Sachertorte feiert 175. Geburtstag

1. April 2007, 20:18
7 Postings

Die schokoladige Sünde wurde 1832 von Franz Sacher am Hofe des Fürsten Metternich kreiert - Produktion seit 1999 in Simmering

Eine der berühmtesten Süßwaren der Welt feiert heuer ihr 175-jähriges Jubiläum: die Sachertorte. Damit ist sie deutlich älter als das ebenfalls nicht unbekannte Hotel Sacher, das "lediglich" 130 Jahre auf dem Buckel hat. Mittlerweile werden jährlich mehr als 300.000 der "Original Sachertorten" produziert und wie seit Beginn von Hand aprikotiert, also mit Marmelade überzogen bzw. gefüllt, glasiert und verpackt.

Die Sachertorte erblickte im Todesjahr Johann Wolfgang von Goethes, 1832, das Licht der Welt. Kreiert wurde ihre Urform vom sechzehnjährigen Kocheleven Franz Sacher am Hofe des Fürsten Metternich. Als ausgelernter Koch vermarktete Sacher dann sein Werk im großen Stil.

Die Verfeinerung zur heute bekannten Torte erfolgte aber erst unter seinem Sohn Eduard (der 1876 auch das Hotel und Restaurant gründen sollte), als dieser beim Hofzuckerbäcker Demel in die Lehre ging. Zur wirklichen Bekanntheit trug nicht zuletzt Katharina Pratos unter Kennern heute noch geschätztes Kochbuch "Die Süddeutsche Küche" bei, wo die Autorin "Chocolade-Torte a la Sacher" pries.

Rechtsstreit der Konditoren

Beinahe ebenso legendär wie das Zuckergebäck sind allerdings auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die sich Sacher und Demel um dessen Namensrechte lieferte. Begonnen hatte der Ärger mit Erbstreitigkeiten nach dem Tod von Hotelchefin Anna Sacher 1930. Sohn Eduard lief damals zu Demel über und übertrug dem Hofzuckerbäcker das Alleinverkaufsrecht für eine "Eduard-Sacher-Torte".

Es folgte eine "Tortenschlacht" in mehreren Teilen und Prozessen, die sich um die zweite Schicht Marmelade in der Tortenmitte drehte, wie sie von Sacher eingeführt wurde oder die Verwendung von Margarine anstelle von Butter. Kern des Disputs war das Recht, die "Original" Sachertorte zu vertreiben. Dies hat mittlerweile nur mehr das Sacher inne - während der einstige Hofzuckerbäcker lediglich die zum Gattungsbegriff gewordene Bezeichnung "Sachertorte" verwenden darf. Produktion seit 1999 in Simmering

Alfred Buxbaum, Chefkonditor des Hotels Sacher, backt 300.000 Sachertorten jährlich und verzehrt nach eigenen Angaben noch wöchentlich zwei Stücke davon - er nennt das scherzhaft "Qualitätskontrolle". Der Arbeitsplatz des Sacher-Konditors ist seit 1999 allerdings nicht mehr im Keller des Luxushotels in der Wiener Innenstadt angesiedelt, sondern in einem schmucklosen Flachbau unweit des Zentralfriedhofs im Bezirk Simmering.

Die Produktionsmenge wurde einfach zu gewaltig. Mittlerweile fließen jährlich 1,2 Mio. Eier, 80 Tonnen Zucker, 70 Tonnen Schokolade, 37 Tonnen Marillenmarmelade, 25 Tonnen Butter und 30 Tonnen Mehl allein in die Produktion der Sachertorte. Dabei nicht eingerechnet sind die Zutaten für die zahllosen Ableger wie die Sacherschnitte, den Sacherwürfel und ähnliche Süßwaren.

Geheimnis Glasur

Das berühmte Geheimnis der Sachertorte liege übrigens in der Schokoladenglasur, versicherte Buxbaum - ohne Details zu nennen. Dafür finden drei eigens im deutschen Lübeck und Belgien produzierte Schokoladesorten Verwendung. Dabei setzt Buxbaum mit seinen 21 Konditoren und 25 Verpackern in Simmering immer noch auf Handarbeit. So ist eine Mitarbeiterin alleine zuständig dafür, bis zu 7.500 Eier täglich aufzuschlagen. Erst seit vier Jahren hat man eine automatische Schneidemaschine - bis dahin mussten die hunderttausenden Torten noch von Hand geteilt werden.

In zwei Tranchen liefert die Simmeringer Produktion täglich den Nachschub ins Hotel, wo ein Drittel der Jahresproduktion von 300.000 Stück direkt verzehrt wird. Ein weiteres Drittel geht im angeschlossenen Geschäft über den Ladentisch und ein weiteres Drittel wird in alle Welt verschickt - bis nach Kasachstan und Neuseeland.

Dabei muss das Produkt immer die gleiche Qualität haben, weshalb der Chefkonditor an der Original-Sachertorte nichts verändern darf. Aber auch innerhalb des gesteckten Rahmens aus Glasur und Marillenmarmelade lässt sich experimentieren. So war Buxbaum an der Produktion der größten je hergestellten Sachertorte beteiligt, die es 1998 mit 2,5 Metern Durchmesser ins Guinnessbuch der Rekorde brachte. Und sein persönlicher Hochzeitskuchenrekord mit Sachertorten liegt bei beeindruckenden zwölf Stockwerken. (APA)

  • Artikelbild
    foto: hotel sacher
Share if you care.