Diskussion um Experiment mit Kindern

30. März 2007, 18:02
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Forscher will mit Kindern auf den Mount Everest - lebensgefährliches Abenteuer oder Einsatz für einen guten Zweck?

London - Große Entdeckungen in der Medizin sind oft mit großem persönlichen Einsatz verbunden. Doch was jetzt ein britischer Professor plant, geht nach Ansicht vieler seiner Landsleute zu weit: Um möglicherweise ein lebensrettendes Medikament für kranke Kinder zu finden, steigt Monty Mythen im April auf den Mount Everest. Dabei klettert er nicht allein - mit ihm machen sich neun Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren auf den gefährlichen Weg.

An ihnen soll erforscht werden, wie Nicht-Erwachsene auf Höhenlagen und Sauerstoffmangel reagieren. Kritiker sprechen von einem Wahnsinnsvorhaben, Mythen aber beteuert: "Wir missbrauchen die Kinder nicht als Versuchskaninchen."

Begründung

Das Unternehmen am höchsten Berg sei der Welt genau geplant, sagt der Professor. Die Kinder würden durch die Herausforderung wichtige Erfahrungen sammeln. Und die Ergebnisse könnten irgendwann einmal Leben retten. Bisher gab es eine ähnliche Studie nur für Erwachsene. "Aber Kinder sind nicht einfach Mini-Erwachsene. Ihre Körper reagieren völlig anders", sagt Mythen. Das Wissen, wie sie auf Sauerstoffmangel reagierten, könne künftig beispielsweise das Leben von Frühgeborenen retten. Oder Kinder mit Mukoviszidose oder angeborenen Lungendefekten.

Für solch ein Ziel sei der Einsatz nicht zu hoch, beteuert der Professor für Anästhesie und Intensivmedizin am University College in London. Und er geht mit eigenem Beispiel voran: Auch Mythens eigene vier Kinder sollen in den Osterferien nicht faul zu Hause oder irgendwo in der Sonne rumliegen, sondern den mit 8850 Metern höchsten Berg der Welt knapp mehr als die Hälfte emporkraxeln. Für ihren Vater ist dies auch die Gelegenheit, seinem Nachwuchs klar zu machen, "dass ohne Einsatz nichts gewonnen werden kann". Dass er selbst sehr weit zu gehen wagt, hat Mythen schon bewiesen: Er ließ sich in einem Experiment immerhin ein Viertel seines Blutes aus dem Körper abziehen, um die Auswirkungen auf das Herz und den Blutdruck zu erforschen.

Planung

Mit den vier Kindern des Professors reisen auch noch vier Nichten und Neffen sowie der sechsjährige Sohn einer von mehreren teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten. Nach den derzeitigen Plänen wird die Gruppe am Sonntag zunächst nach Kathmandu fliegen. Dann soll es nach Namche Bazaar gehen, eine Sherpa-Station zwischen Tibet und Nepal, in der Mythen ein High-Tech-Labor aufgebaut hat. Die Kinder und ihre Begleiter werden per Mini-Flugzeug zu einem nahe gelegenen Landepunkt geflogen, von dort geht es laut Mythen entlang eines "idyllischen Flussbetts" zum Lager.

Im Lager wird die gesamte Gruppe nochmals auf ihre Gesundheit überprüft. Und dann geht es richtig los, geplant ist in mehreren Etappen ein Aufstieg bis zum Everest-Basislager in 5.400 Metern. Auf dieser Höhe klappen schon viele Erwachsene zusammen.

Kritik

Unverständlich ist deshalb für viele, dass dieses Experiment überhaupt geplant ist. "Dieser Trip ist eine völlig überflüssige hochgefährliche Sache und auch noch eine Verschwendung von Geldern", sagt beispielsweise Roger Meacock. Der Luftdruck-Experte verweist in der "Times" darauf, dass die Situation vor Ort perfekt in einer Sauerstoffkammer simuliert werden könnte. Insofern gebe es keinen Grund, "das Leben von Menschen zu riskieren". Auch Familienvater Colin Macpherson versteht das ganze Vorhaben nicht. Es gebe keine Notwendigkeit für den gefährlichen Ausflug - "außer der Professor will Ruhm für sich und seine Familie". (APA)

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    Die Expedition mit Kindern will den Mount Everest bis zum Everest-Basislager in 5.400 Metern besteigen.

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