"Sie haben eine schöne Uhr": Antrag abgelehnt

von Redaktion  |  11. April 2007, 19:00

Von indischen Eunuchen und sonstigen Indizien: Ausschnitte aus Befragungsprotokollen in Asylverfahren

Befragungen im Asylverfahren sind für alle Beteiligten unangenehm. Die Asylsuchenden sehen sich den Autoritäten ausgeliefert, durch verwirrende Rechtsbestimmungen verunsichert, vor allem aber haben sie Angst, weil sie wissen, dass die Entscheidung über ihren zukünftigen Aufenthalt außerhalb ihres Einflusses und - zumindest erstinstanzlich - in den Händen einer einzigen Person liegt. Die BeamtInnen hingegen müssen in Lebensgeschichten stochern, Indizien finden, und dann Entscheidungen treffen, die tiefgreifende Konsequenzen für die Zukunft der asylsuchenden Menschen haben.

 

Dass Letztere mit ihrer Aufgabe häufig überfordert sind, zeigen Ausschnitte aus Befragungsprotokollen und Asylbescheiden, wie sie derStandard.at vorliegen.

 


"Sie haben eine schöne Uhr. Stammt diese aus Nigeria?"

 

So leitete ein Beamter sein Interview mit der Frage ein: "Sie haben eine schöne Uhr. Stammt diese aus Nigeria?". Die Tatsache, dass die Asylwerberin die Uhr selbst gekauft hatte, den Preis aber nicht mehr wusste, kam der Behörde offensichtlich verdächtig vor - Asyl abgelehnt.

 


"In der Großstadt Gorkahpur wurde ein Transvestit (Eunuch) zum Stadtpräsidenten gewählt"

 

Ein Inder, der angab, als Homosexueller in seiner Heimat Repressionen ausgesetzt zu sein, wurde von der Behörde für unglaubwürdig erklärt. Homosexualität sei "in Indien nicht illegal", begründete der Beamte fälschlicherweise, denn "in der Großstadt Gorkahpur wurde ein Transvestit (Eunuch) zum Stadtpräsidenten gewählt". Asyl abgelehnt.

 


"Außerdem kann es auch in Österreich zu Anfeindungen von Homosexuellen kommen"

 

Ein ebenfalls homosexueller Asylwerber wurde wiederum darauf hingewiesen, dass "die freie Auslebung von Homosexualität auch in Österreich noch nicht überall und jederzeit möglich ist": Asylbescheid negativ.

 


"Was verstehen Sie unter dem Begriff 'Devisen- und Valutengeschäft'?"

 

Ein mongolischer Flüchtling, der angab, als politisch engagierter Wirtschaftsstudent verfolgt worden zu sein, erlebte, wie aus der behördlichen Befragung ein Finanzwirtschafts-Test wurde: "Was verstehen Sie unter dem Begriff Devisen- und Valutengeschäft? Unter dem Begriff Kapitalfinanzierungsgeschäft?" Den BeamtInnen war der Mann nicht sattelfest genug - es sei "nicht nachvollziehbar, dass der Ast. (Antragsteller, Anm.) höchst allgemeine Fragen im Zusammenhang mit Bankgeschäften nicht beantworten konnte" - Asyl abgelehnt. (mas)

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lou cyphre 
19.04.2007 08:15
ach was...

der beamte wollte einfach die uhr als bestechung ;))

Volkes Stimme
17.04.2007 15:20
In der Lage eines Asylanten möchte ich genau sowenig wie in der des Beamten stecken!

Welcher Verrohung jeder ausgesetzt ist, der so viel Leid protokollieren muß, ist meines Dafürhaltens übermenschlich.

Misstrauen richtet sich gegen alles und jedes - es ist wie bei der Eifersucht die mit Eifer Leiden schafft.

Trotzdem - die meisten Beamten werden bemüht sein. Etwas Schlimmeres kann ich mir nicht denken.

yotix
30.04.2007 11:32

"Bemüht"? Ja klar: Bemüht allein, die Anzahl der positiven Bescheide zu minimieren, ganz entsprechend den Weisungen ihres Ministeriums.

Volkes Stimme 
30.04.2007 12:18
Hier fehlt ein wenig die Feinheit der Sprache - werter yotix!

Sehr Bemüht ist auch mit Unfähig zu übersetzen.

living reef
16.04.2007 07:17
...ein Transvestit (Eunuch) ????...

soviel schwachsinn und blödheit auf einmal tut wirklich weh!

yotix
30.04.2007 11:33

Man kann von einem kleinen Beamten, der womöglich noch Alkoholprobleme hat, FPÖ wählt und seine politische Bildung der Klone entnimmt, doch wirklich nicht mehr erwarten als das ... oder?

johann mayer
30.04.2007 13:41

Erstens sind die mit dem Asylverfahren betrauten Beamten keine, wie sie es nennen, "kleinen" Beamten, sondern durchaus qualifiziert, zweitens ist mir keiner bekannt, der ein Alkoholproblem hätte, was hätte ein solches auch mit der Gewährung von Asyl zu tun, drittens entnehme ich meine politische Bildung mit Sicherheit nicht der Krone sondern einem breit gefächertem Medium zu dem auch der Standard gehört und viertens hat die Partei die ich wähle, zu der übringens nicht die FPÖ gehört, nichts mit der Entscheidung zur Gewährung von internationalen Schutz zu tun.

Dagmar Rehak Infos zum Powerposten |  
13.04.2007 09:50

Rein theoretisch, die Uhr war wirklich sauteuer:
Wo steht geschrieben, dass die Asylgesetze für reiche Leute nicht gelten? Was nützt einem Asylwerber, dessen Leben bedroht ist, sein Reichtum? Soll er sich um das Geld ein neues Leben kaufen? Oder ist das Leben reicher Leute grundsätzlich weniger wert?

Bodypainter 
16.04.2007 18:44
es geht nicht um den preis

ich glaube da geht es nicht wirklich um den preis, sondern der tatsache, daß er den preis nicht wusste, was halt für den prüfer den verdacht nahelegen ließ, daß der antragsanwärter den preis nicht wusste, weil sie diebesgut war.

maria grimm
06.05.2007 22:37
gilt das nicht mehr,

dass man nur dann als schuldig gilt, wenn die schuld erwiesen ist- und nicht schon, wenn es irgendein nichtsehrwohlwollender beamter einfach mal annimmt?

Jacob Fugger
06.05.2007 23:48
No was glauben Sie, woher ein solcher Beamter

die Entscheidungsgrundlagen, die er nun mal braucht, hernehmen soll. Blauäugig alles glauben, was ihm von einem, der sich - no na - gut präsentieren will, gesagt wird ?

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13.04.2007 12:33

Von dem Fall wissen wir folgendes:
1. Die Frau gibt an, dass sie Nigerianerin ist.
2. Sie besitzt eine wertvolle Uhr, zu der sie keine Angaben machen kann oder will.
3. Ihr Asylbescheid 1. Instanz ist negativ.

Und jetzt, was schliessen Sie daraus?

Der Wert der Uhr ist übrigens schon deshalb von Bedeutung, weil die Uhr eventuell zur Deckung der Abschiebekosten beschlagnahmt und verwertet werden kann.

Decius
21.05.2007 14:11
Es ist eine Quarzuhr

also praktisch nichts wert, egal ob sie goldfarben angepinselt ist.

Rotz Pipm
16.04.2007 10:18
und? kennen sie den unterschied zwischen einem wirtschaftsmigranten und einem asylwerber nicht?

was hat ein asylantrag jetzt ihrer meinung nach genau mit einer teuren uhr zu tun?

mein mann war vor der flucht sehr wohlhabend in seiner heimat, hatte 2 haeuser, 2 autos und hauspersonal, ging auf eine teure privatuni,......

unter anderem verfuegte er ueber diese dinge, weil er in der politik taetig war.
und aus politischen gruenden musste er dann auch fliehen.

wie gesagt. ich sehe nicht, was reichtum oder armut mit asyl zu tun haben soll.

Bezahlte Werbeeinschaltung
16.04.2007 12:45

Sie werden es kaum glauben:
Es haben auch schon Asylwerber ohne goldene Uhr einen negativen Asylbescheid bekommen.

mr. pfingstox
13.04.2007 15:37

bitte?
und was schließen sie daraus?

heinrich harrer
12.04.2007 19:32
bisschen einseitig berichtet

das katz&mausspiel existiert tatsächlich in dieser form.
allerdings auch nicht ohne grund: die meisten asylsuchende kommen per schlepper nach öst. und die guten schlepper liefern ein full inclusive service für ihre kunden: exakte anweisungen was wann wie zu sagen und formulieren ist. die schlepper kennen unsere gesetzeslage und mögliche schlupflöcher detailliert. da werden asylanten die aufgrund ihrer herkunft nie asyl bekommen würden transitrouten, landesflagge,... von ländern eingetrichtert für die sie dann doch asyl bekommen.
klarerweise wird versucht solche leute auszusieben - dadurch ergeben sich diese merkwürdig anmutende fragen.

Davidoff et cetera 
08.10.2007 18:49

spricht da wer aus eigener erfahrung oder hat er da nur ``vergessen´´ anzugeben, dass das wissen aus mölzers "aula" kommt, hm?

Rotz Pipm
16.04.2007 10:24
seien sie mir nicht boese,

aber die meisten schlepper schmeissen bei geringster gefahr ein paarhundert leute ins meer.

ich denke der full inclusive service den sie hier beschreiben ist da schon eher die absolute ausnahme.

.MS.
19.04.2007 11:24
das kann ich mir nicht vorstellen

ich bin davon überzeugt, dass schlepper ihre kunden über mundpropaganda finden - fernsehwerbung werden sie jedenfalls bestimmt nicht machen.
wenn jemand hört, dass ein freund, oder ein verwandter von einem schlepper heil nach europa gebracht wurde und derjenige auch nicht postwendend zurückschickt wurde, wird er dem schlepper eher sein ganzes erspartes geben, als einem völlig fremden, der ohne "referenzen" behauptet ihn nach .eu zu bringen.

das hindert sie aber nicht daran, bei ernsthafter gefahr selbst verhaftet zu werden, die schützlinge über die klinge springen zu lassen.

Der Wicht
17.04.2007 00:04

"die meisten" gefällt mir, kennen sie so viele? Ich weiß nur, dass 1x was davon in der Zeitung stand.

Ich bin, was mein Wissen über Schlepper betrifft, diversen Artikeln und Fernsehsendungen ausgeliefert.

mr. pfingstox
13.04.2007 15:38

"klarerweise wird versucht solche leute auszusieben" - das bestreitet ja auch niemand. nur: mit solchen fragen??

Famelorn
12.04.2007 19:02
schlussfolgern

also ich finde diese verständnisfragen überhaupt nicht problematisch. wenn wer wirtschaftsstudent ist und noch nicht mal zwischen valuta und devisen unterscheiden kann, dann ist da was faul. das ist stoff vom 1.semester. und wenn ich eine 24karat saphirglasuhr hätte dann wüßt ich definitiv wieviel die gekostet hat. ich hab da eher den eindruck dass da hilfsorganisationen übers ziel hinausschießen wenn sie flüchtlinge mit gründen und argumentationshilfen briefen die dann in sich zusammenfallen weil es eben kein "bedürftiger" ist.statt flüchtlingen bräucht es mehr hilfe in den jeweiligen ländern. aber das ist ein kreislauf der eben keinen freut, weil dann würd man kaffee nicht günstiger bekommen als vor 20 jahren und es gäb keine billigwaren.

eze eze
06.05.2007 05:27

Wenn du Wirtschaftsstudent bist, und in, sagen wir, Bosnien landest, hättest du vermutlich auch Probleme, dein Fachwissen dort in der Landessprache zu erklären, selbst wenn du dich im Alltag auf Bosnisch ganz gut verständigen kannst. Ganz abgesehen davon, dss auch ein Wirtschaftsstudent einer im 1. Semester sein kann, und dass die Lehrpläne und die Abfolge des Stoffes vielleicht völlig unterschiedliche sind. Und Grund für den Asylantrag war ja wohl die politische Aktivität des Studenten - die hätte er aber, rein theoretisch, auch als Kellner oder sonstwas ausüben können. Der Beamte verliert sich hier in Nebensächlichkeiten, die für die Beurteilung keine Rolle spielen sollten.

Rotz Pipm
16.04.2007 11:26
bitte informieren ueber die eigenschaften des asyls!!!

ueber den unterschied zwischen einem asylwerber und einem wirtschaftsmigranten.

das ist ja haarstraeubend, welcher stuss hier die runde macht.

ein asylantrag hat bitte NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit dem besitz oder der wirtschaftlichen situation eines fluechtlings zu tun!

es kann jemand millionen am konto haben und trotzdem politisch oder aus religioesen motiven verfolgt werden.

ein bisschen informieren waer schon angebracht, bevor man so einen schmarrn von sich gibt!

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