bedingt, denn: Nur 2,8 Prozent landen bei Ferrari, Bentley & Co. Der Großteil fließt in Zukunftsvorsorge und Eigenheim. Rund vier Prozent fließen in karitative Einrichtungen, dreimal so viel in Kunstgegenstände – fast gleich viel, wie in Uhren und Juwelen rinnt. Um die Relationen richtig zu sehen: Zusammen werden jetzt fast 24 Milliarden Dollar an Bonuszahlungen an der Wall Street ergossen.

Dagegen nimmt sich, zugegeben, die aktuelle Diskussion um Mitarbeiterbeteiligung in Österreich klein aus. Aber sie ist eines der drängendsten wirtschaftspolitischen Themen. Das Projekt "Genosse Aktionär"(©Reinhard Göweil) wäre nicht nur für die Verteilungsgerechtigkeit und die Mitarbeiterbindung sinnvoll.

Modelle, ähnlich der Voest-Stiftung, die mittlerweile zu den Kernaktionären des Unternehmens gehört, könnten auch nationale Interessen absichern. Möglich, dass Internationalisierung und Globalisierung so auch in mittelständischen Unternehmen einen Teil ihres Schreckens verlieren, sich das Gefühl von "denen da oben" und "uns da unten" entschärft.

Dass sich Mitarbeiterbeteiligung mit Pensionsvorsorge in Form einer Firmenpension verknüpfen ließe, wie Alfred Gusenbauer vorschlägt, ist allerdings nur dann keine schlechte Idee, wenn Wahlfreiheit besteht. Weil die Beteiligung an den Gewinnen der Firma inklusive einer verordneten Zweckbindung entmündigt, statt zu motivieren. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 24./25.3.2007)

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    der standard/matthias cremer
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