Forschungsnetzwerk zur Angiogenese

30. März 2007, 18:02
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Mit monoklonalen Antikörpern und kleinen synthetischen Molekülen wurden die ersten Wirkstoffe in die Krebstherapie eingeführt

Wien - Jeder bösartige Tumor benötigt für sein Wachstum ab einer gewissen Größe Blutgefäße. Ihre Neubildung - die Angiogenese - kann bisher nur teilweise gehemmt werden. Auf der anderen Seite wäre es bei Krankheiten wie Durchblutungsstörungen oder gar Herzinfarkt wichtig, die Angiogenese gezielt fördern zu können.

Ein vom Wissenschaftsfonds FWF in einer ersten Phase mit fast drei Mio. Euro unterstütztes Netzwerk zur "Angiogenese bei Krankheiten" aus Forschungsgruppen in Wien, Innsbruck, Heidelberg und Zürich will die einzelnen Etappen der Blutgefäß-Neubildung auf molekularer Ebene entschlüsseln. Erste Erfolge gibt es bereits, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Start

Die Initiative wurde im Jahr 2004 von Erhard Hofer vom Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung der Medizinischen Universität Wien und von Peter Petzelbauer (Universitäts-Hautklinik/Wien) gestartet. Hofer: "Es geht vor allem um die Aufklärung der Regulation der Angiogenese auf molekularer Ebene, um die Rolle von Knochenmark-Stammzellen bei der Bildung neuer Gefäße und um die Identifizierung von neuen Targets (Zielen, Anm.), um diese Prozesse zu beeinflussen."

Erste Wirkstoffe

In den vergangenen Jahren wurden mit monoklonalen Antikörpern und zuletzt auch mit kleinen synthetischen Molekülen die ersten Wirkstoffe in die Krebstherapie eingeführt, welche den stärksten Blutgefäß-Wachstumsfaktor, VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor), hemmen. VEGF wird von bösartigen Zellen produziert, um das Einsprießen von kleinen Blutgefäßen von außen in den Tumor zu starten.

Hellmut Augustin vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ): "In Kombination mit Chemotherapeutika hat man diese Mittel schon als viertes Standbein der Krebstherapie bezeichnet." Doch im Durchschnitt wird durch eine solche Behandlung die Überlebenszeit der Patienten um etwa ein Viertel verlängert. Bei Dickdarmkrebs zeigt die Therapie bei mehr als 50 Prozent der Kranken kein Ansprechen, bei manchen wirkt sie aber wiederum extrem gut. Hier ist noch viel an Forschungsarbeit offen. Erstens weiß man nicht, warum manche Patienten positiv, andere überhaupt nicht reagieren. Zweitens lernen die Tumoren offenbar, die Hemmung von VEGF- bzw. von dessen Rezeptoren zu umgehen.

Zielerweiterung

Augustin: "Neben der Sprossung von Blutgefäßen gibt es aber auch das Zusammenwachsen und die Ausreifung als weitere Stadien der Gefäßneubildung bei Tumoren." Mit der Identifizierung neuer Ziele für Medikamente in dieser Kaskade an Ereignissen könnte die Therapie eventuell wesentlich wirkungsvoller gemacht werden. Am DKFZ haben die Wissenschafter zum Beispiel mit Angioprotein/Tie ein solches Target identifiziert, das man inhibieren könnte. Der Forscher: "Das erhöht die Wirksamkeit der Anti-VEGF-Therapie."

Michael Detmar und sein Team am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften an der ETH Zürich beschäftigen sich hingegen speziell mit der Bildung von Lymphgefäßen. Über sie dürfte der wesentliche Teil der Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) bei Krebs erfolgen: "Tumoren können Lymphgefäße aktivieren. Sie können aber auch in Lymphknoten zur Bildung von Blutgefäßen führen." Das wiederum fördert die Ausbreitung der Tumorzellen im Körper.

Proteinrolle

Die Arbeitsgruppe um Hofer in Wien wiederum testet an genetisch veränderten Mäuse die Rolle verschiedener Proteine bei der Gefäßbildung. Mit dem "Early Growth Response Protein-1" haben sie offenbar einen bedeutenden Faktor bei diesen Abläufen identifiziert. Der Experte: "Wenn man den bei Mäusen hemmt, wird das Wachstum von Tumoren um 80 Prozent reduziert."

Erwin Wagner vom Institut für Pathologie (IMP) in Wien und seine Mitarbeiter beschäftigen sich im Rahmen des Netzwerkes mit Stammzellforschung und mit Tiermodellen für Krankheiten, bei denen die Angiogenese eine Rolle spielt. Eine davon ist die Psoriasis. Wagner: "Da ist seit langem bekannt, dass es dabei zu einer vermehrten Bildung von Blutgefäßen in der Haut kommt. Wir haben dafür ein Tiermodell entwickelt." Das Forschungsnetzwerk will sich im September dieses Jahrs um eine Verlängerung des Projekts bemühen. (APA)

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