Ein Airbus, einmal anfüllen bitte

11. April 2007, 13:50
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"Niki" übernahm als erste Fluglinie weltweit den Airbus A319 mit neuem Innendesign, an dem die heimische FACC maßgeblich beteiligt ist

Eingesetzt wird der neue Flieger auf der Moskau-Route.

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Wien - Niki Lauda ist immer für Überraschungen gut. Am Vorabend der A319-Übernahme wetterte er noch im Hamburg gegen eine mögliche Kerosinbesteuerung, und tags darauf setze er sich mit einem schelmischen Lächeln zu Tisch und berichtete, dass ihm Airbus eine volle Tankladung (19 Tonnen) spendiert habe, mit der er spielend von Hamburg nach Wien und nochmals retourkommt. Wie ist das möglich, wollten die Journalisten von Lauda wissen?

Zufrieden lehnte er sich zurück und berichtete, dass es bereits zu Zeiten, als ihm noch die Lauda Air gehörte, einen Deal mit Boeing gab, dass er, wann immer er persönlich ein neues Flugzeug abhole, eine volle Tankladung bekomme. Die dürfe aber nicht zu knapp bemessen sein und müsse, selbst wenn in Wien keine Landung möglich sei, "für den Ausweichflughafen Bangkok reichen", erzählte Niki-Chef Siegfried Lenz amüsiert. Vereinbart wurde der Deal 1978, als Lauda seine erste B 737 in Seattle übernahm.

Neue Kabine

Teuer wurde die Abmachung dann Ende der 90er-Jahre, als Lauda seine erste 777 übernahm. Boeing befüllte den Riesenjet mit 137 Tonnen Kerosin, notwendig wären etwa 50 Tonnen für den Rückflug gewesen. Jetzt, wo Niki und sein Partner Air Berlin auf Airbus umstiegen, bestand Lauda auf der gleichen Abmachung. Und so kam es, dass Airbus Laudas ersten A319 mit 19 Tonnen Kerosin (die Tonne kostet derzeit 650 Dollar) befüllte, inklusive Reserve wären etwa sieben Tonnen für den Rückflug nach Wien notwendig gewesen.

Der A319, für den Lauda anstelle des Listenpreises von rund 50 Mio. Dollar nur 36 Mio. Dollar (27 Mio. Euro) bezahlte, wurde erstmals mit einer neuen Kabine ausgestattet, die künftig bei allen Maschinen der Airbus-A320-Familie (A318, A319, A320 und A321) zum Einsatz kommt. Die neu designte Kabine bietet mehr Stauraum, ist heller, hat weniger Gewicht und eine geringere Geräuschentwicklung. An der Entwicklung war der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC maßgeblich beteiligt. FACC rechnet dadurch mit einem zusätzlichen Auftragsvolumen von mehr als 150 Mio. Dollar.

Für Niki ist der A319 mit 150 Sitzen der insgesamt siebente Flieger, der ab Ende März vor allem auf der neuen Strecke nach Moskau eingesetzt wird.

Die vor drei Jahren gegründete Airline erwartet heuer einen Umsatz von 190 Mio. Euro (2006: 145 Mio.) und 1,7 Mio. (2006: 1,3 Mio.) Passagiere. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sei im Vorjahr trotz der hohen Kerosinpreise "deutlich positiv" ausgefallen, lag aber "unter einer Million Euro", sagte Niki-Finanzchef Gottfried Neumeister. Der Gewinn soll sich heuer weiter verbessern. Niki sichert rund ein Drittel des Treibstoffbedarfs durch so genanntes Hedging am Terminmarkt ab.

Klimaschutz

Ziemlich verärgert ist Lauda in Sachen Klimapolitik über "unsere obergscheiten Politiker, die jeden Tag etwas Neues erfinden, als Nächstes heißt es dann, alle sollen mit dem Rad fahren". Die Probleme würden nicht gelöst, weil sich "die Politiker Paris-Hilton-artig in Szene setzen", echauffierte sich Lauda und plädiert dafür, das Thema effizient auf europäischer Ebene anzugehen. Unzufrieden ist er auch mit Verkehrsminister Werner Faymann (SP), der für ihn trotz mehrmaligen Versuchs bisher nicht zu sprechen war. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.3.2007)

  • Niki Lauda übernahm in Hamburg direkt bei Airbus seinen ersten A319.
    foto: airbus

    Niki Lauda übernahm in Hamburg direkt bei Airbus seinen ersten A319.

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